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Die Schlachten werden durch die hände gewonnen, und die Schätze durch hände erworben. Ein unbewohntes Paradies ist unfruchtbar. Besorge niemals, die Erde werde ihre zahlreichen Einwohner nicht nähren können, sie wird lieber aus einem Acker zum Garten werden. Je weiter ein Land ist, je schwächer ist es, wenn ihm die Menschen mangeln, seine grenzen sind schwach, und die hülfe entfernt.

Die Stattalter sollen des Kaisers Ansehen, vorstellen: ihnen gehört eine Pracht, die der Geringern Gehorsam erleichtert. Die Policei der Provinz, das Glück der Völker, die Aufnahme der Handlung und des Ackerbaues ist ihnen aufgetragen. Wähle sie wohl, o Kaisers Sohn, aus ihnen wird Persien von dir urteilen. Du wirst ihnen einen umständlichen Unterricht geben25, wie zahlreich die Einwohner ihrer Provinz, was die Einkünfte, die Früchte des Fleisses oder der natur seien, was die Handlung nähre. Die Regeln müssen ihnen vorgeschrieben werden, nach welchen sie regieren sollen. Das öde Kerman muss man nicht regieren wollen, wie die reichen Gefilde um Tabris; der Geber gehorcht dem Kaiser, und der Kurde ist sein Freund.

Die Städte sind der Sitz des Reichtums in einem land: nicht dass man das Land verachten solle. Es ist vorteilhafter für das Reich, dass der Landmann sein Brod erwerben müsse: er wird durch die Gewohnheit hart, und durch die Mässigkeit gesund, bei ihm ist die Pflanzschule der Krieger. Er ist unter einem guten Fürsten der glücklichste teil der Nation, weil seine Hofnungen so gross als seine Begierden sind. Wer ist frölicher als der Schnitter unter der brennenden Sonne, als der Winzer, der den Weinberg im Herbste pflücket. Der Landmann besitzt Gesundheit und Kräfte, die bei den städtischen arbeiten niemals sich erhalten können: er verdient das rühmliche Vorrecht das Vaterland zu verteidigen.

Die Städte gehören den Handwerken und der Handlung zu: die Künste gedeihen besser, wann sie beisammen sind, und eine jede arbeitet für ihre Schwestern. Ohne die Städte würden tausenderlei Bequemlichkeiten des Lebens nicht verfertigt werden können: und sie würden zum Tribute, den Persien den Fremden, und vielleicht seinen Feinden bezahlen müsste. Sie sind die Vormauern gegen die Feinde, deren Raub ohne sie das flache Land sein würde. Die Städte müssen den Landmann ernähren, indem sie ihm seine erarbeiteten Früchte abnehmen, und gegen seine Notdurften austauschen; ohne sie würde die mildeste natur zwar die Nahrung, aber niemals die Mittel verschaffen können, die Metalle und andere Unentbehrlichkeiten zu erhalten.

Schütze also die Städte; sorge, dass sie tüchtige Calantar, und die Hauptstädte erfahrne Daroga haben. Nimm sie aus der Zahl ihrer Beisitzer, alle Menschen müssen sich durch die Geschäffte unterweisen lassen. Besolde sie, dass sie keiner Nebengewinnste bedürfen, lass sie hoffen, durch gute Dienste höher zu steigen: aus ihnen nimm die Abgesandten, doch lass niemand in seiner väterlichen Provinz dieses Amt verwalten.

Tausend Kleinigkeiten beschäfftigen die Handhaber der Policei, eine gewisse Länge musst du dem Leitseile geben, womit du diese untersten Teile der Verwaltung lenkest. Aber dennoch lass alle diese Bedienten unter der Furcht der Abgesandten und der Untersuchung stehen: sie werden dein Volk nicht unterdrücken, wann sie gegen kleine Gewinnste unfehlbare Strafen zu erwarten haben.

Hilf den Städten mit einigen Beisteuern auf: rechne ein schönes Bürgershaus für einen deiner Paläste, es trägt noch mehr zum Besten des Reiches bei, als die Colossalischen Säulen der Hystaspiden. Gute Häuser sind Rosenfesseln für die Bürger, die sie unter deinem Zepter behalten, und wer zu verlieren hat, macht sich minder leicht strafbar.

Persien ist heiss, und seine Strassen öde; die Hügel sind ohne Waldung: muntere dein Volk auf, Bäume zu pflanzen: waldichte Berge werden wiederum wasser sammlen, und Wüsteneien werden bebauet werden können, wenn du Bäche erschaffest. Ein Acker, den du der Unfruchtbarkeit entziehest, ist zwanzig Aecker wert, die du einem Feinde abgewinnst.

Deine Abgesandten sind deine Augen: aber deine hände lass sie nicht sein. Wenn du die Strafen ihnen anvertrautest26, so würde ihre willkührliche Gewalt zur Tyrannei werden. Aber sie sollen auf die Geistlichkeit, auf die Kriegsmacht die Gerechtigkeit, die Policei, die Steuern, auf alle Wurzeln des gemeinen Besten wachen, und die Uebel zeitig anzeigen, die diese Wurzeln anstecken möchten. Beschütze sie standhaft, so lange sie die Wahrheit sagen: unter deinem Schatten sollen sie das Drohen des Feldherrn, die Künste des Staatsmanns, auch das Murren des Volkes selbst, nicht zu befürchten haben. Auf die stimme des Volkes horcht zwar ein weiser Herrscher mit Aufmerksamkeit; es sind entfernte Donner, die in Strahlen ausbrechen, wenn sie nicht zerteilt werden. Aber noch ehrwürdiger ist die stimme der Wahrheit, die erwarte von deinem Abgesandten. Er soll weder die Gewalttat der Grossen, noch die Trägheit der Vorgesetzten der Städte, noch die Gierigkeit der Steuereinnehmer verschweigen: er soll jedem Seufzer des Unterdrückten bis zum Trone helfen. Dein ist alsdann die Pflicht, die Anzeige zu untersuchen, und durch Warnungen und Strafen dem einschleichenden Uebel zu wehren.

Der Abgesandte ist dir die grösste Wirksamkeit, und die reinste Wahrheit schuldig. Entspricht er seinem wichtigen Berufe, so sei er der nächste bei deinem Trone. Misbraucht er die hohe Beilage deines Vertrauens, so sei seine Strafe die härteste.

Ich habe dir mein Geliebter, die Wege zum wahren Glücke eröffnet, die mir bekannt sind, und Usong wird willig sterben, wenn er sich versprechen kann, dass es deine Wege sein werden.

Usong machte