der Eva nicht geerbt, sondern bloss den Balg, der sich gerne streicheln lässt, und die Lust an allem, was wohl macht und behaglich sein lässt. Zum rechten Glauben bedarf es schon rechter Leute, dass heisst ganz anderer als solcher, welchen es nur um das Behagen des Balges zu tun ist. Der rechte Glaube geht vom Unbehagen aus, nicht vom Behagen, nicht vom Gefühle des Wohlseins, sondern vom Gefühl der Armut und des Wehs, will nicht behaglich den Leib pflegen, sondern gesund machen die kranke Seele, erkennt es, der Mensch sei keine Sau, für den Schlamm geboren, sondern ein Wesen, das gereinigt werden müsse, um zum Leben in höhern, reinern Regionen zu gelangen. Dieses Gefühl ist kein angebornes, entstammt nicht dem Fleische. Wie eine Taube aus den Himmelshöhen mag es sich zuweilen niederlassen auf erwählte Himmelskinder, sonst ist es ein Kind der Zucht, der Zucht von Gott, der Zucht von denen, durch deren Hand Gott die Menschen erziehen will. Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er und lässt ihn züchtigen, und diese Zucht wirket die friedsame Frucht der Gerechtigkeit. Die Zucht wirket das Gefühl der Armut und des Krankseins, ist die wahre Augensalbe, welche den Blinden das Gesicht gibt, sie schauen lässt des Übels wahren Sitz, welche die Erfahrung gibt, aus welchem Samen das Gute wächst, aus welchem das Böse, welche eben den Glauben gibt, dass lieb der Herr die hat, welche er züchtigt, weil es nach den Züchtigungen dem Menschen leichter, wohler wird, seine Kräfte sich gestählt, seine Freudigkeit zugenommen hat. Diese Zucht wirkt ganz was anderes als die Unzucht der heutigen grossen Pädagogen und anderer Schulmeister. Diese Unzucht führt die Schüler nicht weiter als dazu, Gott und Menschen zu hassen und unter allen Menschen die grossen Pädagogen und sonstigen Schulmeister am allermeisten. Man frage nach dem Respekte der Schüler gegen die Lehrer, man frage nach Liebe und anhänglichkeit, nach Gehorsam und lebendigem Fleisse, nach gläubigem Vertrauen, man suche Trauben auf Dornenbüschen! Unter der Zucht bildet sich der zarte Keim der Erkenntnis dessen aus, was gut und heilsam ist den Menschen, bildet sich die Kenntnis der Menschen aus. Man lernt unterscheiden, wer es gut meint oder gut zu meinen scheint, wer bloss der Katze den Balg zu streichen oder den Menschen an der Seele zu doktern weiss, da bildet sich der Glaube an Gott und seine väterliche Liebe, der Glaube an die Erlösung durch Christum, der gekommen, zu suchen das Verlorne, der durch Leiden gegangen, am Kreuze gestorben, um zu erquicken die Mühseligen, Ruhe zu schaffen für ihre Seelen, der Glaube an den engen Weg mit Dornen besäet, der zum Himmel führt.
Es bildet sich überhaupt der Sinn für die Wahrheit aus, sei sie bitter oder süss, komme sie vom Freund oder Feind, und der Hunger nach der Wahrheit, der in ehrlicher Treue nach Befriedigung strebt, um ein immer erleuchteterer Christ zu werden. Dieser Hunger ist, beiläufig gesagt, was ganz anderes als das Jagen nach was Neuem, bloss um Professor zu werden und nichts weiter! Vom Vater der Lügen und all seinen Propheten wendet man sich mit Abscheu ab und kriegt einen förmlichen Ekel ob allem Balgstreichen und sonstigem Kitzeln des Fleisches. Diese verschiedenen Richtungen treten auf das Klarste ins Leben hinaus, in allen Verhältnissen, in allen Ständen, in allen Altern. Es gibt auch Menschen, welche an jeder Wahrheit zweifeln, Misstrauen haben gegen jeden ehrlichen Menschen, welche immer sagen: "Weiss nicht, kann sein, wird sein, ist möglich, weiss aber doch nicht"; so bei den klarsten Wahrheiten, welche man mit Pelzhandschuhen greifen könnte. Die gleichen Leute glauben den schlechtesten Leuten, freilich keine tausendjährige Wahrheit, sondern am liebsten die allerneusten und widersinnigsten Lügen, und lügen sie hundertmal im Tage, so glauben sie es hundertmal; waren sie hundertmal in einem Tage schon angeführt, sie liessen zum hundertundersten Male sich noch anführen, natürlich bei gehöriger Bearbeitung des Balges von einem dieser kunstfertigen Gerber. Je mehr das Fleisch im Preise steigt, desto mehr und häufiger tritt diese schauerliche Verkehrteit zu Tage. Ein ehrlicher Mensch muss des Tages, es kann kein Mensch zählen wie oft, nach dem kopf greifen, um zu erfahren, ob er ihn noch habe, und stundenlang grübeln, ob er bei Verstand sei oder nicht, wenn er unter Menschenkindern sich befindet, welche auf dieser Kulturstufe sind: Musterreiter, Postalter oder gar Schulmeister, Maurer- oder andere Gesellen.
Jetzt kann man sich denken, wie es einer ehrlichen Frau zumute werden muss, wenn sie diese Glaubensrichtung in ihrem mann sich entwickeln sieht, wenn er ihren wohlgemeintesten Räten, seit tausend und tausend Jahren bewährt (beiläufig gesagt, erschlugen die alten Deutschen in den Hermannsschlachten mit besonderer Vorliebe Schreiber und Rechtsmenschen; werden einen natürlichen Grund gehabt haben!), die Ohren verschliesst und den Balgstreichern sich zuwendet; wenn sie sieht, wie er umgarnt wird und eingesponnen gleich einer Fliege im Spinnennetz; wenn sie erfahren muss, wie ihm ein Dünkel eingepflanzt wird absichtlich, um denselben ihr zu entfremden, seine Ohren gleichsam verpicht werden grundsätzlich, ungefähr wie man denen, welche man erschiessen will, die Augen verbindet; wenn sie wohl weiss, der Mann liebt sie, aber der Esel, der Mann, lässt sich aufweisen; weiss ferner, wie man sie lächerlich macht, ihm Misstrauen einflösst, ihre Einsicht verdächtigt,