närrischen eckigbeweglichen Bachstelzen einrechnete.
Der zweite teil des Publikums, die Seele, das Lese-Publikum, besteht aus Mädchen, Jünglingen und Müssigen. Ich werde' es weiter unten loben; es lieset uns alle doch und überschlägt gern dunkle Blätter, worin bloss räsoniert und geschwatzt wird, und hält sich wie ein ehrlicher Richter und Geschichtforscher an Fakta.
Das Kunst-Publikum, den Geist, könnt' ich wohl weglassen; die wenigen, die nicht nur für alle Nationen und alle Arten des Geschmacks Geschmack haben, sondern auch für höhere, gleichsam kosmopolitische Schönheiten, solche wie Herder, Goete, Lessing, Wieland und noch einige, kommen mit ihren Stimmen bei einem Autor auch ausser der Minderzahl derselben schon darum, weil sie ihn nicht lesen, wenig in Betracht.
Wenigstens verdienen sie nicht die Zueignung,
womit ich mir am Ofen vornahm, das grosse Kauf-Publikum zu bestechen, das eigentlich den Buchhandel erhält. Ich wollte nämlich den Hesperus oder den Kuhschnappler Siebenkäs dem Gericht- und Handelherrn Jakob Oehrmann ordentlich zueignen: das war die Maske. Nämlich so:
Jakob Oehrmann ist kein verächtlicher Mann: er
hatte in Amsterdam vier Jahre als Börsenknecht gedient, d.h. er läutete als kaufmännischer Glöckner von 11 3/4 bis 12 Uhr die Börsenglocke. – Darauf wurde' er scharrend und schindend ein gutes Haus, indem er keines machte, und stieg zur Würde eines Siegelbewahrers von einem ganzen ritterschaftlichen Siegelkabinette, das auf den adligen Schuldscheinen zerstreuet aufgepappt sass. – Er nahm zwar wie berühmte Schriftsteller kein bürgerliches Amt an, sondern schrieb lieber, aber die gemeine Stadtmiliz von Scheerau, der das Herz am rechten Orte sitzt, nämlich am sichersten, und die sich kühn durchziehenden Truppen zeigt als ein aufmerksames Beobacht-corps, nötigte ihn, ihr Hauptmann zu werden, ob er gleich mit der Stelle ihres Tuchlieferers sich behelfen wollte. – Er ist ehrlich genug, besonders gegen Kaufleute, und weit entfernt, wie Luter das geistliche Recht zu verbrennen, äschert er im bürgerlichen kaum wenige Titel aus dem siebenten Gebote ein, ja er brennt sie nur an wie die Wiener Zensur halb verbotne Bücher; und das tut er nur gegen Fuhr-, Schuld- und Edelleute. Vor einem solchen mann kann ich ohne Gewissensbisse einigen wohlriechenden Weihrauch machen und in dem aufziehenden Zauberdampf seine holländische Gestalt, wie die eines Schröpferischen Gespenstes, vergrössert erscheinen lassen.
Nun wollt' ich unter seinem Bilde einige Züge vom grossen Kauf-Publikum einschwärzen; denn er ist ein tragbares im Kleinen – er achtet, wie das grosse, nur Brotstudien und Bierstudien, keine Reden als Tischreden, keine gelehrtern Zeitungen als politische – er weiss, der Magnet ist bloss erschaffen, um seine hinangeworfnen Ladenschlüssel zu tragen, der Aschenzieher, um seine Tabakasche zu sammeln, seine Tochter Pauline, um beide zu ersetzen, wiewohl sie stärkere Dinge und stärker zieht als beide – er kennt nichts Höheres in der Welt als Brot und verabscheuet den Stadtmaler, der damit die Pastell-Kleckse wegscheuert – er und seine in drei Hansestädte eingemauerten Söhne lesen und schreiben kein anderes und kein geringeres Buch als das Haupt- und das Schmierbuch.....
"Ich will verloren sein", dachte' ich in der Ofenhitze, "wenn ich das Kauf-Publikum feiner schildern kann als unter dem Namen Jakob Oehrmanns, der nur ein Ast oder eine Fiber von ihm ist; aber es könnte nicht wissen, was ich wollte", fiel mir ein; und dieses Rechnungsverstosses wegen wurde auf heute ein ganz neuer Plan gemacht.
Die Tochter kam gerade, als ich den Verstoss heraus hatte, hinein und brachte den von Oehrmann heraus samt der Generalbilanz-...... jetzt sah der Vater mich an und machte etwas aus mir, und als ich die Wiener Briefe – er setzt sie paulinischen und poetischen gleich – als Kreditive vorzeigte, wurde' ich aus einer stummen Freskopartie an der Kontorwand etwas, das Geist und Magen hat, und wurde mit letztem zum Abendessen behalten.
Ich wills nur – und hetzten auch die Kunstrichter alle deutsche Kreise gegen mich auf und gössen eine neue Türkenglocke – ganz herausfahren lassen, dass ich bloss der Tochter wegen kam und blieb. Ich weiss, die Gute hätte meine neuern Werke sämtlich gelesen, hätte ihr der Alte Zeit dazu gelassen; und eben daher konnte' ich mir nicht verbergen, es sei meine Schuldigkeit, den Vater in Schlaf zu reden, wenn nicht zu singen und nachher der wachen Tochter alles zu erzählen, was ich der Welt erzähle durch den Pressbengel. Dies war ja eben bekanntlich die Ursache, dass ich gewöhnlich immer kam und sprach, wenn er Posttag hatte und leicht einschlief.
Am Hl. Abend sollten gar die 45 Hundposttage fast in ebensoviel Minuten ausgezogen werden; ein langes Werk, das keinen kurzen Schlaf verlangte.
Ich wünschte, die Hrn. Redakteure der Rezensenten und Rezensionen, die mir hierin vieles verdenken, wären nur ein einzigesmal auf dem Kanapee neben meiner Namenbase Johanne Pauline gesessen: sie hätten ihr meine meisten Lebensbeschreibungen und die halbe Blaue Bibliotek in solchen guten pragmatischen Auszügen erzählt, als sie in Rezensionen vor ganz andern Gesichtern tun; sie wären in Wonne geschwommen über die Wahrheit in Paulinens Worten, über die Naivetät ihrer Mienen und über die Einfachheit sowohl als Schalkhaftigkeit ihrer Handlungen und hätten sie bei der Hand erfasst und gesagt: "Solche rührende Lustspiele, wie eines da neben uns sitzt, schaff' uns nur der Dichter, und dann ist er