Wechselt es sich mit einem andern aus? – O Freund, wir wechseln mit den Federn, mit denen wir schreiben, die Seele mit ihrem Spielzeuge, den Gedanken, die von ihr selbst ganz unabhängig und nur ein feineres Spiel der Sinne sind.
Alles, was wir in uns kennen, ist Sinnlichkeit, dortin führen alle Fussstapfen, die wir in der einsamen Wüste entdecken; zu dieser einzigen Höhle werden wir immer wieder zurückgeführt, so seltsam sich der Weg auch krümmen mag. Nur in der Sinnlichkeit können wir uns begreifen, und sie regiert und ordnet das Gewebe, das wir immer von unserm geist getrieben glauben. Bloss hierauf können sich alle Plane und Entwürfe, Wünsche und stille Ahndungen gründen; in dieser Körperwelt bin ich mir selbst nur mein erstes und letztes Ziel, denn der Körper ordnet alles nur für seinen Körper an, er findet bloss Körper in seinem Wege, und eine Verbindung zwischen ihm und dem geist ist für unser Fassungsvermögen unbegreiflich. Die Seele stehet tief hinab in einem dunkeln Hintergrunde und lebt im weiten Gebäude für sich, wie ein eingekerkerter Engel: sie hängt mit dem Körper und seinen vielfachen Teilen ebensowenig zusammen, wie der Verbrecher mit der Stadt, in der er gefangen sitzt; wie man ebensowenig glauben würde, dass alle Strassen mit den Toren und Türmen umher bloss für den Gefangenen angelegt wären.
Was kann ich also für meine Seele tun, die wie ein unaufgelöstes Rätsel in mir wohnt? die dem sichtbaren Menschen die grösste Willkür lässt, weil sie ihn auf keine Weise beherrschen kann? – Er ist, das ist sein Verbrechen und seine Tugend, sein Dasein ist seine Strafe und seine Wohltat, und wer hat dies nicht schon in sich selber empfunden? Ich mag keinen verdammen und keinen vergöttern, es ist alles ein Gefolge, in dieselben Gewänder eingehüllt, mir alle gleich unkenntlich und gleich gut, ein Trauerzug, der auf Bergeswegen dahin geht, und hinter einem dunkeln wald verschwindet.
Damit die verächtlichen Maschinen sich brüsten können, haben sie Namen und Unterschiede wie bunte, klägliche Ordenszeichen erfunden; nur der Pöbel hat die tiefe achtung vor diesen.
Was bleibt uns übrig, William, wenn wir alle leere Namen verbannen wollen? – Freilich nichts zu philosophieren und mit Entusiasmus für die Tugend und gegen das Laster zu reden, kein Stolz, kein Gepränge mit Redensarten, aber immer noch eben so viel Raum, um zu leben.
Die Empfindung geht daher einen kürzern und richtigern Weg, als der grübelnde Verstand; denn das Gefühl ist der Haushofmeister unserer Maschine, der erste Oberaufseher, der dem alten pedantischen verstand alles überliefert, der es weitläuftig und auf seine ihm eigene Art bearbeitet. Gefühl und Verstand sind zwei nebeneinanderlaufende Seiltänzer, die sich ewig ihre Kunststücke nachahmen, einer verachtet den andern und will ihn übertreffen.
Wenn wir nicht blosse Maschinen sind, so reisst sich die Seele einst gewiss von allem los, was sie so lästig gefangenhält, sie wird nicht schliessen und unterscheiden, nicht ahnden und glauben, sondern im raschen, reissenden Fluge nach ihrem ungekannten vaterland eilen, wo sie wirken und ungefesselt dauern kann.
Wenigen wundervollen Menschen war es vielleicht gegönnt, sich schon hier, von den Gauklern, ihren Sinnen, noch umgeben, kennenzulernen, und in ihre innerste, verborgenste Tiefe zu schauen. Aber die natur widerstrebt mit allen ihren Kräften, sie sind seltsame Wunderdinge, die sich vor sich selber entsetzen; die Fugen sind gerissen, der Geist sieht unmittelbar, ohne Sinne und ohne das Mittelglas des Verstandes, in das Dasein und die Gegenstände hinein, und der Körper schaudert unter heftigen Zuckungen.
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Balder an William Lovell
heute scheint die Sonne freundlich und ich denke an Deinen Namen, denn er ist wie blauer Himmel. Da war mir, als hört ich Deinen gang hinter mir in den Gebüschen und ich sah mich um. Aber der Wind kletterte nur in den Bäumen umher, und pflückte einige reife Blätter, die er der Erde, seiner Mutter, zum Verzehren hinlegte. Nun hab ich noch in meiner Schreibtafel ein Blatt Papier und ich will es nehmen, und jetzt mit Dir sprechen: vielleicht findet sich einst ein Mann, der es zu Dir hinüberträgt.
Wechselnd gehen des Baches Wogen
Und er fliesset immerzu,
Ohne Rast und ohne Ruh,
Fühlt er sich hinabgezogen,
Seinem dunkeln Abgrund zu.
Also auch des Menschen Leben,
Liebe, Tanz und Saft der Reben,
Sind die Wellenmelodie,
Sie verstummt spät oder früh.
Ewig gehen die Sterne unter,
Ewig geht die Sonne auf,
Taucht sich rot ins Meer herunter,
Rot beginnt ihr Tageslauf.
Nicht also des Menschen Leben,
Seine Freuden bleiben aus,
Denn dem tod übergeben
Bleibt er dort im dunkeln Haus. –
So werde ich jetzt gezwungen, nach einem gewissen Klange zu reden, der wie ein Wasserfall in meiner Seele auf- und niedersteigt. Mich besuchen oft Leute in meiner einsamen Waldwohnung, und sagen es ganz laut, so dass ich es höre, ich sei ein Prophet von Gott gesandt. Die guten Leute meinen es aber in ihrem Sinne recht gut, nur schieben sie das meiste auf meinen Bart, der mir wider meinen Willen so lang gewachsen ist.
Die Sonne spielt fröhlich zwischen den dunkelgrünen Zweigen herab und ich sehe, wie jedes Tier sich in ihr goldnes Netz so gern und willig fängt. Die ganze natur ist begeistert und die Waldvögel singen lange und schöne Lieder, und die Bäume stimmen drein mit lautem ehrwürdigem Rauschen und wie Harfensaiten