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grössere Lust erweckte, dem Rechte seinen Lauf zu lassen." Ferner S. 22: "Der grösste teil der Leute von diesem stand scheint den Eigennutz zu seinem Gott gemacht zu haben, den er allein anbetet und dem er Ehre, Gewissen, Redlichkeit, alles aufopfert ..." und so weiter.

Wie wäre es möglich, dass der sanftmütige Sebaldus einen ganzen dem gemeinen Wesen nötigen und nützlichen Stand auf eine so bittere und zugleich so tölpische Weise habe öffentlich verunglimpfen wollen? Sollte wohl ein verständiger Mann zweifeln können, ob jemals ein Termin zur Güte den erwünschten Erfolg gehabt habe? Dies sieht wirklich viel weniger einem unbefangenen Dorfprediger wie Sebaldus ähnlich als einem aufgeblasenen Rentenierer wie Erasmus, der verlangte, dass sich jedermann vor ihm beugen und nach seinem Willen handeln solle, und deshalb eine Menge Prozesse hatte, in welchen freilich kein einziger Termin zur Güte jemals einen erwünschten Erfolg haben konnte: ganz natürlich, weil Erasmus beständig seinem Eigensinn folgen und niemals vernünftigen Vorstellungen Gehör geben wollte.

Die Predigten wider den Aberglauben, von der Zufriedenheit, von der Gesundheit, von der Kinderzucht, von der Glückseligkeit des Landmannes scheinen von Elardus Notanker, dem jüngern Bruder unsers Sebaldus, herzurühren. Es sind ganz leidliche, gutgemeinte, etwas weltschweifige Homilien, die den Predigtlesern in Städten ganz gut gefallen mögen; nur findet man darin freilich Spuren, dass sie nicht vor Bauern gehalten worden oder für Bauern bestimmt gewesen. Wie würde man zum Beispiel (S. 57) darauf kommen, diesen vorzusagen: "Geld und Ehre machen nicht wahrhaftig glücklich"? Der Bauer hat ja gemeiniglich kein Geld und verlangt keine Ehre.

Die beiden Fragmente der Predigten von der Ewigkeit der Höllenstrafen und vom tod fürs Vaterland haben ohne Zweifel den witzigen Cyriakus zum Verfasser. Es ist schon oben gesagt worden, dass er in allen Schreibarten Versuche machte, und man sieht es diesen Fragmenten nur allzusehr an, dass sie Versuche sind, und zwar Versuche eines jungen Menschen. Ein Mann, der so viel Überlegung besass wie Sebaldus, würde seinen Bauern nicht von der Endlichkeit der Höllenstrafen eine ausdrückliche Predigt gehalten haben, wenigstens sicherlich nicht auf die Art wie hier. Er hätte gewiss bedacht: ehe er über diese Materie mit Nutzen predigen könnte, würde er noch vorher in den grossen Vorstellungen seiner Bauern von göttlichen Strafen, von den Folgen der Untugend, von dem Zusammenhange der Dinge überhaupt, von Vergebung und Besserung sehr viel ändern und berichtigen müssen. Hierbei, fühlte er wohl, hätte er für einen gemeinen Bauerverstand leicht zu subtil werden können, weshalb er, wie wir von ihm selbst erfahren haben, von dieser Materie seinen Bauern niemals etwas gesagt, sondern ihnen nur Gott als ein allgerechtes und allgütiges Wesen vorgestellt hat, das seine Strafen nach weisen Absichten verhängt und dessen Plan dabei allemal das wahre Wohl des Menschen ist – ohne sich in die transzendenten Begriffe von Ewigkeit und Endlichkeit einzulassen, die kein Bauer recht genau fassen wird und die ihm zur Besserung des Lebens, welche Sebaldus für den einzigen Zweck seiner Predigten hielt, nichts helfen können.

Das Fragment der Predigt vom tod fürs Vaterland ist gleichfalls gewiss nicht vom Sebaldus, welches schon daraus erhellet, dass man in diesem Fragmente nichts von dem entusiastischen Feuer findet, in welchem nach S. 40 des ersten Teils seiner wahrhaften Lebensgeschichte diese Predigt gehalten worden, so dass, wenn sie so kahl und kalt gewesen wäre als dieses Fragment, schwerlich nur ein einziger Bauerkerl dadurch würde bewogen worden sein, Kriegsdienste zu nehmen. Es scheint, Magister Cyriakus hat bloss einen Versuch machen wollen, zu zeigen, wie etwa die Predigt, um welcher willen sein Oheim Sebaldus abgesetzt worden, möge ausgesehen haben. Allein dieser Versuch misslang, weil Cyriakus nicht Sebaldus ist, obgleich beide Notanker heissen.

übrigens will man freilich den Satz, dass Erasmus Notanker, Elardus Notanker und Cyriakus Notanker die Verfasser der sogenannten Notankerschen Predigten sind, für weiter nichts als für eine wahrscheinliche Mutmassung ausgeben. Wen dies zu wenig dünkt, der bedenke, dass die Resultate der tiefsinnigsten historischen Untersuchungen oft weiter nichts als blosse Mutmassungen sind, wogegen mit unserer Mutmassung noch die unstreitige Wahrheit verbunden ist, dass gedachte Predigten, ihr Verfasser sei auch, wer er wolle, wenigstens gewiss nicht von Sebaldus Notankern sind.

Man hat auch ferner aus sichern Privatnachrichten erfahren, dass hin und wieder auf den Webestühlen einiger gelehrten Manufakturen zu verschiedenen Zeugen die Ketten angedreht worden sind, wozu der ehrliche Sebaldus Notanker und seine Bekannten den Einschlag geben sollen. Zum Beispiel Sebaldus Notankers Beicht-, Bet- und Kommunionbuch; Sebaldus Notankers Betrachtungen auf alle Tage im Jahre; Sebaldus Notankers Sonn- und Festtagspredigten über alle Evangelien und Episteln; Sebaldus Notankers schrift-, und vernunftmässige Auslegung der Offenbarung Johannes; des Herrn Doktor Stauzius Aufmunterung zur Bewahrung der Rechtgläubigkeit und Warnung vor falscher Lehre; Kochbuch von 5000 speisen nach der Anlage Seiner Exzellenz des Herrn Grafen von Nimmer nebst einem Anhange von Fastenspeisen; Rambolds philosophisch-ästetisches Lehrbuch; Hieronymus' Tischreden, Einfälle und Meinungen und anderes mehr. Daher will man das Publikum warnen, sich durch diese und andere dergleichen verfängliche Titel nicht hintergehen zu lassen. Denn Herr Sebaldus Notanker würde, was er etwa der Welt vorlegen wollte, schon selbst herausgegeben haben; von den übrigen Personen aber möchten wohl keine echten Schriften zu erwarten sein.

Zuletzt ist der geneigte Leser zu benachrichtigen, dass ein kurzweiliger Mann darauf gefallen ist, "Das Leben und die Meinungen des Herrn Magisters Sebaldus Notanker", ohne die geringsten