und lauschte mit allen Sinnen, und mein Herz hielt still, und ich nahm es an, als ob mir diese schwindenden Strahlenzüge etwas hinschrieben, und mein Herz war freudig, als ob ich sie verstanden hätte, dass ihr Inhalt mir Glück andeute; ich ging zurück durch die langen, dunklen, labyrintischen Gänge, vorüber an Bildern von wunderlichen Heiligen in gelassener Ruhe, bis zu meinem Bettchen, das im Erker am Fenster eingeklemmt war, da öffnete ich leise das Fenster dem Mondlicht und liess es meine Brust anstrahlen; – ja, mich umarmte in jenen glücklichen, glückbringenden Momenten ein freudegeistiges Gefühl, gross, allumfassend; es umarmte von aussen mein Herz, mein Herz fühlte sich umfasst von einer liebenden Gewalt, der es sich anschmiegte im Schlummer, der von dieser Gewalt aus über mich kam. Wie soll ich diese Gewalt nennen? – Lebensgeist? – Ich weiss es nicht, – ich weiss nicht, was ich erfahren hatte, aber ein Begegnis war es mir, ein wichtiges Ereignis, und ich war im Herzen als wie der Keim, der aus erster Verhüllung ans Licht hervorbricht; ich saugte Licht mit dem Geist und sah mit diesem, was ich vorher mit leiblichem Auge nicht gesehen haben würde, alles was die natur mir spielend darbot, gab mir eine Erinnerung an ein Verborgenes in mir, die Farben und Formen der Pflanzenwelt sah ich mit tiefem, geniessendem, verzehrendem blick, durch den die Nahrung in meinen Geist übergehe.
Ach, wir wollen schweigen, wir wollen leisen Nebelflor über dies Geheimnis ziehen, durch den uns sein Inhalt ahnungsweise durchschimmert, ja wir wollen schweigen, Freund! Wir können's ja doch nicht in Worten entüllen. Aber pflanzt doch der irdische Mensch und säet in den Busen der Erde, die vorher unbefruchtet war, dass ihre nährenden Kräfte eindringen in die Frucht ihrer Erzeugnisse. Hätte sie Bewusstsein ihres sinnlichen Gefühls, dann würde dies Gefühl zu Geist in ihr werden; – so vergleiche ich den Menschengeist mit ihr, ein vom himmlischen Geistesäter umschwebtes Eiland; es wird aufgelockert und urbar gemacht, und göttlicher Same wird seinen sinnlichen Kräften vertraut, und diese Kräfte regen sich und spriessen in ein höheres Leben, das dem Licht angehört, welches Geist ist; und die Frucht, die dieser göttliche Same trägt, ist die Erkenntnis, die wir geniessen, damit unsere der Seligkeit zuwachsenden Kräfte gedeihen.
Wie soll ich's noch darlegen, dass dieses leise Schauern und Spielen der Lüfte, des Wassers, des Mondlichts mir wirklich Berührung mit der Geisterwelt war? – Wie Gott die Schöpfung dachte, da ward der einzige Gedanke: "Es werde", ein Baum, der alle Welten trägt und sie reift. So ist auch dieser Hauch, dies Gelispel der natur in nächtlicher Stille ein leiser Geisterhauch, der den Geist weckt und ihn besäet mit allen Gedanken, die ewig währen.
Ich sah ein Inneres in mir, ein Höheres, dem ich mich unterworfen fühlte, dem ich alles opfern sollte, und wo ich's nicht tat, da fühlte ich mich aus der Bahn der Erkenntnis herausgeworfen, und noch heute muss ich diese Macht anerkennen, sie spricht allen selbstischen Genuss ab, sie trennt von den Ansprüchen an das allgemeine Leben und hebt über diese hinweg. Es ist sonderbar, dass das, was wir für uns selbst fordern, gewöhnlich auch das ist, was uns unserer Freiheit beraubt; wir wollen gebunden sein mit Banden, die uns süss deuchten und unserer Schwachheit eine Stütze, eine Versicherung sind; wir wollen getragen sein, gehoben durch Anerkenntnis, durch Ruhm, und ahnen nicht, dass wir dieser Forderung das Ruhmwürdige und die Nahrung des Höheren aufopfern; wir wollen geliebt sein, wo wir Anregung zur Liebe haben, und erkennen's nicht, dass wir den liebenden Genius darum in uns verdrängen. Wo bleibt die Freiheit, wenn die Seele Bedürfnisse hat und sie befriedigt wissen will durch äussere Vermittlung? –
Was ist die Forderung, die wir ausser uns machen, anders, als der Beweis eines Mangels in uns? Und was bewirkt ihre Befriedigung, als nur die Beförderung dieser Schwäche, die Gebundenheit unserer Freiheit in dieser? Der Genius will, dass die Seele lieber entbehre, als dass sie von der Befriedigung eines Triebes, einer Neigung, eines Bedürfnisses abhänge.
Wir alle sollen Könige sein; und je widerspenstiger, je herrischer der Knecht in uns, je herrlicher wird sich die Herrscherwürde entfalten, je kühner und gewaltiger der Geist, der überwindet.
Der Genius, der selbst die Flügel regt, sich in den blauen Äter erhebt und Lichtstrahlen aussendet, der Macht hat, die Seligkeit durch eigne Kräfte zu erzeugen; wie schön, wenn der sich vor Dir beugt und Dich lieben will, der nicht um Liebe klagt, nicht sie fordert, sondern sie gibt. – Ja, schön und herrlich: übergehen ineinander, in den Lichtsphären des Geistes, in aller Glorie der Freiheit aus eignem, kräftigem Willen.
Die Erde liegt im Äter wie im Ei, das Irdische liegt im Himmlischen wie im Mutterschoss, die Liebe ist der Mutterschoss des Geistes.
Es gibt keine Weisheit, keine Erkenntnis des wahren, die mehr will, als die Liebe zu ihr.
Jede Wahrheit buhlt um die Gunst des Menschengeistes.
Gerechtigkeit gegen alle beurkundet die wahre Liebe zu dem einen.
Je allseitiger, je individueller.
Nur der Geist kann von Sünden freimachen.
Willst Du allein sein mit dem Geliebten, so sei