1800_Wieland_111_128.txt

Wildbrets, Würste, Hühner, Fische, wildes Geflügel, Kuchen u.s.w.), in einen bei sich habenden Korb oder Sack stecken und nach haus tragen zu lassen. W.

69. Brief.

182 Diess kann sich nur auf Hippasos von Metapont beziehen, der das Feuer für das Grundelement hielt, wodurch in periodischem Wechsel die Welt entstehe und untergehe. 183 Für die menschliche erkenntnis gibt es eine doppelte Quelle, entweder die Sinnlichkeit oder Verstand und Vernunft. Jene zeigt die Dinge nur als einzelne, eigentümliche, in ihrer Besonderheit, diese in ihrer Allgemeinheit, nach dem, was allen Dingen einer Art gemeinsam ist. Hienach unterschied Platon eine doppelte Welt, die Sinnenwelt und die Verstandeswelt (die intelligible, die nur durch den Verstand und nicht durch den Sinn erkennbar ist). Nach seiner Ansicht erkennt man nur in dieser Verstandeswelt die Dinge

’ ’

wie sie an sich sind (als οντως οντα), rein von allen zufälligen Besonderheiten in ihrem wahren Wesen, oder, welches auf Eins hinausläuft, die Ideen derselben (wobei Platon hier an die Gattungsbilder dachte), gegen welche er die wirklichen Dinge nur als unvollkommene Nachbilder betrachtete. Wenn sie Wieland hier als blosse Schatten der Ontoos Ontoon, d.i., wie er oben übersetzte, der wirklich wirklichen Dinge angibt, so geschieht es in Beziehung auf die früher erwähnte Allegorie von der Höhle. Man vergleiche hiemit, was früher über die Platonischen Ideen gesagt ist. 184 Personificirung abstracter Begriffe und lebloser oder wenigstens unpersönlicher Dinge. Auch die Redefigur abwesende Personen als gegenwärtig aufzustellen und sprechen oder handeln zu lassen, führt bei den Grammatikern diesen Namen. W. 185 T r y g ä u s , im Frieden des Aristophanes, reitet auf einem Mistkäfer in die Burg Jupiters, um diesen zu befragen, was er mit dem Hellenenvolke beschlossen habe. 186 (Wolkenkukuksheim) nennt Aristophanes die Stadt, die er die Vögel unter Anführung des Atenischen Abenteuerers Peistetäros den Göttern zu Trotz in die Wolken bauen lässt. W. 187 Höhlenbewohner, wurden nach dieser tierischen Lebensweise von den Alten gewisse noch im rohesten Naturstande begriffene Menschenhorden genannt, deren Plinius in seiner Naturgeschichte mehrere aufführt. W. 188 (Fischesser) – Diejenige klasse der rohen Naturmenschen, die sich hauptsächlich vom Fischfang nähren. W. 189 A n t h r o p o d ä m o n , scheint ein von Aristipp erfundenes Wort zu sein, um damit diejenige energische Eigenschaft der menschlichen natur zu bezeichnen, wodurch sie vermöge einer inneren notwendigkeit ewig der höchsten Vollkommenheit entgegenstrebt, ohne sie gleichwohl jemals zu erreichen. W. 190 Ein Beiname der Göttin Nemesis, deren Amt war, alle aus Stolz und Uebermut begangenen Frevel zu rächen, und deren Ungnade man sich also, nach dem gemeinen Glauben, durch Ungenügsamkeit und allzu üppige Wünsche zuzog. W.

Fussnoten

A1 Seine Anhänger werden Cyrenaiker genannt, auch Hedoniker, von Hedone, Wollust, über welche sich Wieland vielleicht am besten erklärt hat.

Zweiter Band.

1.

Kleonidas an Aristipp.

Seit einiger Zeit befindet sich ein junger Perser Namens Arasambes hier, der grosses aufsehen macht. Er ist (um bei dem anzufangen, was zuerst in die Augen fällt) der schönste Mann, den ich noch gesehen habe, von hoher Geburt (seine Mutter war eine Schwester des letzten Königs) und, wie es scheint, Herr eines unermesslichen Vermögens. Sein vor kurzem verstorbener Vater, welcher Stattalter von Syrien gewesen war und seinen Sohn zu einer Stelle bestimmte, wo (seiner Meinung nach) ein feineres politisches verhältnis gegen die vornehmsten Griechischen Freistaaten dem Dienst des grossen Königs nützlich sein könnte, hatte ihn zu diesem Ende schon in der ersten Jugend zu Sardes1 und Ephesus nach Griechischer Art erziehen lassen. Er spricht unsre Sprache sehr geläufig, kennt unsere Dichter, und in Uebungen, die sich für eine person seines Standes schicken, tut es ihm hier keiner zuvor. Er verbindet morgenländische Prachtliebe mit Griechischem Geschmack, hat die schönsten Pferde, die jemals in Ionien gesehen wurden, und macht sich den Milesiern durch die funkelnden Dariken, die er in Umlauf bringt, nicht wenig beliebt.

Du errätst leicht, Aristipp, was dir alle diese Vorboten ankündigen. Wie hätte ein so verzärtelter Günstling der Götter gegen die Reize des schönsten Weibes unserer Zeit gleichgültig bleiben können? Es scheint vielmehr, Eros, der sich nicht immer an ungleichen und widersinnischen Verbindungen belustigt, habe ihn geflissentlich nach Milet geführt, damit er die einzige fände, die ihn selbst zweifelhaft machen kann ob er ihrer Liebe würdig sei. Kurz, Arasambes liegt, mit adamantenen Ketten2 gebunden, zu den Füssen der schönen Lais, und erwartet von ihren Lippen die Entscheidung, "ob er der glücklichste oder der elendeste aller Sterblichen sein soll." Sie scheint noch unentschlossen, wiewohl ich es für unmöglich halte, dass sie von so vielen Vorzügen und Versuchungen nicht endlich überwältiget werden sollte. Aber das wunderbare Weib behält immer so viel herrschaft über sich selbst, dass es noch keinem gelungen ist, ihre schwache Seite ausfindig zu machen; und wenn sie seiner leidenschaft endlich nachgibt, so geschieht es gewiss nicht anders, als mit Vorbehalt ihrer Freiheit, die ihr, wie sie sagt, um den Tron des grossen Königs selbst nicht feil wäre. Auch kennt Arasambes sie schon zu gut, um sich von den reichen Geschenken, womit er sie überhäuft, viele wirkung zu versprechen; und damit man sehe, dass er selbst keinen Wert darauf