Pfänder, sie müssen zugleich leiden, wenn es dem staat nicht wohl gehet.
Liebe den Frieden, aber lerne das Kriegswesen, denn nur durch eine gute Verfassung zum Kriege wirst du Frieden erhalten. Alle Uebungen, alle Anstalten zum Kriege müssen dir bekannt sein. Führe selbst deine Völker an. In der Gegenwart seines Kaisers wird der Perser mit doppeltem Mute fechten. Belohnung und Ehre ist bei einem Feldherrn ungewiss. Der Feldherr hat Freunde, seine Gunst ist eingeschränkt; der Kaiser hat Untertanen, er liebt sie alle.
Ehre gute Feldobersten, aber keinem vertraue das Ganze. Belohne die Kriegsleute, besolde sie mit der vollkommensten Richtigkeit; verschaffe ihnen einen reichlichen Unterhalt, aber erlaube niemals dass sie den Untertan unterdrücken. Sollten die Beschützer eines Volkes wie seine Feinde handeln? Halte auf der Mannszucht unerbittlich, doch schone des Blutes. Das Leben kommt nicht von dir, von dem Sold und Ehre kommt.
Lass deine Völker sich unaufhörlich in den Waffen üben: wohlgeübte und fertige Völker müssen einer wilden Herzhaftigkeit allemal überlegen bleiben. Bemühe dich der Europäer Kriegsanstalten zu lernen, sie erfinden und verbessern.
Trachte Fussvolk zu bilden: der Mangel daran kann Persiens Untergang sein. Waffne lieber Sclaven23, wann der bequeme und stolze Perser auf dem Pferde beharret. Vermehre den Gebrauch des Feuergewehres und des Geschützes, sonst wirst du die Schmach dulden müssen, die Osmannen zu fürchten.
Lass den Verdienst den gemeinsten Reuter in die höchste Stelle heben. Aber erhöhe ihn allgemach, und nicht mit willkührlichen Sprüngen: ein vortrefflicher Hauptmann könnte ein elender Feldherr werden. Erfinde noch mehrere Preise und Ehrenzeichen: sie feuern den Mut an, und fallen dem land nicht zur Last.
Halt die grenzen nach Osten, nach Westen und nach Norden wohl bewahrt. Befestige die Städte daselbst, und versehe sie mit Besatzungen. Das Innere des Reiches beschwere weder mit Schanzen, noch mit stehenden Völkern.
Lass die Kriegsmacht nicht eingehen, du würdest verächtlich werden: vermehre sie nicht zu sehr, du müsstest dein Volk unterdrücken.
Die Gerechtigkeit ist die Stütze deines Trones: deine erste sorge sei, dass du sie deinem volk unverfälscht und leicht verschaffest.
Sei aufmerksam auf die Richter. Verstosse keinen, ohne dass seine Fehler erwiesen seien. Der Richter muss sicher sein, dass keine Ungunst der Grössesten ihn stürzen kann. Aber bleib unerbittlich gegen diejenigen, die das Recht um eines Vorteils willen gebogen haben.
Bezeuge den Oberrichtern die gröste achtung: ihr Beistand wird dich beim volk vertreten, sie werden nicht zugeben, dass eine ungesittete Macht den Tron stürze, von dessen Strahlen auch sie selber leuchten. Vertraue ihnen deine eigene Sache. Lass die Gerichtshöfe zwischen dir und einem Landmann mit Freiheit sprechen; lobe sie, wenn sie dich mit Grund verurteilen. Ein Verlust von einigen Morgen wird tausendfältig durch das Zutrauen ersetzt werden, das das Volk zu einem Herrscher hat, bei dem die Gerechtigkeit mehr als sein Schatz gilt.
Halte heiliglich über die Feierlichkeiten des Rechtes, sonst wird alles willkürlich. Beobachte die gesetzten Tage unverletzlich, du könntest keinen Bürger begünstigen, dass nicht ein anderer litte.
Niemals empfiel eiste Sache einem Richter, du würdest tun, was der Feind Gottes zu tun sucht, einen Gerechten verführen. Niemals erwähle du eigene Richter zu einer Bestrafung: dein Volk würde auch die Schuldigen für unschuldig halten, wenn sie durch ein willkührliches Gericht verurteilt würden.
Sitze oft im obersten Gerichte, untersuche zuweilen eine Rechtssache selber. Eine geringe Mühe wird die Richter unsträflich machen, weil sie allemal deine Gerechtigkeit fürchten müssen.
Strafe nicht hart, nicht grausam; aber lass auch kein Verbrechen ungestraft. Spare das Blut; und wo du das Leben des Schuldigen beibehältest, so trachte es so zu gebrauchen, dass es dem gemeinen Wesen nützlich sei, und ihm selbst zur Verbesserung dienen könne.
Erlaube nicht, dass man unter einigem Vorwande Schatzungen auflege, oder die Steuern vermehre. Wirst du reicher sein, wann dein Volk ärmer worden ist? Der erträgliche Zustand des Landmanns in Persien wird ihm Kräfte übrig lassen, dass er das gebaute Land erweitern, und Wüsten zu Aeckern machen kann. Der Fremde, von harten Fürsten unterdrückt, wird flehen, dass man ihm erlaube, Persiens öde Gefilde zu bebauen. Auf beide Weisen wirst du eben deswegen deine Einkünfte vermehren, weil du sie nicht erhöhest. Freue dich, wann dem Perser über das Unentbehrliche etwas zum Vergnügen übrig bleibt. Sie sind Menschen, und empfinden wie du.
Erhalte die Strassen rein, bequem und sicher. Schütze die Kaufleute, sie sind Stützen des Staates. Ehre sie, der Glanz deines Trones ist die Frucht ihrer Arbeit.
Usong hat keine Zeit gefunden, der Schiffahrt aufzuhelfen, und Persiens Küsten sind Wüsteneien. Erinnere dich, dass die Handlung zu Land Schranken hat, zur See aber sich ins Unendliche erweitern kann. Sie hat Venedig aus einer Fischerinsel zur königin gemacht.
Beschütze alle Künste, unterstütze sie mit Preisen, mit Besoldungen, mit Ehrenbezeugungen: nicht mit Darleihen, die einen Anfänger stürzen, weil sie ihn bewegen, mehr zu unternehmen, als seine Kräfte zureichen. Sieh den Erfinder eines bessern Pfluges als einen Wohltäter des Reiches an, und der sei dein Bruder, der dich lehrt, auf einem Morgen mehr Garben zu schneiden. Zieh einen wohlgebauten Acker allen Lustgärten vor, halt einen Waizenhalm für schöner als die Blume Mogori24. Aller Vorzug kommt vom Beitrage zum allgemeinen Besten.
Du wirst reich und mächtig sein, wenn Persien reich an Menschen ist.