Ulysses erkannte, sich von seinem Sterbelager aufrichtete, mit dem Schwanze wedelte, indessen nicht mehr das Vermögen hatte mit seiner Zunge seinen Herrn zu berühren, um ihm Dank zu lecken. – Dieser weinte.
A r g o s aber, der seine starren Augen noch angestrengt hatte seinen Herrn zu sehen, starb, nachdem er ihn gesehen hatte, in Frieden. – Gott hab' ihn selig, sagte Herr v. G., und eine Träne blinkte in seinen Augen – denn es war ein Hund, von dem geredet war. – Herr v. G., Sie haben mich etwas sehen lassen, sagte der Grossvater, was eben so gut ist, als griechisch verstehen. – Wollte Gott, antwortete Herr v. G., ich könnte griechisch, des Argos wegen. – Es sind mehr schöne Stellen im Homer, fuhr der Grossvater fort. – Herr v. G. wiederholte: D e s A r g o s wegen.
Endlich singen Se. Spectabilität (auch diess, weit Sie Grossvater geworden waren) etwas aus der lieben Weltweisheit an. Es sah so aus, als wenn wir einen Ritt dran wagen wollten.
Quid est –
Wenn Ew. Spectabilität es im Deutschen erlauben?
Der gute Mann stimmte bei, und aus unserm Examen ward ein Gespräch, ein Piknik, wo jeder sein Schüsselchen gibt.
* * *
Die Philosophie und die deutsche Sprache – wollte Gott, dies; könnt' ein Paar werden für und für! – Wollte Gott, unsere Philosophen möchten solche Gewissenskoliken haben, als Tiberius über jenes Wort im Edict, und über dass Wort Monopolium, von welchem mir bekannt ist, dass er es mit salva venia verbrämt, und über das Wort ’ ε
´μβλημα, welches er, wie
Se. Spectabilität beiläufig anzumerken beliebten, aus einem Edict ausradiren lassen.
Es gibt Naturphilosophie und Kunstphilosophie. Leben! Leben! Leben! und Schulweisheit. Philosophie, die bloss weiss, und Philosophie, die weiss und tut, gelehrten Wust und Weisheit. Aristoteles war ein Künstler, Epikur, Diogenes (mit Fleiss zusammen) waren Naturalisten und Sokrates dessgleichen. – Die künstliche wird ganz und gar gelehrt, bei der natürlichen ist nur eine gewisse Metode, die gezeigt wird. Das Fass des Diogenes, der Brei des Epikur, wie verehrungswert! – Die Fenster im Auditorio, wo natürliche Weisheit gelehrt wird, gehen all' ins gemeine Leben. – Die natürliche lehrt die Zeit gebrauchen, die künstliche sie vertreiben. Die Naturphilosophie ist fliessend wasser, Springwasser, die künstliche ist wasser, welches steht. Die Kunstphilosophie treibt Commissionshandel, die Naturphilosophie hat bloss eigenes Product. Das Leben der Naturphilosophie ist eine Copia vidimata ihrer Grundsätze, und zu ihren Angaben ein solch erklärender nachhelfender Beleg, dass ohne Beilage sub Vide ihre ganze Lehre wie gar nichts ist. Wohl dem, der von diesem wasser des Lebens getrunken hat! Die idee der Weisheit liegt der Naturphilosophie zum grund, die nicht gleichgültig, sondern gleichmütig macht. – Ist wohl ein passenderes Motto zur künstlichen Philosophie, als "die Herren werden doch wohl Spass verstehen?" Will man ein Emblem, so ist's ein optischer Kasten.
Vom natürlichen Philosophen sagt man, er p h i l o s o p h i r t . Ein künstlicher Philosoph hat P h i l o s o p h i e . Er hat sie für Geld und gute Worte zum Verkauf und zur Pacht. – Man muss es bei der Philosophie nicht anlegen, ein Buch, den beliebten Autor, sondern die Sache zu verstehen. Man will sich vorzüglich selbst verstehen und das Buch Gottes, die Welt – Diese Philosophie kann nicht auswendig gelernt werden; es ist was Inwendiges, ein Philosoph zu sein. Denken und leben heisst: philosophiren. Wenn man die Wissenschaften in die der Gelahrteit und die der Einsicht einteilt, so würde' ich die künstliche Philosophie zur Gelahrteit rechnen, und so wie man z.B. von einem Historikus sagen kann: er sei ein Gelahrter, er habe viel gelernt, so auch von einem Kunstphilosophen. Die natürliche Philosophie besteht nicht in Nachricht, sondern in Einsicht. Man kann nicht vom natürlichen Philosophen sagen: er habe viel gelernt, allein er kann viel lehren. Alle Vernunfterkenntniss aus Begriffen gehört zwar zur Philosophie, allein der Philosoph ist eigentlich ein Führer der Vernunft, und bringt den Menschen an Ort und Stelle. Der Mensch ist nicht bei sich, heisst oder sollte heissen: er habe diesen eigentlichen philosophischen Weg verfehlt. Die Bestimmung des Menschen, und die Mittel, dahin zu gelangen, das ist das Ziel, wo alle philosophische erkenntnis zusammentrifft. Es ist die probe der Philosophie. Der gemeine Mann m e i n t und w ü n s c h t , und selbst dazu ist er ex speciali gratia privilegirt; der Weise denkt und will. Verstand und Wille zusammen ist e i n e Seele. Wer kann die Seele halbiren? Der Mann hat Geist und Leben, das heisst: der Mann ist ein Philosoph natürlicher Art. Zwar sagt man auch, diess Buch hat Geist und Leben, allein alsdann denkt man, der Verfasser, ein Philosoph her besagten Art, hat es geschrieben und es sich so ähnlich gemacht, dass er ihm etwas Geist und Leben abgegeben. Er hat es angehaucht – wie Gott den bis auf die Seele fertigen Adam. Der Mann ist im buch getroffen! – – –