auf uns macht, zu unterscheiden.
Hier verliert sich der Gedanke in einem uferlosen Ocean, und uns bleibt nichts übrig, als uns wieder in die Schranken unsrer eigenen natur zurückzuziehen, und, dem Gesetz der notwendigkeit gehorchend, uns selbst (so klein wir sind) als den Kanon der natur, unser Empfindungsvermögen als das Mass ihrer Schönheit, und unsre Kunstfähigkeit als eine schaffende Macht zu betrachten, welche berechtigt ist, den uns überlass'nen Erdschollen, unsre Welt, nach unsern eigenen Bedürfnissen, Zwecken und Begriffen zu bearbeiten, und in ein beschränktes Ganzes für uns zu unserm Nutzen und Vergnügen umzuschaffen.
Daher kommt es nun, dass wir die natur nur insofern schön finden, als das Schauspiel, womit sie uns umgibt, oder der einzelne Gegenstand, den wir daraus absondern, und für sich betrachten, unsern Sinnen angenehm ist. Eben dieselbe Landschaft, die uns bei heiterem Himmel unter einem gewissen Winkel von der Sonne beleuchtet, in Entzücken setzt, gibt bei trüber Luft einen sehr gleichgültigen Anblick; eben dieselben Gegenstände, z.B. ein sumpfiger Boden, umgestürzte, ausgefaulte Baumstämme, schroffe mit schmutzigem Moose bewachsne Felsenstücke, tiefe finstre Höhlen, wildes struppichtes Gebüsche, – lauter Dinge die uns einzeln und in der Nähe betrachtet. Unlust, Ekel und Grauen erregen, erscheinen aus einem entfernten Gesichtspunkt, und durch eine gewisse Beleuchtung in ein Ganzes verbunden, als ein reizendes Gemälde. Vorzüglich aber erklärt sich daher, dass der Mensch keine schönere Gestalt kennt als seine eigene, und sich selbst, ohne sich dessen bewusst zu sein, zum Typen aller schönen Formen macht. Da alles was die natur hervorbringt, in seiner Art vollendet und vollkommen ist, wie käme der Krokodil oder die Kröte dazu, dass wir sie so hässlich und abscheulich finden, wenn nicht daher, weil der Contrast ihrer Bildung und Gestalt mit der unsrigen so ungeheuer gross ist; da wir hingegen alle Arten von Tieren desto schöner finden, und um so viel mehr Anmutung zu ihnen fühlen, je mehr die Formen und Proportionen ihrer Bildung sich den unsrigen nähern; eine Bemerkung, die du sogar an solchen Naturgeschöpfen, welche die wenigste Aehnlichkeit mit uns zu haben scheinen, an Blumen, Stauden und Bäumen, bestätigt finden wirst, und wovon der Affe allein eine Ausnahme macht, weil er, durch einen Anschein von Aehnlichkeit, die mit der widerlichsten Hässlichkeit verbunden ist, der menschlichen Gestalt zu spotten, und den höchsten Grad von Verunstaltung und Abwürdigung derselben darzustellen scheint.
Es scheint mir nun ein Leichtes, die verschiedenen Meinungen deiner Symposiasten nach dieser Ansicht der Sache zu vereinbaren oder zu berichtigen. Wenn wir zwischen dem, was ich die Elemente des Schönen nenne, und den schönen Naturerzeugnissen oder Kunstwerken, die daraus zusammengesetzt sind, gehörig unterscheiden, so heben sich alle Schwierigkeiten von selbst. Wir können von jenen keinen andern Grund angeben warum sie uns gefallen, als weil sie einen angenehmen Eindruck auf unsre Organe machen; bei diesen hingegen liegt der Grund tiefer, nämlich in der natur unsrer Seele selbst, welcher das innigste Wohlgefallen an Ordnung, Harmonie und Vollkommenheit wesentlich ist. Indessen ist auch bei dieser zusammengesetzten und vielgestaltigen Schönheit nicht zu vergessen, dass das, wodurch sie uns wirklich als schön erscheint und gefällt, bloss die schnell auf Einen blick oder in einem unteilbaren Moment gefühlte Einheit im Mannichfaltigen ist; indem dieses Gefühl und mit ihm die idee der Schönheit so bald verschwindet, als wir den Gegenstand zergliedern oder in seinen einzelnen Teilen und Elementen stückweise betrachten. Mit dem, was Euphranor über die Platonische idee der Schönheit sagt, bin ich insofern einverstanden, als ich sie für die Frucht einer natürlichen Täuschung halte, die daher entsteht, dass uns selten ein Gegenstand, sei es ein Werk der natur oder der Kunst, vor die Augen kommt, der, unsrer Einbildung nach, nicht schöner sein könnte als er uns erscheint. Indem wir diess zu fühlen glauben, erzeugt sich in unsrer Phantasie ein mehr oder weniger klares Bild dieser höhern Schönheit, welches wir (dünkt uns) sogleich darstellen könnten, wenn wir die dazu nötige Kunstfertigkeit besässen; und dass es nichts anders ist, scheint mir daraus klar, dass sobald ein schöner Gegenstand uns gänzlich befriedigt, wir unser Ideal in ihm realisirt, ja wohl gar noch übertroffen zu sehen wähnen. Dass es solche Gegenstände gebe, kann wohl kein Unbefangener bezweifeln, der aus den Unsterblichen den Jupiter oder die Minerva des Phidias, und aus den Sterblichen die schöne Lais gesehen hat.
Ich müsste mich sehr irren, oder meine Philosophie des Schönen (wenn ich ihr anders einen so vornehmen Namen geben darf) ist auch auf das, was wir in sittlichem verstand schön nennen, anwendbar. Auch hier finde ich meinen Unterschied zwischen den Elementen desselben und dem, was unser Verstand daraus zusammensetzt, wieder. Aufrichtigkeit, Unschuld, Güte, Treue, Dankbarkeit, Bescheidenheit, Sanfteit, Grossherzigkeit, Geduld, Seelenstärke, und alle aus diesen Eigenschaften oder Tugenden entspringenden Gefühle, Gesinnungen und Taten nennen wir schön; weil sie uns, vermöge einer in unsrer natur gegründeten notwendigkeit, gefallen, anziehen, achtung und Liebe einflössen, wo, wann, und an wem wir sie gewahr werden, ohne alle Rücksicht auf das Nützliche, das sie für uns haben oder haben könnten. Im Gegenteil eine schöne Tat erscheint uns desto schöner, je mehr Selbstüberwindung und Aufopferung eigener Vorteile sie erfordert, und unser besonderes Ich kommt dabei so wenig in Betrachtung, dass, wofern der Mond