zu machen. -
Und was ist es, was ein Staat, der seine Priester und sein Volk zum Glauben an symbolische Bücher und ihren Inhalt zu lehren anhalten will, von sich wirft? Ist denn aufgeklärtes Christentum etwa das sophistische System eines Schulze? oder das unverdaute Zeug eines neuen Liturgienschmierers? Sind Spalding, Teller, Döderlein, Hufnagel, Eichhorn, Jerusalem, Sack und so viele andere verblendete Männer, die die Religion untergraben, und dem Leichtsinn junger Unholde sich überlassen? Was habt ihr an dem gereinigten Christentum dieser würdigen Männer auszusetzen, dass ihr es für Bedürfnis haltet, ihren Lehrmeinungen den alten Wust symbolischer Torheiten entgegenzusetzen? Worin besteht die gefährliche Ketzerei, die sie lehren? Und ziehen die Verteidiger des Altglaubens nicht gegen diese Männer und ihresgleichen zu feld? Ist der Streit auf wirkliche Religionsverächter angesehen, warum macht ihr nicht lieber die Sätze des gereinigten christentum dieser Männer zu einem Exempel der Lehre, wonach das Volk gebildet werden soll?
Wenn ein Staat solchen Männern, wie ich sie nannte, gebieten wollte: Lasst eure Grundsätze fahren, entsagt dem reineren Christentum und verwechselt es mit den Lehren der Vorzeit und alter Systeme! wie fürchterlich müsste die Lage solcher Männer sein, die, zu edel, die abscheuliche Rolle elender Heuchler zu spielen, von jedem edlen Gefühl ihres Herzens getrieben, eher alles aufopfern würden als - Wahrheit; eher das Leben dahingehen würden, als Propheten der Lüge, Lehrer des Aberglaubens und Verbreiter alter Dummheit zu werden, die der weisere Genius ihrer Zeit mit Verachtung von sich wies?
Doch welchen Träumen hänge ich nach, und welche unnötigen Besorgnisse leiten meine Feder? Kein König wird je sein Volk so sehr hassen, dass er es in die arme der Dummheit werfen könnte. Kein Staatsbedienter wird je die Religion des gereinigten christentum dem Aberglauben und dem Unsinn jener finstern zeiten aufopfern! Irrtümer werden nicht die traurigen Erfolge boshafter Absichten haben, am wenigsten bei dir, Borussia! dessen König gut, dessen Minister aufgeklärte Männer - und wo die Stützen einer heiligen Religion würdige Männer sind, wie deine Spaldings und Tellers; die so wenig zur Verstellung eines Jesuiten sich herabwürdigen können, als ein Zöllner ein Pharisäer und ein Schriftgelehrter ein Zöllner und Sünder sein kann! -
Aber gibt es nicht Länder, die weniger aufgeklärt sind als Borussia? Ist es nicht Pflicht eines edlen Mannes, zum Glück fremder Staaten das Seinige beizutragen? Und gibt es nicht Länder jenseits unserer Grenzen, die noch steif an alten Lehrbegriffen hängen und die Wahrheit und Aufklärung verfolgen?
Sagt mir einen Grund, Ihr, die Ihr dieses tut! nach welchem Ihr handelt! Ist das gereinigte Christentum gefährlich? Welche Lehre ist es? Wodurch verdarben die Spaldinge und Teller Eurer Nation den Volkscharakter? Welches sind die strafbaren Lehren, die sie predigten? Hierauf müsst Ihr antworten, wenn Ihr Euer Verfahren und Eure Ehre rechtfertigen wollt. -
Das Volk ist keiner reinen Lehre fähig! - So? darum also soll es zu einer ewigen Dummheit verdammt sein. - Das Volk von Sparta gewöhnte sich an seine harten gesetz und ward tapfer - weil es fähig dazu war. - Das Volk zu Aten war milde und gesittet; denn Solons gesetz und die Wissenschaften seiner Weisen bildeten das Volk - weil es der Bildung fähig war. Sybaris schwelgte vom grössten bis zum Kleinsten - Colophon und Milet waren mit seinem ganzen Volk der Schrecken Lydiens und weibisch und feige, wie es geleitet wurde - vermutlich, weil jedes der Eindrücke seiner Aristokraten, Könige und Demagogen fähig war. - Nur der Deutsche sollte dümmer sein als ein podolischer Ochse und Teutoniens Völker stupider als langohrige Esel? Ol der grossen Ehre, die ihr dieser Nation erzeigt, die edel sein kann, wenn sie es soll! –
Wäre es hier nun nicht eher Pflicht, das Volk mit den grundsätzen des gesitteten Teils der Nation bekannt und vertraut zu machen, als es tiefer in Barbarei und Wildheit zu stossen, die es zum teil abgelegt hat? Und gesetzt, der Pöbel wäre keiner edlen und guten Lehrsätze fähig - hilft man diesem Übel dadurch ab, dass man den wirklich edlen teil der Nation dadurch zum Pöbel herabsetzt, dass man ihm gleichen Unsinn zu glauben zur Pflicht macht? -
Es gibt Männer, die behaupten, der Kirche sei ein Regulativ des Glaubens nötig. - Wohl, wenn man den vor keiner Philosophie und keinem gesunden Verstand zu verantwortenden Grundsatz, den zur Ehre der Menschheit noch niemand behauptete, und vielleicht nie behaupten wird, festsetzen wollte: Dass die Überzeugung des Philosophen, Geistlichen, Staatsmanns und jedes Laien sich unbedingt nach dem Lehrbegriff jeder Kirche richten solle. Die Sorbonne war ehemals eines solchen Gebots fähig, und der Hierarch zu Rom erteilt ihn noch alle Tage. - Blind und unvernünftig würde solch ein elender Glaube sein, der sein Dasein keinem vernünftigen Nachdenken, sondern bloss dem Gebot zu verdanken hätte: Du sollst, du musst glauben, oder du kannst dein Amt niederlegen und Hungers, oder welchen Tod du sonst willst, sterben! Triftige Beweggründe eines solchen Glaubens, der dem, der ihn besitzt, und dem Staat, wo er haust, sonderbare Ehre bringt! Lässt sich denn die Überzeugung an den Willen eines Hierarchen binden? oder hangt es nur von irgendeinem Menschen ab, seine Überzeugung nach einer Form zu bestimmen, wovon ihm nichts weiter denn Worte bekannt sind? O! wenn ein Priester auf seiner Kanzel so dummdreist sein könnte und sagen: Ihr müsst glauben, wie ich es euch sage; würde man