! Wir wollen gemeinschaftliche Sache mit diesen Radicalen machen!
Ich sehe meine Brüder erschrocken zurückfahren. – Gemeinschaftliche Sache mit dieser Partei, welche mit ihrer verwegnen Leuchte all' unser Tun der Welt gezeigt hat, durch deren Bestrebungen es so hell geworden ist, dass wir – wenn dieses Licht noch heller und strahlender brennt, kaum noch einen dunklen Schlupfwinkel finden werden, in den wir uns verkriechen können und aus dem wir uns doch niemals wieder werden heraus wagen dürfen, um in unserm eignen Interesse zu wirken?
Ihr Kurzsichtigen, ihr Kleinmütigen!.
Wisst Ihr denn nicht, dass man aus einer Leuchte eine Brandfackel machen kann, die mit roter, unheimlicher Glut Alles niederbrennt und verwüstet? Und solche zerstörende Glut, wobei es viel schwarzen Rauch, graue Wolken und erstickenden Dunst gibt – ist denn nicht sie auch gerade unser Element?
So wollen wir es machen mit dem Lichte der Aufklärung der Radicalen und sie sollen, ohne dass sie selbst es bemerken, uns noch dazu vortrefflich in die hände arbeiten.
Also: divide et impera!
'R e f o r m !' ist jetzt das allgemeine Loosungswort des Tages geworden. Alle, die dem Fortschritte huldigen, verlangen Reform – darin sind die Parteien einig – aber höchst uneinig sind sie über die Begriffe, welche sich mit diesem allgemeinen Ausdruck verbinden lassen."
Die L i b e r a l e n wollen Volksvertretung, den sogenannten constitutionellen Fortschritt – sie wollen neben einer Reform des Staates auch eine Reform der Kirche.
Die R a d i c a l e n wollen Volksherrschaft – Glaubensfreiheit – nach der Kirche fragen sie weiter nicht.
Die S o z i a l e n wollen Reform der Gesellschaft – und die Eifrigsten unter ihnen n i c h t erst Reform, sondern Aufhebung des Staates und der Kirche – allgemeine Gleichheit.
Das sind die C o m m u n i s t e n .
Mit den Communisten müssen wir es halten.
In den Communisten müssen wir unsere Helfershelfer suchen, die unsere Sache am Besten fördern helfen – es gibt keine andere Partei, von welcher wir gleiche für uns segensreiche Dienste erwarten könnten. Gelingt ihr Werk, so ist auch das unsere gelungen – so ist die Zeit nicht fern, da wir uns abermals verjüngen werden wie Adler. Gerade unter diesen Menschen, welche als unsre fürchterlichsten Gegner erscheinen, indem sie die heilige Kirche selbst, in der ja bisher all' unser Heil und der Grund unserer herrschaft und Macht ruhte, nicht erst bekämpfen – sondern auf eine gotteslästerliche, abscheuliche Weise geradezu negiren und deshalb aufheben wollen – gerade unter diesen werden wir unsere Erretter suchen und finden – man denke an das alte Wort: dass die Extreme sich berühren.
Diese Communisten gehen damit um, die Ordnung der bestehenden Dinge umzukehren. Nun! Bielleicht ist auch für uns die Zeit gekommen, wo wir dies wünschen müssen – wo es mit all unsrer Kraft ein vergebliches Bemühen ist, den Rossen der Zeit, die wir so lange glücklich zurückhielten, noch länger in die Zügel zu fallen und ihren Lauf und den Fortschritt aufzuhalten. Trotz unseres unermüdlichen Widerstandes sind sie dennoch unmerklich vorwärts gegangen und haben uns selbst mit nahe bis an einen Abgrund gezogen. Nun denn! Man muss sich in Alles zu schikken wissen. Wollen die Rosse nicht wieder zurück, wollen sie nicht sich wieder einfangen lassen, um noch länger still zu stehen –: so hetzen wir sie selbst nur um desto schneller vorwärts, dass sie wilde Sprünge machen, Alles zerschlagen und zerstampfen und, das rechte Ziel verfehlend, endlich todtmüde niederstürzen – dann sind wir wieder schnell und dienstfertig bei der Hand, die gestürzten Rosse aufzurichten und zu ewigem Stillstand wieder zurückzuführen in den alten Stall.
Um nun auf das Nähere und auf Tatsachen überzugehen: der Communismus predigt das Himmelreich auf Erden. Und mit dieser Predigt wendet er sich an alle Diejenigen, welchen freilich bis jetzt die Erde nichts weniger sein kann als ein Himmel! An die Armen, Niedriggeborenen, Unerzogenen, Entsittlichten wendet man sich zuvörderst mit dieser neuen Lehre – mit einem Wort an die niedrigsten Classen, an die untersten Schichten der Gesellschaft, deren Hefe: die Proletarier, den Pöbel. Also an die Mehrzahl der Menschen – an den grossen Haufen. Und an den Orten, wo sich dieser in der tiefsten Erniedrigung, Verwahrlosung, Rohheit und Unwissenheit befindet, wird es am leichtesten sein, ihn zu alle den Dingen aufzureizen, welche endlich – wenn auch auf langen Umwegen – zu uns führen.
Wir haben bisher unsere herrschaft doch meist auf die Macht und den Glanz der Hochgestellten gebaut – jetzt müssen wir sie neu gründen, auf das Elend, auf den Schlamm der in Gemeinheit und Erniedrigung Versunkenen. Einzelne passende Werkzeuge für unsere Zwecke mussten wir uns immer unter ihnen wählen – aber jetzt gilt es mehr, jetzt gilt es nicht bloss Einzelne passend zu verwenden, jetzt gilt es, sich der Menschen zu bemächtigen, durch die massen zu wirken.
Es ist keine Frage: die massen leiden –
Alles Unglück macht die Menschen zu Verbrechen fähig, von denen sie im Glück sich nimmer Etwas träumen liessen – der Hunger aber vollends macht die Menschen zu reissenden Tieren.
Trachten wir also uns allen Reformen zu widersetzen – gleichviel, ob sie von weisen Regierungen oder von schwärmerischen Oppositionsparteien ausgehen – welche sich damit beschäftigen, den Notstand der armen Arbeiter zu lindern und durch Volkserziehung und eben so milde als weise gesetz auf eine allmähliche Hebung der untern Classen