noch zu fehlen schien? – Ja! und nein! je nachdem man entweder die blosse Hauptidee von einem solchen buch, oder die ganze Ausführung derselben meint. In jener Hinsicht (aus welcher Rousseau davon redet) ist es da, ist es längst da gewesen und Robinson Krusoe ist sein Nahme; in dieser fehlt' es bisher noch gänzlich. Denn ich brauche doch wohl nicht erst anzumerken, dass so viel weitschweifiges, überflüssiges Gewäsche, womit dieser veraltete Roman überladen ist, die bis zum Ekkel gezerte, schwerfällige Schreibart desselben und die veraltete, oft fehlerhafte Sprache unserer alten deutschen Uebersezung eben so wenig, als so manche, in Rüksicht auf Kinder, fehlerhafte moralische Seite desselben, keine wünschenswerte Eigenschaften eines guten Kinderbuchs sind.
Hierzu kömt in der geschichte des alten Robinsons noch etwas, welches einen der grössten Vorteile zernichtet, den diese geschichte stiften könnte; ich meine den Umstand, dass Robinson mit allen europäischen Werkzeugen versehen wird, deren er nötig hatte, um sich viele von denjenigen Bequemlichkeiten zu verschaffen, welche das geselschaftliche Leben gesitteter Menschen gewährt. Dadurch geht der grosse Vorteil verlohren, dem jungen Leser die Bedürfnisse des einzelnen Menschen, der ausser der Geselschaft lebt, und das vielseitige Glück des gesellschaftlichen Lebens, recht anschaulich zu machen. abermals ein wichtiger Grund, warum ich von der geschichte dieses alten Robinsons abgehen zu müssen glaubte.
Ich zerlegte daher die ganze geschichte des Aufentalts meines jüngern Robinsons auf seiner Insel in drei Perioden. In der ersten solt' er ganz allein und ohne alle europäische Werkzeuge sich bloss mit seinem verstand und mit seinen Händen helfen, um auf der einen Seite zu zeigen, wie hülflos der einsame Mensch sei, und auf der andern, wie viel Nachdenken und anhaltende Strebsamkeit zur Verbesserung unsers Zustandes auszurichten vermögen. In der andern geselte ich ihm einen Gehülfen zu, um zu zeigen, wie sehr schon die blosse Geselligkeit den Zustand des Menschen verbessern könne. In der dritten Periode endlich liess ich ein europäisches schiff an seiner Küste scheitern, und ihn dadurch mit Werkzeugen und den meisten Notwendigkeiten des Lebens versorgen, damit der grosse Wert so vieler Dinge, die wir gering zu schäzen pflegen, weil wir ihrer nie entbehrt haben, recht einleuchtend werde.
Nach dieser Anzeige meines ganzen Plans werden meine Leser sich wundern, in diesem Bande nur die angezeigte erste Periode beschrieben zu finden. Hierüber und über den doppelten Titel, womit ich diesen Band versehen habe, muss ich mich jetzt, und zwar besonders gegen die Herrn Subskribenten, erklären.
Von Allem, was ich bisher für die Presse schrieb, gingen wenigstens drei halbbeschriebene Bogen auf einen gedrukten. Dieser Erfahrung zu folge, hatte ich darauf gerechnet, dass ich zum jüngern Robinson nicht weniger Handschrift brauchte, als ich zu jedem andern buch von zwanzig Bogen in klein Oktav bisher gebraucht hatte. Darnach schnit ich also bei der Ausarbeitung meinen Stof zu.
jetzt sollte das Papier zum Druk eingekauft werden, und nun erfuhr ich die erste Buchhändler Verlegenheit. Man sagte mir, dass ich nur unter zweierlei Schreibpapierarten zu wählen hätte, wovon die Eine ganz grosses, die Andere kleines Format habe. Da das erstere für ein Kinderbuch von der Art, wie dieses, ein sehr unschikliches Format sein werde, so musste ich mich zu dem Leztern entschliessen. Und nun liess ich den Sezer Ueberschlag machen, wie viel der geschriebenen Bogen zu einem so gedrukten erfodert werden durften.
Da erfuhr ich dan zu meiner grossen Befremdung, dass derjenige Vorrat von Manuskript, den ich zu ungefähr zwanzig Bogen bestimt hatte, wohl an vierzig ausmachen werde. Ich liess den Ueberschlag zwei, dreimahl wiederholen, aber immer ergab sich dasselbe Resultat.
Nun befand ich mich in einer ausnehmenden Verlegenheit. Die Schrift durfte nicht kleiner, der Zwischenraum zwischen Zeilen und Lettern nicht enger sein, weil es ein Buch für Kinder werden sollte. Wurden hingegen beide so gewählt, und sollte dennoch das Ganze abgedrukt werden: so musst' ich mich entschliessen, stat achtzehn bis zwanzig Bogen, die ich versprochen hatte, vierzig zu liefern. Wolt' ich dies: so musst ich entweder von den Pränumeranten und Subskribenten einen ansehnlichen Nachschuss fodern, oder mich entschliessen, einen ansehnlichen Schaden zu leiden. Aber jenes untersagten mir meine Begriffe von Recht und Unrecht, dieses meine ökonomischen Umstände. Ich suchte also einen Mittelweg, dessen Einschlagung sich mit beiden vertragen könnte, und fand ihn in folgender Einrichtung.
Ich beschloss nämlich, nur so viel Bogen drukken zu lassen, als ich versprochen hatte, und diesen die Form eines ganzen vollendeten buches zu geben; damit derjenige, der kein Verlangen träge, noch mehr davon zu besizen, nicht gezwungen werde, einen zweiten teil zu kaufen. Für solche Subskribenten und Käufer ist der erste Titel beigelegt, auf welchem der Zusaz: erster teil, weggelassen worden ist. Für Andere hingegen, welche Lust haben, sich auch die zweite Hälfte dieses Kinderbuchs anzuschaffen, ist der andere Titel bestimt, welcher diesen Zusaz hat.
Durch diesen Ausweg glaubte ich meinen Subskribenten und mir selbst Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. sollte aber dem ungeachtet Einer oder der Andere von jenen mit dieser Einrichtung nicht völlig zufrieden sein: so erkläre ich ihn hiermit von der Verbindlichkeit seiner Unterschrift völlig frei und bitte ihn, sein Exemplar irgend einem armen kind seines Orts zu schenken, und, stat der Bezahlung, mir bloss zu melden, dass dieses geschehen sei.
Der zweite teil also, der die Fortsezung und das Ende der geschichte in sich fasst, wird, wenn