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Profession aus Aspasiens Pflanzschule entführt hatten. Aspasia vermochte alles über den Perikles, Perikles alles in Aten, und so wurde den MegaPerikles. 21 Ob diese Stelle, der Gastöfe wegen, für unecht und eingeschoben zu halten sei, überlässt man dem Urteile derjenigen, welche die Rem cauponariam Veterum gründlich untersucht haben. 22 Ein fremdes Wort! Ich bitte es den Puristen ab. Aber weder Lage, noch Stellung, noch Gebärde drückt das aus was Attitüde; und so oft es uns an unentbehrlichen einheimischen Worten gebricht, werden wir wohl genötiget bleiben, fremde zu borgen. Und von wem können wir solchenfalls schicklicher borgen als von derjenigen lebenden Sprache, welche die polierteste und allgemeinste ist? So machten es die alten Römer mit der griechischen; und warum sollten deutsche Schriftsteller, mit gleicher Bescheidenheit, nicht tun dürfen, was sogar Cicero, dem seine Muttersprache so viel zu danken hatte, für erlaubt hielt? 23 Die öffentliche Ehrbarkeit diente ihnen statt eines Schleiers, sagt, ich weiss nicht welcher Alter, von den spartanischen Töchtern. 24 Frau Salabanda hat Recht. Lange vor dem Hammel der Madame Dannoy machte Lucian in seiner wahren geschichte, und lange vor Lucian machten die griechischen Komödiendichter, Metagenes, Pherckrates, Teleklides, Krates und Kratinus, Beschreibungen vom Schlaraffenlande und vom Schlaraffenleben, worin sie sich in die Wette beeiferten, der ausschweifendsten Einbildungskraft eines neuern Märchenmachers nichts übrig zu lassen. Die kühnsten Züge im Gemälde, welches Demokritus davon macht, sind aus den Fragmenten genommen, die uns Atenäus im sechsten buch seines Gastmahls der Sophisten davon aufbehalten hat. 25 Um denjenigen Lesern, welche weder den Diogenes Laertius, noch des Deslandes, oder Bruckers kritische geschichte der Philosophie, noch die Compendien des Herrn Formei oder D. Büschings, gelesen haben, irrige Vermutungen zu ersparen, erinnert der Verfasser, dass alle hier vorkommende Hypotesen sich eines sehr ehrwürdigen Altertums, und zum teil einer Menge Verfechter und Anhänger rühmen können. Die Meinung unsers Demokritus ist die einzige, welche, vermutlich bloss weil sie die vernünftigste ist, keine Secte gemacht hat. 26 Dieser Philosoph war also ein Cartesianer vor dem Cartesius. 27 Xerxes, der bei seinem Kriegszuge gegen die Griechen einige Tage zu Abdera bei dem Vater des Demokritus sein Hauptquartier gehabt, hatte den damals noch sehr jungen Demokritus lieb gewonnen, und zu die er bei sich hatte, zurückgelassen. Diogen. Laert 28 S. Lucian im Philopseudes. 29 Epopten hiessen diejenigen, welche nach ausgestandner Prüfung zum Anschauen der grossen Mysterien zu Eleusis zugelassen wurden. S. Warburtont's Divine Legation Vol. I. p. 155 der 4ten Ausgabe. 30 Ein Mann, von dessen wunderbarer Leibesstärke und Gefrässigkeit die fabelhaften Graeculi erstaunliche Dinge zu erzählen wissen; z.E. dass er einen wohlgemästeten Ochsen dreihundert Schritte weit auf den Schultern getragen, und, nachdem er ihn mit einem einzigen Faustschlag tot gemacht, in einem Tage aufgegessen habe. 31 Eine der Hälfte des menschlichen Geschlechts verhasste Sagacität – nennt dies Joh. Chrysostomus Magnenus, in seinem Leben des Demokritus. 32 Plinius, der in seiner natur- und Kunstgeschichte Wahres und Falsches ohn Unterschied zusammengetragen hat, erzählt, im Capit. 49 seines zehnten buches, in ganzem Ernst: Demokritus habe in einer seiner Schriften gewisse Vögel benennet, aus deren vermischtem Blut eine Schlange entstehe, welche die Eigenschaft habe, dass derjenige, der sie esse, (ob mit Essig und Öl? sagt er nicht) von stunde an alles verund anderer ähnlicher Albernheiten, wovon (wie er sagt) die Schriften des Demokritus wimmeln, liest er ihm an einem andern Orte seines Werkes den Text sehr schulmeisterhaft. Aber Gellius (Noct. Atticar. L. X. Cap. 12.) verteidigt unsern Philosophen mit besserm Grund, als Plinius ihn verurteilt. Was konnte Demokritus dafür, dass die Abderiten dumm genug waren, alles, was er im Ernste sagte, für Ironie, und alles, was er scherzweise sagte, für Ernst zu nehmen? Oder wie konnte' er verhindern, dass nicht lange nach seinem tod abderitische Köpfe tausend Albernheiten, an die er nie gedacht hatte, unter seinem Namen und Ansehen an andre Abderiten verkauften? Was für klägliches Zeug liess ihn nicht erst im Jahr 1646 Magnenus in seinem Democritus redivivus sagen? Und was müssen nicht die Leute in der andern Welt von sich sagen lassen? 33 Dies ist wohl ein Irrtum des Übersetzers. Denn wer weiss nicht, dass die Trutühner dem Aristoteles selbst unbekannt waren, und unbekannt sein mussten, weil sie erst aus Westindien zu uns und in die übrigen Teile unsrer Halbkugel gekommen sind? S. Buffon Histoire naturelle des Oiseaux, T. 3. p. 187 u. f. 34 Nichts ist möglicher, als dass Sokrates wirklich einmal etwas gesagt haben konnte, das zu dieser Türlipinade Anlass gegeben. Er durfte nur in einer Gesellschaft, wo die Rede von Grösse und Kleinheit war, den Irrtum angemerkt haben, den man gewöhnlich begeht, da man von Gross und Klein als von wesentlichen Eigenschaften spricht, und nicht bedenkt, dass es bloss auf den Massstab ankommt, ob etwas gross oder klein sein soll. Er konnte nach seiner scherzhaften Art gesagt haben: man habe Unrecht, den Sprung eines Flohs nach der attischen Elle zu messen; man müsse, um die Schnellkraft des Flohs mit derjenigen eines Luftspringers zu vergleichen, nicht den menschlichen Fuss, sondern den Flohfuss zum Mass nehmen, wenn man anders den Flöhen Gerechtigkeit widerfahren lassen wolle – und