1855_von_Scheffel_157_161.txt

Herrn Spazzo sehr schwer gefallen sein, die Verurteilung des für seinen Wolfshund verantwortlichen Herrn von Fridingen zu einer Busse durchzusetzen. 6 Brautwerbungen zwischen dem byzantinischen hof und den deutschen Grossen kamen in dieser Zeit wiederholt und wechselseitig vor. Oft wurden deutsche Bischöfe in solcher Mission nach Konstantinopel gesendet, z.B. Bernward von Würzburg für Kaiser Otto III., Werner von Strassburg für den Sohn Kaiser Konrads II. In einer Notiz des sanktgallischen liber benedictionum wird es sehr getadelt, dass die vornehme Männerwelt sich mit Hintansetzung der deutschen Töchter Frauen aus Italien und Griechenland holte. Die Vorliebe der deutschen Herren für byzantinische Damen begreift sich aber nach den Schilderungen derer, die Augenzeugen des neuen Tones und der liebenswürdigen Geselligkeit waren, welche durch Otto II. griechische Gemahlin Teophano an dem deutschen Kaiserhof eingeführt wurden. Sogar der ernstafte Scholastiker Gerbert, nachmals Papst Sylvester II., sah sich veranlasst, dem Zauber byzantinischer Frauensitte seine Anerkennung auszusprechen. "Da mir diese gemütlichen Gesichter", sagt er, "diese sokratischen Unterhaltungen entgegenkamen, vergass ich allen Kummer und mich schmerzte nicht mehr der Gedanke meiner Auswanderung." 7 Einheimische Vögel, künstlich abgerichtet, nahmen in den Salons jener Tage die Stelle ein, die heute den Papageien zukommt. Im Fragment VIII des lateinischen Gedichts Ruodlieb wird sehr idyllisch erzählt von solch wundersam zahmen Staren, die es verstehen, ihr Futter selbst zu verlangen, und gelehrt sind:

"Nostratim fari 'P a t e r ' et 'n o s t e r ' recitare

Usque ' q u i e s i n c o e l i s ' l i s , l i s , l i s

triplicatis."

S. Grimm und Schmeller, Latein. Gedichte des X. u. XI. Jahrhunderts, p. 174 u. 212. 8 Haec quondam parvula, Constantino Graeco regi cum esset desponsata, per eunuchos eius ad hoc missos literis graecis adprime est erudita, sed cum imaginem virginis pictor eunuchus domino mittendam uti simillime depingeret, sollicite eam inspiceret, ipsa nuptias exosa os divaricabat et oculos, sicque Graeco pervicaciter repudiato, literis post latinis studentem Purchart illam dux multipliciter dotatam duxit usw. Ekkeh. casus S. Galli c. 10 bei Pertz Monum. II, 123. 9 ... seu serpentes capitatae, oscula quae sibi dant. Ruodlieb, fragm. III, 335. – 10 Rorschach wird oftmals erwähnt als Durchgangspunkt für die nach Italien Reisenden. Das Gotteshaus Sankt Gallen übte "von des Reichs wegen" die Vogtei darüber. S. Öffnung zu Rorschach v. 1469 bei Grimm, Weistümer I, 233. Diplome sächsischer Kaiser bestätigen den Äbten von Sankt Gallen das Markt-, Münz- und Zollrecht daselbst. S. Ildefons v. Arx, geschichte des Kantons Sankt Gallen I, 221. 11 ... et clamativo illum cantu salutant: Heil herro! Heil liebo! et caetera. Ekkeh. casus S. Galli bei Pertz Mon. II, 87. 12 silvarum avidus. Vita S. Galli. 13 de natione Scotorum, quibus consuetudo peregrinandi jam paene in naturam conversa. Walafrid Strabo in der vita S. Galli lib. II. cap. 47 bei Pertz Monum. II, 30. 14 "Ascopam i.e. flasconem similis utri de coriis facta, sicut solent Scottones habere." Glosse einer sanktgall. Handschrift des neunten Jahrhunderts bei Hattemer, Denkmale des Mittelalters. Sankt Gallens altdeutsche Sprachschätze. Bd. I, 237. 15 Und jetzt allerdings, rückblickend auf das wenige Gute, was die Nachwelt der sorge wohlmeinender Vorfahren zu verdanken hat, mag man einstimmen in das Lob, das Herder s.Z. in seinem leider etwas hölzernen Poem "Die Fremdlinge" jenen frommen Wandersmännern erteilt:

"Die scotice mit altem Bardenfleiss

Die Bücher schrieben und bewahreten."

16 Regula S. Benedicti cap. 48. – Accepit solitus fratres postt prandia somnus. Annales. S. Gallenses majores bei Pertz Monum. I, 81. 17 ... in conclavi vase quodam argenteo mire figurato ad aquam inferendam utebatur. Ekkeh. IV. casus S. Galli cap. 1 bei Pertz Mon II, 88. 18 Recalvaster est, qui in anteriori parte capitis duo calvitia habet medietate inter illa habente pilos, ut est Craloh abbas et Wikram. Glosse einer sanktgallischen Handschrift zum Buch Leviticus bei Hattemer, Denkmale etc. I, 240. 19 ... more hirundinis. 20 erat senatus reipublicae nostrae tunc quidem sanctissimus. Ekkeh. IV. casus S. Galli, c. 1 bei Pertz Mon. II, 80. 21 enimvero hi tres, quamvis votis essent unicordes, natura tamen, ut fit, erant dissimiles. S. die rührende Schilderung der drei engverbundenen klösterlichen Freunde in Ekkeh. IV. casus S. Galli cap. 3. Pertz Monum. II, 94 u. ff., wo auch der böse Sindolt, ihr Widersacher, des Näheren gezeichnet ist. Ratpert ist auch der Verfasser des Lobgesangs auf den heiligen Gallus in deutscher Sprache, von dessen Bedeutsamkeit die lateinische Übertragung Zeugnis gibt, die wir noch besitzen. Hattemer, Denkmale etc. I, 337. Das von Tutilo als Deckelplatten für eine Evangelienhandschrift geschnitzte Diptychon wird in der sanktgallischen Stiftsbibliotek aufbewahrt. Man bevorzugte bei kirchlichem Schmuck das Elfenbein, da der Elefant nach einem Ausdruck Notker Labeos in seiner Psalmenübersetzung für ein "keusches Vieh" (chiûsche fiêo) galt. Hattemer,