Gegend angehören," erwiderte ich, "konnte ich nicht beobachten; aber ich glaube, dass diese Merkmale allein Euch doch nicht bestimmen konnten, einen so entscheidenden Ausspruch zu tun, wie Ihr getan habt."
"Sie bestimmten mich auch nicht," antwortete er, "ich hatte auch noch andere Gründe."
"Nun."
"Alle die Vorzeichen, von denen wir bisher geredet haben, sind sehr grobe", sagte er, "und werden meistens von uns nur mittelst räumlicher Veränderungen erkannt, die, wenn sie nicht eine gewisse Grösse erreichen, von uns gar nicht mehr beobachtet werden können. Der Schauplatz, auf welchem sich die Witterungsverhältnisse gestalten, ist sehr gross; dort, wohin wir nicht sehen, und woher die Wirkungen auf unsere wissenschaftlichen Werkzeuge nicht reichen können, mögen vielleicht Ursachen und Gegenanzeigen sein, die, wenn sie uns bekannt wären, unsere Vorhersage in ihr Gegenteil umstimmen würden. Die Anzeichen können daher auch täuschen. Es sind aber noch viel feinere Vorrichtungen vorhanden, deren Beschaffenheit uns ein Geheimnis ist, die von Ursachen, die wir sonst gar nicht mehr messen können, noch betroffen werden, und deren wirkung eine ganz gewisse ist."
"Und diese Werkzeuge?"
"Sind die Nerven."
"Also empfindet Ihr durch Eure Nerven, wenn Regen kommen wird?"
"Durch meine Nerven empfinde ich das nicht", antwortete er. "Der Mensch stört leider durch zu starke Einwirkungen, die er auf die Nerven macht, das feine Leben derselben, und sie sprechen zu ihm nicht mehr so deutlich, als sie sonst wohl könnten. Auch hat ihm die natur etwas viel Höheres zum Ersatze gegeben, den Verstand und die Vernunft, wodurch er sich zu helfen und sich seine Stellung zu geben vermag. Ich meine die Nerven der Tiere."
"Es wird wohl wahr sein, was Ihr sagt", antwortete ich. "Die Tiere hängen mit der tiefer stehenden natur noch viel unmittelbarer zusammen als wir. Es wird nur darauf ankommen, dass diese Beziehungen ergründet werden und dafür ein Ausdruck gefunden wird, besonders, was das kommende Wetter betrifft."
"Ich habe diesen Zusammenhang nicht ergründet," entgegnete er, "noch weniger den Ausdruck dafür gefunden; beides dürfte in dieser Allgemeinheit wohl sehr schwer sein; aber ich habe zufällig einige Beobachtungen gemacht, habe sie dann absichtlich wiederholt, und daraus Erfahrungen gesammelt und Ergebnisse zusammen gestellt, die eine Voraussage mit fast völliger Gewissheit möglich machen. Viele Tiere sind von Regen und Sonnenschein so abhängig, ja bei einigen handelt es sich geradezu um das Leben selber, je nachdem Sonne oder Regen ist, dass ihnen Gott notwendig hat Werkzeuge geben müssen, diese Dinge vorhinein empfinden zu können. Diese Empfindung als Empfindung kann aber der Mensch nicht erkennen, er kann sie nicht betrachten, weil sie sich den Sinnen entzieht; allein die Tiere machen in Folge dieser Vorempfindung Anstalten für ihre Zukunft, und diese Anstalten kann der Mensch betrachten und daraus Schlüsse ziehen. Es gibt einige, die ihre Nahrung finden, wenn es feucht ist, andere verlieren sie in diesem Falle. Manche müssen ihren Leib vor Regen bergen, manche ihre Brut in Sicherheit bringen. Viele müssen ihre für den Augenblick aufgeschlagene wohnung verlassen oder eine andere Arbeit suchen. Da nun die Vorempfindung gewiss sein muss, wenn die daraus folgende Handlung zur Sicherung führen soll, da die Nerven schon berührt werden, wenn noch alle menschlichen wissenschaftlichen Werkzeuge schweigen, so kann eine Voraussage über das Wetter, die auf eine genaue Betrachtung der Handlungen der Tiere gegründet ist, mehr Anhalt gewähren, als die aus allen wissenschaftlichen Werkzeugen zusammen genommen."
"Ihr eröffnet da eine neue Richtung."
"Die Menschen haben darin schon vieles erfahren. Die besten Wetterkenner sind die Insekten und überhaupt die kleinen Tiere. Sie sind aber viel schwerer zu beobachten, da sie, wenn man dies tun will, nicht leicht zu finden sind, und da man ihre Handlungen auch nicht immer leicht versteht. Aber von kleineren Tieren hängen oft grössere ab, deren Speise jene sind, und die Handlungen kleinerer Tiere haben Handlungen grösserer zur Folge, welche der Mensch leichter überblickt. Freilich steht da ein Schluss in der Mitte, der die Gefahr zu irren grösser macht, als sie bei der unmittelbaren Betrachtung und der gleichsam redenden Tatsache ist. Warum, damit ich ein Beispiel anfahre, steigt der Laubfrosch tiefer, wenn Regen folgen soll, warum fliegt die Schwalbe niedriger und springt der fisch aus dem wasser? Die Gefahr zu irren wird wohl bei oftmaliger Wiederholung der Beobachtung und bei sorglicher Vergleichung geringer; aber das Sicherste bleiben immer die Herden der kleinen Tiere. Das habt Ihr gewiss schon gehört, dass die Spinnen Wetterverkündiger sind, und dass die Ameisen den Regen vorher sagen. Man muss das Leben dieser kleinen Dinge betrachten, ihre häuslichen Einrichtungen anschauen, oft zu ihnen kommen, sehen, wie sie ihre Zeit hinbringen, erforschen, welche Grenzen ihre Gebiete haben, welche die Bedingungen ihres Glückes sind, und wie sie denselben nachkommen. Darum wissen Jäger, Holzhauer und Menschen, welche einsam sind und zur Betrachtung dieses abgesonderten Lebens aufgefordert werden, das meiste von diesen Dingen, und wie aus dem Benehmen von Tieren das Wetter vorherzusagen ist. Es gehört aber wie zu allem auch Liebe dazu."
"Hier ist der Sitz," unterbrach er sich, "von welchem ich früher gesprochen habe. Hier ist die schönste Linde meines Gartens, ich