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gewahr; allein tiefer in die natur der Dinge können wir nicht eindringen, wenn wir nicht sie selbst werden. Und dann hört aller Sinn auf; wir sind es selbst und schweben im Genuss ohne alle wissentliche Unterscheidung.

Warm und trocken ist das Feuer. Warm und feucht die Luft. Kalt und trocken die Erde. Kalt und feucht das wasser. Mit Flamme und Eis fängt Stockung und Zerstörung an, daraus keine Zeugung.

Wenn Feuer sich in Luft verwandelt, braucht es nur die Feuchtigkeit anzunehmen, und so, wenn wasser sich in Erde, nur die Trockenheit. wasser wird Luft durch die Wärme; Luft wird wasser durch die Kälte. Feuer verwandelt sich in Erde durch die Kälte, Erde in Feuer durch die Wärme. Leicht ist dann der Übergang einer natur in die andre und leicht Werden und Zeugen. Wenn aber Feuer wasser werden soll und wasser Feuer, Luft Erde und Erde Luft: dann ist ein doppelter Damm durchzustürmen; allein der Schleichweg ist bald gefunden. Feuer wird erst entweder Luft oder Erde; und so bleibt der Übergang auch bei den andern immer leicht.

Daraus alle die sonderbaren Erscheinungen! Und so verändert sich ewig in sich die Welt, begattet sich mit sich selbst und bringt neue Geschöpfe hervor und Blumen und Früchte.

Dies sind die vier Elemente, die der gemeine Menschenverstand durch alle zeiten anerkannt hat; und sie sind die Grundverschiedenheiten nicht nur für das Gefühl, sondern auch für die übrigen Sinne, die alle verschiedene Abarten desselben sind und darauf beruhen.

Dass die Luft wieder so verschieden sein könne, als wir die Erde erkennen, wer will dies leugnen? und so das wasser, und vielleicht noch das Feuer; wer hat die Elemente so untersucht? und wie wenig wissen wir noch von den Erden? Genug, dass der Übergang eines Elements in das andre gefunden ist.

Doch warum suchen wir Vervielfältigung der Elemente! Es hat Philosophen gegeben, die behaupteten, dass das Weltall, welches wir zusammen mit einem Namen natur nennen, durchaus eins und dasselbe sei; die alle Evidenz leugneten, um ihren Verstand an einem Mutterwesen zu weiden, das bloss reiner Stoff und nichts von allem andern ist, was wir kennen, sondern alles zugleich in jedem Punkte; andern Menschen schier ebenso undenkbar wie Alles aus Nichts und Nichts aus Allem, das es auch bedeutet.

Die ältesten der Art blieben jedoch noch bei einem Elemente. Heraklit meinte, das Feuer sei der gemeinschaftliche Quell aller Dinge: und Tales das wasser; beide aus dem heitern Ionien, von den Griechen, sonderbarlich! für die frühesten echten philosophischen Köpfe anerkannt und der erste als Stammvater aller eigentlichen Weisheit zum Sprichwort bei ihnen durch alle zeiten geworden. Das organische wasser, zum Beispiel der Mensch, ersaufe in dem einfachen wasser; und das organische Feuer verbrenne in dem Feuer, das die Lust verliert, etwas anders zu sein. Feuer, Luft und Erde sei wasser, und wasser sei Erde, Luft und Feuer, und alles eins und dasselbe. Feuer sei heiss und kalt, und wasser sei nass und trokken.

Andre suchten in der Folge den Widerspruch wenigstens im Ausdrucke zu vermeiden und setzten für irgendein Element überhaupt: Eins ist Alles und Alles Eins.

Nach dem Aristoteles war Xenophanes der erste, der dem Wesen seine eigentliche Reinheit gab, aber auch nichts weiter darüber bestimmte, sondern nur mit erhabner Stirn in den unermesslichen Äter hin schaute und sagte: Das Eins ist Gott.

Parmenides, sein Schüler, brütete nach ihm mehr darüber und suchte zu beweisen, dass Wesen der Vernunft nach notwendig nur Eins sein könne, für die Sinnen aber müsse man zwei Ursachen: Kalt und Warm, annehmen. Kalt sei das Unwesen und Warm das Wesen. Andre setzten dafür das Dicke und Dünne; nämlich das Wesen dehne sich aus und ziehe sich ein; und daraus alles Werden und Zeugen, alle Erscheinungen. Wenn es sich verdünne, werde es Luft und Feuer; und verdickt sei es Erde und wasser; aber alles im Grund eins und dasselbe."

Ardinghello. Wenn also die unendliche Ausdehnung, ausser den einzeln Bewegungen, durchaus sich einmal recht einzöge, so würden wir vielleicht alle zusammen mit ihr den allergrössten Stein ausmachen und die Welt als ein Diamant im leeren raum hangen.

Demetri (ein ander Gesicht annehmend). Wer weiss, was geschehen kann! Zeit hat sie nun in der Ewigkeit genug dazu, zur Kurzweil sich in allerlei Gestalten zu verwandeln.

Diese Philosophen gaben übrigens keine Ursache der Veränderung an und liessen noch Ruh und Bewegung unerörtert.

Wer beweisen will, dass aus Einem Alles sei, muss erst dartun, dass aus Allem Eins werde; und so weit hat es noch keine Chemie gebracht.

Wenn bloss Eins ist, so muss es in Ruhe sein; denn ohne Reiz keine Bewegung, und das Gleichförmige reizt nicht. –

In den Elementen liegen die Quellen der Bewegung. Sie ist allen eigen, und keins hat sie als einen besonderen Vorzug; nur scheint das Feuer einen weit höhern Grad von Reizbarkeit dazu zu haben als Erde, Luft und wasser. Alles in der natur regt sich von selbst und hat Freiheit, Erkenntnis und Begierde. Jeder teil, den wir von einem ihrer unvermischten Ganzen annehmen, hat alle innerliche Eigenschaften des Ganzen; ihre Wesen sind unendlich zart, verbreiten und verlieren sich ineinander, unergründlich allen unsern Sinnen. Je mehr das Kleine einerlei Art beisammen, desto grösser seine Macht und Stärke; und so kann Erde