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Folge leisten, und die Logik dem natürlichen Gange seines selbsteignen Geistes, sowie die Moral seinem Gewissen zu verdanken zu haben. Wohl dem, der sich von allem entkleiden kann, was nicht er selbst (das letzte Hemde nicht ausgenommen) ist! Wohl dem, der seine Willkür dem Gesetz der Wahrheit und der Tugend unterwirft; wohl dem, der Wesen vom Schein, Schatten vom Licht absondert; Menschenfurcht, Menschenehre und den ganzen unwürdigen Tross von Vorurteilen, sie mögen gleich die höchste Stufe des menschlichen Lebens und ihre Achtzig erreicht haben und mit dem regierenden haus in Einverständniss leben, vom Hauptpastor canonisirt und vom Professore Philosophiae ordinario als ein Anhang vom Catechismus der Vernunft beigebunden sein, für das hält, was sie sind – Menschensatzungen und Tand! – – Wohl –

Alles Rationale zusammengenommen heisst Metaphysik. Sie ist die Seele der Philosophie. Die Metaphysik entält Urteil des Verstandes, abgesondert von aller Erfahrung und von allen Verhältnissen der Sinne, wenn z.B. von der Möglichkeit, Zufälligkeit u.s.w. gehandelt wird. Hier reden, wir nicht vom Schein, sondern vom Sein, um dem Drosselpastor nachzuahmen. Die Metaphysik hat kein verhältnis zu den Sinnen. Es will hier alles geistig gerichtet sein. Sie ist ein Lexikon der reinen Vernunft, ein Versuch, die Sätze des reinen Denkens in eine Tabelle zu bringen. Was in der Logik Urteile sind, sind in der Ontologie Begriffe, unter die wir die Dinge setzen, T i t e l des Verstandes, I n h a l t der Vernunft. Die Metaphysik muss kritisiren. Ihr Gebrauch ist negativ, wenn –

Wir waren im Begriff, uns recht viel Metaphysik ins Auge zu streuen, allein, siehe da! die Hausmütze Sr. Spectabilität, die Grossmutter, würgte die Tür auf und blickte durch ein Ritzchen. Man sah, dass die alte Frau noch einen Brand im Auge hatte. Sie schlug einen Strahl ins Zimmer. Dieser Wink sollte ihren lieben Ehegatten zum Schluss bringen, weil sie unfehlbar beim Grosssohn den Abend versprochen waren. Man sah es Sr. Spectabilität an, dass Sie wussten, was man einem blick durchs Ritzchen schuldig wäre. Es ging über und über. – Ich weiss nicht, ob ich diess über und über schriftlich werde nachmachen können.

Die moralischen Maximen, singen Se. Spectabilität nach diesem blick durchs Ritzchen (ich weiss nicht warum?) an, zeigen, wie ich der Glückseligkeit würdig werden könne, die pragmatischen zeigen, ihrer teilhaftig zu werden. Die Moral lehrt, der Glückseligkeit würdig zu sein; ihrer teilhaftig zu werden, ist eine Lehre der Geschicklichkeit. Es ist nicht möglich, die Regeln der Klugheit und der Sittlichkeit zu trennen. Es ist kein natürlicher Zusammenhang zwischen dem Wohlverhalten und der Glückseligkeit; um es zu verbinden, muss man ein göttliches Wesen annehmen. Ohne diess kann ich keine Zwecke in der Welt finden, keine Einheit. – Ich spiele in der Welt blinde Kuh. – Ohne Gott hab' ich keinen Punkt, wo ich anfangen soll, nichts, was mich leitet. Gott ist g r o ss und unaussprechlich! – – Die Menschen bedienen sich ihrer Vernunft a priori zum Nachteil des praktischen Gebrauchs, wenn sie nicht durch künstliche Schranken zurückgehalten werden. Dieses ist auch die Pflicht der Metaphysik. (Zehnmal singen Se. Spectabilität quid est? an, und zehnmal macht' ich eine Verbeugung, um ihn vom fragen abzubringen.) Das erste, was ich bei mir gewahr werde, ist das Bewusstsein, diess ist kein besonderes Denken, sondern die Bedingung und die Form, unter der wir denkende Wesen sind. Wie schön bauen und wirken nicht manche Tiere, wie nah' kommen sie uns nicht auf die Seele; allein eins, was nicht ersetzt werden kann, das Bewusstsein, fehlt, und wahrlich, es fehlt wenig, und es fehlt viel! Mein Reisegefährte wollte wegen der Hunde einwenden, indessen konnte' er nichts mehr als husten. Alles, was da ist, ist im Raum und der Zeit. Raum und Zeit sind Formen der Anschaunngen, sie gehen den Erscheinungen vor, wie das Formale dem Wesentlichen. Ich muss Zeit und Raum haben, damit, wenn Erscheinungen vorfallen, ich sie hinstellen und beherbergen könne. Die Objecte der äussern Sinne werden im Raum, die der inneren Sinne in der Zeit angeschaut. Hier ein ganz kleiner Commentarius über den teologischen terminum technicum Zeit und Raum zur Busse, der, wie Se. Spectabilität sich ausdrückten, nicht ausserm Wurf läge. Wie vielen Dingen mussten wir auf der Stelle, des Blicks durch die Ritze wegen, einen Scheidebrief geben. Wir nannten bloss ihre Namen und behalfen uns damit, dass wir diese Namen nannten und uns einander zulächelten. – Ein wahres Examen!

Bei reinen Verstandesbegriffen haben wir keine Begriffe von Sachen, sondern nur Titel, worunter wie uns eine Sache denken können. Durch diese Titel können wir nichts ausrichten, ausser wenn wir sie auf Gegenstände der Erfahrung und Anschauung anwenden. Wer kann aber, ohne die Titel des Verstandes vorauszusetzen, wer kann Erfahrungen anstellen? wer Fische ohne Netz oder Hamen fangen? Die Metaphysik entält alles und entält nichts. Sie macht nichts von den Gegenständen aus, allein ohne sie kann man nichts von Gegenständen ausmachen. Sie ist das Zollhaus, die öffentliche Wage der philosophischen erkenntnis. Sie entält Titel des Denkens, allein keine Prädicata der Dinge. Nur die Erscheinungen verleihen Begriffe von den Dingen.

Vernünftelei