eine Art von unsichtbaren und durch verjährten Aberglauben geheiligten Götzen sei, an denen nichts als der Name verehrt werde; dass man in diesen Staaten einen stillschweigenden Vertrag mit einander gemacht zu haben scheine, sich durch den Namen und ein gewisses Phantom von Gerechtigkeit, Mässigung, Uneigennützigkeit, Liebe des Vaterlandes und des gemeinen Besten von einander betrügen zu lassen; und dass unter der Maske dieser politischen Heuchelei, unter dem ehrwürdigen Namen aller dieser Tugenden, das Gegenteil derselben nirgends unverschämter ausgeübt werde. Es würden, meinte er, eine Menge besonderer Umstände, welche sich in etlichen tausend Jahren kaum einmal in irgend einem Winkel des Erdbodens zusammenfinden könnten dazu erfordert, um eine Republik in dieser Mittelmässigkeit zu erhalten, ohne welche sie von keinem Bestand sein könne: Und daher dass dieser Fall so selten sei, und von so vielen zufälligen Ursachen abhange, komme es, dass die meisten Republiken entweder zu schwach wären, ihren Bürgern die mindeste Sicherheit zu gewähren; oder dass sie nach einer Grösse strebten, welche nach einer Folge von Misshelligkeiten, Cabalen, Verschwörungen und Bürgerkriegen endlich den Untergang des staates nach sich ziehe, und demjenigen, welcher Meister vom Kampf platz bliebe, nichts als Einöden zu bevölkern und Ruinen wieder aufzubauen überlasse. So gar die Freiheit, auf welche diese Staaten mit Ausschluss aller andern Anspruch machten, finde kaum in den despotischen Reichen Asiens weniger Platz; weil entweder das Volk sich demütiglich gefallen lassen müsse, was die edlen und Reichen, ihrem besonderen Interesse gemäss, schlössen und handelten; oder wenn das Volk selbst den Gesetzgeber und Richter mache, kein ehrlicher Mann sicher sei, dass er nicht morgen das Opfer derjenigen sein werde, denen seine Verdienste im Wege stehen, oder die durch sein Ansehen und Vermögen reicher und grösser zu werden hoffeten. In keinem andern Staat sei es weniger erlaubt von seinen Fähigkeiten Gebrauch zu machen, selbst zu denken, und über wichtige Gegenstände dasjenige was man für gemeinnützlich halte, ohne Gefahr, bekannt werden zu lassen; alle Vorschläge zu Verbesserungen würden unter dem verhassten Namen der Neuerungen verworfen, und zögen ihren Urhebern geheime oder öffentliche Verfolgungen zu. Selbst die Grundpfeiler der menschlichen Glückseligkeit, und dasjenige, was den gesitteten Menschen eigentlich von dem Wilden und Barbaren unterscheide, Wahrheit, Tugend, Wissenschaften, und die liebenswürdigen Künste der Musen, seien in diesen Staaten verdächtig oder gar verhasst; würden durch tausend im Finstern schleichende Mittel entkräftet, an ihrem Fortgang verhindert, oder doch gewiss weder aufgemuntert noch belohnt; und allein zu Unterstützung der herrschenden Vorurteile und Missbräuche verurteilt – – Doch genug! – – wir haben zu viel Ursache günstiger von freien Staaten zu denken – – wenn es auch nur darum wäre, weil wir die Ehre haben unter einer Nation zu leben, deren Verfassung selbst republicanisch ist, und in der Tat die wunderbarste Art von Republik vorstellt, welche jemals auf dem Erdhoden gesehen worden ist – – als dass wir diesen Auszug einer für den Ruhm der Freistaaten so nachteiligen Rede ohne Widerwillen sollten fortsetzen können. Es geschah aus diesem nämlichen grund, dass wir, anstatt den Discurs des Agaton seinem ganzen Umfange nach aus unsrer Urkunde abzuschreiben, uns begnügt haben, einige Züge davon, als eine wiewohl sehr unvollkommene probe des Ganzen anzuführen. Ferne soll es allezeit von uns sein, irgend einem Erdenbewohner die Stellung worin er sich befindet, unangenehmer zu machen, als sie ihm bereits sein mag; oder Anlass zu geben, dass die Gebrechen einiger längst zerstörten Griechischen Republiken, aus denen Agaton seine Gemälde hernahm, zur Verunglimpfung derjenigen missbraucht werden könnten, welche in neuern zeiten als ehrwürdige Freistätte und Zufluchts-Plätze der Tugend, der gesunden Denkungs-Art, der öffentlichen Glückseligkeit und einer politischen Gleichheit, welche sich der natürlichen möglichst nähert, angesehen werden können. unsrer übrigens ganz unmassgeblichen Meinung nach, gehört die Frage, über welche hier disputiert wurde, unter die wichtigen fragen – – ob Scaramuz, ob Scapin besser tanze – – und so viele andre von diesem Schlage, (wenn sie gleich ein ernstafteres Ansehen haben) worüber bis auf unsre Tage so viel Zeit und Mühe – von Gänsespulen, Papier und Dinte nichts zu sagen – – verloren worden, ohne dass sich absehen liesse, wie, worin oder um wieviel die Welt jemals durch ihre Auflösung sollte gebessert werden können. Wir könnten diese unsre Meinung rechtfertigen; aber es ist unnötig; ein jeder hat die Freiheit anders zu meinen wenn er will, ohne dass wir ihn zur Rechenschaft ziehen werden; hanc veniam petimus, damusque vicissim; denn in der Tat, ein Buch würde niemalen zu Ende kommen, wenn der Autor schuldig wäre, alles zu beweisen, und sich über alles zu rechtfertigen. Wir übergehen also auch, aus einem andern grund, den wir den Liebhabern der Rätsel und Logogryphen zu erraten geben, die Lobrede, welche Agaton der monarchischen staates-Verfassung hielt. Die Beherrscher der Welt scheinen (mit Recht, würde Philistus sagen, denn ich machte es an ihrem Platz auch so) ordentlicher Weise sehr gleichgültig über die Meinung zu sein, welche man von ihrer Regierungs-Art hat – – Es gibt Fälle, wir gestehen es, wo dieses eine Ausnahme leidet – – aber diese Fälle begegnen selten, wenn man die Vorsichtigkeit gebraucht, hundert und fünfzigtausend wohlbewaffnete Leute bereit zu halten, mit deren Beistand man sehr wahrscheinlich hoffen kann, sich über die Meinung aller friedsamen Leute in der ganzen Welt hinwegsetzen zu können. Sind nicht eben diese hundert und fünfzigtausend – – oder wenn ihrer auch