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allein handeln und reisst sich los, sobald es kein Vergnügen mehr in der Verbindung hat. Tyrannei dauert höchstens überall nur bis auf den Grad, wo die letzte Lust wegfällt. Unser kleines Ganzes verliert sich bald mit allen seinen Folgen im Unendlichen; aber Wesen kann von keinem Gott vernichtet werden. Dies ist der Grundpfeiler des Adels und der Stärke bei tiefen Gefühlen. Zertrümmre mich tausendmal mit deinen Wetterstrahlen, ich stehe immer jung wieder auf! Aber du verlangst nichts von mir, was ich dir versagen könnte; und ich kann dir nichts zuwider tun. Was ich tue, tu ich durch dich.

Ardinghello. Ihr seid auf eine andre Weise zu der göttlichen Sicherheit und Furchtlosigkeit gekommen, weswegen die Lehre des Epikur so geschwind um sich griff, dessen Atomen nach Zufall und abwechselnder Lust und Unlust alles hervorbringen und wieder zerstören, Menschen, Mücken und Elefanten, Fische und Sterne, und womit er den beschwerlichen Herrn und Aufseher, der alles beobachtet und von allem Rechenschaft verlangt, aus der natur verbannte, den alberne Philosophen und Physiker, nach seinem Bedünken, zu Auflösung ihrer Knoten herbeirufen, damit er niederschlage, wenn's anziehen, und aufhebe, wenn's in die Höhe steigen soll.

Das beste für den, der Zweifel hat, bleibt immer, sich zur Partei der edelsten Menschen von allen Nationen zu halten.

Ob diese aber den ältern oder jüngern Glauben gehabt habe und habe oder zu welchem von den drei Systemen sich die Vernunft neige, werden wohl allezeit die mehrsten gegenwärtigen Stimmen entscheiden. Denn notwendige verschiedne natur, die das Zusammengesetzte bildet, ist nicht schwerer zu begreifen als Anfang desselben von einem Wesen.

Wie hat sich Euer Eins geregt? Vermutlich verschieden! Vorher war es etwa in der Aristotelessischen Bewegung, da sich Leben nicht wohl ohne Bewegung denken lässt. Und irgendwo! Denn ganz konnte es nicht Form werden. Und welcher teil Form und Körper geworden wäre, den müsste wahrscheinlich das Los getroffen haben; denn Verstand war noch nicht da; der kann nur werden, wenn schon mehr Formen da sind, welche das Wesen in seinem Bewusstsein vereinigt.

An Grenzenloses will ich gar nicht denken; denn unendlicheRealität – sind ein paar Wörter, die man wohl zusammen sprechen und schreiben, aber nicht denken kann. Und Euer formloses Wesen, fein wie Äter und Raum schier, müsste schon eine Lücke im Unendlichen machen, wenn es sich nur in einen Zentner Gold zusammenzöge, geschweig in eine reiche Mine, in ganz Peru, da ging gewiss ein Sonnensystem Grösse von Formlosigkeit zugrunde. Und ich sehe Euern Beweis noch nicht ein, dass keine Form notwendig und ewig wäre, worauf lediglich Euer Eins beruht. Die Frage woher? bleibt so gut bei einem Wesen als bei mehrern; und wie ich Eins notwendig und ewig annehme, kann ich ihrer Zentillionen annehmen. Und denn müsst es sich verzweifelt plagen, eh es die mancherlei Qualitäten nur für unsre Sinne herausbrächte; wer weiss, ob es nicht noch Geschöpfe mit andern Sinnen gibt! mit einem rednerischen Exempel: von Holz in Feuer, Rauch und Asche; und, es lässt sich nicht anders erklären, mit täuschender, selbst wahrhafter Schilderung von dem Regenten in uns ist's nicht genug getan. Was den Verstand oder das Wesen betrifft, das in uns denkt, so könnte Anaxagoras gar wohl recht haben und das feinste Wesen sich nach den andern richten müssen (die, wie Ihr selbst bewiesen habt, nichts weniger als tot sind), wenn es dieselben brauchen will, ohne dass wir eben wissen, wie es zugeht. Man kann freilich das Liebesgeheimnis nicht bis ins Innerste aufdecken, wie Verschiednes ein lebendiges Eins wird, und so fortdauert, und zusammen handelt; aber ebenso schwer lässt sich das Wesen, welches Gedanke und Verstand, und das, welches Körper wird, als Eins erklären. Qualität ist so etwas Sonderbares, dass es blosse verschiedne Art von Ausdehnung und Anziehung nicht überall hervorbringen kann. Der Verstand bleibt dabei ein Blindgeborner, trotz aller möglichen Anwendung von Figur und Dauer; und sie ist allein Gegenstand der Empfindung. Jede voll Majestät in ursprünglicher Reinheit eigne Substanz und Vollkommenheit der natur, welche Völker von lebhaftem Sinn und scharfem Gefühl, deren Vernunft Ursachen für Augen und Ohren mit Einbildungen nie ganz umtauscht, immer als göttlich verehrten; denn Glaube ohne Empfindung ist Grille. Ihr habt oben, um Eure Gesinnung auch mir so wie andern zu verbergen, aus Scherz gesagt: Wer beweisen will, dass aus Einem Alles sei, muss erst dartun, dass aus Allem Eins werde. Widerlegt Euch nun im Ernste.

Und denn behaupten die Spötter, Vorsehung, Plan von einer allmächtigen Regierung in der Welt wäre nicht so auffallend sichtbar, und Propheten, Apostel und geschichte hätten uns mehr dawider als dafür hinterlassen. Es stünde mit uns nicht besser, weil sie dagewesen wären, und sie selbst möchten lieber in Aten zu den zeiten des Perikles leben und in dem alten Rom als in dem neuern, wo es auch am frömmsten da zuging.

Ihr sagt, der Verstand könne nur in einem einzigen notwendigen unendlichen Wesen, das Alles ist, seine Ruhe finden; und ich weiss nicht, wie es zugeht: mir klopft das Herz vor Angst und sausen die Ohren, je länger ich darüber nachdenke. Es bleibt immer einerlei, es mag werden, was es will (ein Herr ohne Untertanen, Widerspruch! oder der selbst sich in seinen Geschöpfen lobpreist oder selbst bestraft)