und einzigen Genie der alten und neuen Zeit vergehen will. Ihnen muss man diese Freude freilich wohl so lange lassen, bis wir einst selbst einen Voltaire erhalten! Ich wollte hier nur so viel sagen, dass Rousseau einiges Recht hat wenn er von Voltaire sagt: que Voltaire, en paroissant croire en Dieu, n'a réellement jamais cru, qu'au diable. Gleichwohl sag es zu viel wie gewöhnlich jeder jeder witzige Einfall, und wenn man bedenkt, dass Voltaire Geschichtschreiber war, dass er nur mit Grossen, und zwar mit Grossen aus den zeiten des Regenten Ludwigs des XV., und mit Schriftstellern gelebt hat, so wird seine faustische Laune, die er hin und wieder äussert, wenigstens begreiflich. 10 Resignation. 11 Der Teufel, der, um Fausten zu plagen, seine Zweifel immer nur schärfen will, deutet hier auf folgende Teorie, die er vielleicht darum nicht bestimmt ausdrückt, weil er glaubt, sie möchte dem Stolze des Menschen zu viel schmeicheln und ihm durch eine Reihe von wahren oder falschen Schlüssen einen erhabenen Begriff von der Gotteit beibringen. Sie lautet so: Der Mensch ist vermöge seines freien Willens und seines ihm eingedrückten inneren Sinns sein eigner Herr, Schöpfer seines Schicksals und seiner Bestimmung. Er kann durch seine Taten und sein Würken den schönen gang der moralischen Welt befördern und stören, nach seiner Lage und Denkart oft ganze Völker, ja ganze Weltteile glücklich oder unglücklich machen, und das ganze Menschengeschlecht vom Bettler bis zum König ist also, jeder nach seiner Kraft, zusammengenommen Werkmeister der sogenannten moralischen Welt. Er entwickelt also nur das einmal in ihn gelegte Streben wie jedes Ding der sichtbaren Welt, doch mit dem Unterschied, dass nur ihn sein freier Wille und sein das Böse und Gute begreifender Sinn der Strafe und Belohnung fähig machen. Diese Teorie greift die Vorsicht freilich nicht an, aber doch die mittelbare Leitung und feste Bestimmung von oben; und da sie von dem Teufel herkommt, überdem sehr unteologisch zu sein scheint und die moralische Welt so unsichern Händen anvertraut, so lass ich sie ohne weiteres da stehen, so vielen Glanz sie auch auf die Moral zurückwirft. Der Leser mache damit, was er will.