All_Enlightenment_134.txt

in feurige Ruten der göttlichen Rache sich umwandeln, und das Krächzen der Eule und das Nachtgeheul der Hunde Tod und Verderben verkünden. Die rot auf- und untergehende Sonne wird alten Weibern und Narren Schrecken und Schauer verursachen; und Zeichendeuter und Zigeuner werden die gesetz des Universums durchspähen und astrologisch Nativitäten stellen und aus den Planeten das kommende Schicksal abergläubischer Menschen bestimmen. Swedenborgs Grillen werden Wurzel schlagen, und die Gesellschaft zur Erhaltung der reinen Lehre wird chiromantische Weissagungen herkrächzen und mit Hexen, Zaubereien und Kobolden ihr Jubiläum auf dem Brocken feiern. Alchimisten und Goldmacher werden Narren plündern und die Chemie lehren; Quacksalber und Urinseher werden Ärzte; Seiltänzer und Marionettenspieler verfeinern dann die Sitten durch Vorstellungen menschlicher Leidenschaften und : Schicksale; die Murmeltierträger aus Tirol spielen herzbrechend das Leiden Christi auf den Strassen; Bänkelsänger leiern Knittelverse statt Poesie; die Teufel hausen mit allen Heeren von Geistern nächtlich in den Kirchen, und den pfaffen werden die Weiber die - hände küssen, um fruchtbar zu werden.

Die Künste entgehen ihrem Schicksale nicht. Maler werden Sudler, und beschmieren die Hinterteile der Altäre, wie in der Nikolaikirche zu Berlin, und Bildhauer schnitzeln trompetende Engel auf die Orgeln; Architekten bauen in der Form des heiligen Kreuzes die Kirchen und richten sie nach Morgen und

Abend -

Bange wird es den Lebenden werden, dass sie nicht einst ihr Totenlaken einsaugen und ganze Familien würgen - Vampire, und Alp und Alraun werden die lieben frommen Christen ängstigen und in der Nacht der heiligen Walpurgis Teufel vertreiben; hysterische Jungfrauen und Weiber den Teufel im leib haben, und gläubige Priester ihn darin aufsuchen -

Dies sind deine Wissenschaften und Künste, o Staat! der du zurücktrittst ins symbolische Alter, wie sie waren, da man mehr an den Lehrbegriff als an Gott glaubte.

Wer wollte dir diesen Glanz beneiden? Volk, wenn du zum Völklein wirst -

Das grösste aller Übel, was in einem solchen Staat erzeugt werden würde, ist die Macht des geistlichen Standes. Es gibt Übel für den Staat, die gross sind; aber so unermesslich, wie der Umfang dieses Übels ist, gibt es nichts. Hätte ich die Wahl zwischen einer verheerenden Pestilenz und der Einführung der Priestergewalt, ich würde mit David sagen: Es ist besser, in die Hand des Herrn als unaufgeklärter Priester zufallen. Seine Barmherzigkeit ist gross; aber bei diesem Geschlecht ist keine zu finden. Tomas Becket, Erzbischof von Canterbury, und alle infulierten Schurken seines Standes, wie hoch erhoben sie über ihre Monarchen ihren Stolz? War der Urheber der Barrikaden nicht ein Kardinal? Die schottischen Bischöfe, die ihre Könige verfolgten, Calvin, der Genfs Ehre aufs Spiel setzte, da er Servet verbrannte, waren sie nicht altgläubige Geistliche?

Unübersehbar sind die Folgen dieses Übels. Sie nahen sich den Personen der Fürsten. Aus Geistlichen werden - Bischöfe- Staatsminister, die das Gewissen der Könige, und durch dieses die Staaten, beherrschen, wie ein grosser teil der staates bedienten Spaniens und Frankreichs. Und wo darf irgendein

Untertan eine Klage gegen einen solchen despotischen Mufti wagen, der mit geistlichen und weltlichen Waffen gleich stark um sich her schlägt? Wo Bann und Bastille dem geistlichen staates- und Premierminister zu Gebote stehen, der die Fehler seines Gehirns mit einem roten Hut und die Schwärze seines Herzens mit einem Purpurmantel deckt - der euch den heiligen Bischofsstab um die Ohren schlägt, und das Benedicite mit dem heiligen Prügel auf den Kopf gibt?

Unter Protestanten möchte dieses Übel nicht so auffallend sein. Ob es aber nicht im Verborgenen gleich stark wirken würde, ist eine andere Frage. In England sitzen Bischöfe im Parlament, die nicht katolisch sind. Oft stehen welche in den wichtigsten Staatsbedienungen des Landes. Wo dies nicht der Fall ist, wirkt ihr Einfluss öffentlich wie im Stillen. Kann auch ein Dissident, der die 39 Artikel nicht unterschreibt, ein Glied des Parlaments oder ein Bedienter des staates werden? Sind nicht Unglauben und Freigeisterei die ersten Erfordernisse für einen Klugen, der sich dem Staat widmet? Denn so würde der Altglaube es nennen, wenn man die Artikel des Glaubens unterschriebe, die man verabscheut. Leichtsinn oder Weisheit -es sei, was es sei- leitet hier durch Wege des Betrugs und der Verstellung den grossen Mann ans Ruder öffentlicher Geschäfte; und ohne sie könnte er auf ewig in Dunkelheit sich zu tod vegetieren. Wem hatte die Act of conformity ihre Entstehung zu danken, die alle von öffentlichen und Staatsämtern

ausschloss, die nicht zur bischöflichen Kirche gehörten? Und vermögen wohl die besserdenkenden Männer dieser Kirche, vermögen sie wohl eine Akte zum Vorteil der Dissenter nur so weit zu modifizieren, dass die Ehre der Nation dadurch einigermassen gerettet würde? Entstand nicht die Covenant, dies schändliche Denkmal, was anhänglichkeit an Lehrbegriffe vermag, durch Reformierte? Die Covenant, von der ein grosser Schriftsteller sagt: »Sie war in den heftigsten und giftigsten Schmähungen abgefasst, womit jemals menschliche Wesen ihr Herz zu einer unversöhnlichen Feindschaft gegen ihre Nebengeschöpfe entflammt haben. Man verband sich mit einem Eid, den Religionsänderungen zu widerstehen und sich untereinander gegen alle und jede Widersetzung zu verteidigen. Der verräterische, grausame, unerbittliche Philipp mit allen Schrecken einer spanischen Inquisition fand in dem vorhergehenden Jahrhundert keine so entschlossene Wut wider sich -als der gute sanftmütige Karl, da er eine bessere Liturgie in Schottland einführen wollte.« Und wie weit fachten die protestantischen Priester (die Presbyterianer) diesen Funken der reformierten Inquisition an? So weit, »dass sie durch die

feierliche Covenant sich verbanden, alle Papisten