highChunks/1850_Gutzkow_030_5219.txt -- topic 10 topicPct 0.146666660905
welchen sie nicht liebt, und dann ist Das der Anfang ihres Unglücks gewesen. Kann ich den Baron von Dystra lieben, der schon zu alt und ..."
Nicht gestockt!
"zu ..."
Vorwärts!
"zu hässlich ist? Wie er angekommen, hab' ich einen Schrei ausgestossen ..."
En deed! Das ist beleidigend! rief Dystra mit unerschütterlichem Humor. Wissen Sie wohl, Mademoiselle, dass ich stark vermute, Sie haben sich nur vor dem Mohren gefürchtet, der mich anmeldete?
Ganz Recht, sagte Rudhard, dem diese kindliche Protestation doch zuletzt ein Lächeln abnötigte, sie gesteht dies selbst ein. "Ein Mann will mich lieben, der sich mit Mohren, Affen und Hunden umgibt, weil er glaubt, dass ich eine Närrin bin, so dumm, wie Feodorowna Lapuschin in Odessa, die den Titularrat Kryloff heiratete, weil er ihr von Petersburg die ganze Krongarde, alle Offiziere und den Kaiser selbst, in bleiernen Figuren schenkte! Ich werde mich niemals so unglücklich machen lassen wie die Tante, die, weil sie lieben muss, jetzt das Schicksal hat, von einem Manne nach dem andern betrogen zu werden –"
Dystra bat hier Rudhard innezuhalten; er fürchtete vor Lachen zu ersticken. Diese Feodorowna Lapuschin, die den Titularrat Kryloff heiratete, weil er ihr das Petersburger Offiziercorps in Bleifiguren schenkte – diese Helene d'Azimont, die sich deshalb von allen Männern betrogen sieht, weil sie lieben "müsse" – nein, sagte Dystra, das ist naive Tollheit oder tolle Naivetät! Ich liebe Olga! Ich muss diese Unterhaltung für den ganzen Rest meines Lebens besitzen. Ich werde keinen Arzt mehr nötig haben. Die Komik meiner Frau wird mir das Leben versüssen. Wer will mir ein Mädchen streitig machen, das ich in Gold fasse und der ich alle Launen bewillige, alle, selbst wenn sie mich ruiniren!
Rudhard fuhr bekümmert fort:
"Ich will den Mann, den ich liebe, nicht anders als ewig lieben. Denn Liebe ist das süsseste und herrlichste Gefühl auf Erden. Sie ist für unser Herz Das, was die Sonne für die Erde. Nur wo die Sonne ihre Strahlen entsendet ..."
Lance ses rayons ... übersetzte Dystra, um die Reminiscenz anzudeuten ...
"Nur da spriessen Blumen auf, und unsre Gefühle sind Blumen."
Doch hübsch, Rudhard! Ich finde die Stelle besser, auch wenn es Plagiate sind.
"Ich bitte dich, Papa Rudhard, sage Das auch meiner Mutter, die mich nie geliebt hat und ein Herz besitzt, so kalt wie das Eis in Sibirien."
Sie hat's immer mit den Bildern! Dies ist weniger gut gewählt. Es ist in Grönland kälter.
"Ich bin ein unglückliches Kind, weil ich meine Mutter nicht kann so lieben, wie es die Pflicht eines Kindes ist. Sie hat schon gegen die Tante gehabt ein kaltes Herz. Niemals hat sie die Tante verteidigt und doch war Helene unglücklich, als sie Desiré mit sich fort von Odessa nahm. Sie muss noch jetzt die Tränen auf ihren Wangen brennen fühlen, so zärtlich war der Abschied der Tante von der Mutter, aber die Mutter kann nicht lieben. Sie hat wenig geweint, als der Vater starb."
O, Das ist entsetzlich! Das ist abscheulich! rief Dystra jetzt ernst ...
"Der Vater war ein Engel. Wir Kinder haben den Vater mehr geliebt, als Menschen dürfen, die da wissen, dass es einen Gott gibt."
Phrase! Abscheuliche Phrase! rief Dystra, vor liebevoller Erinnerung an seinen Freund, den Fürsten Alexei, fast zornig ...
"Ich liebe meinen Vater, auch wenn dieser Vater mein Unglück wollte, dass ich die Gattin eines Menschen werden soll, den ich nicht kenne. Er meinte es gut für mich. Er glaubte, dass wir darben würden. Dieser Otto von Dystra ist sehr reich. Und ha! wie eitel! Seine Mohren sollten uns gleich sagen, dass er aus dem Lande käme, wo das Gold wächst."
Die Stelle ist dumm. Abscheuliche Schwätzerin du! Oder richtiger gesagt, sie beweist, dass sie mich doch noch lieben lernen wird. Die Liebe der Frauen fängt immer damit an, es für Eitelkeit auszulegen, wenn die Männer verlangen, dass sie von ihnen erhört werden. Nur wo man künftig doch lieben wird, macht man die Frais eines solchen höhnischen Ha! Sie denkt doch schon an die künftige Livree ihrer Dienerschaft.
"Er gedachte uns reich zu machen, weil wir arm sind und er nicht wusste, wie gut Tante Helene sein kann, die mir gesagt hat, dass Alles, was sie besitzt, einst mein Eigentum sein würde, wenn sie in ein Kloster ginge –"
Da läutet's schon! Das Kloster ist da! Waldkapelle, stiller Murmelbach! Büssende Magdalena ... Todtenkopf und vielleicht doch noch ... selbst im Kloster eine Strickleiter! Verdammte kleine Hexe Capulet!
"Den guten Vater lieb' ich, weil er dachte: So mach' ich die Meinigen, die ich so jung verliess, glücklich! Er liebte seinen Jugendfreund und beurteilte ihn nach seinem Herzen."
Darüber sagt sie also kein Wort, dass ich ein Tor bin und aus reiner Gutmütigkeit dem kränkelnden Freunde verspreche, mein fahrendes, abenteuerliches Leben aufzugeben, mein Vermögen in Ruhe zu geniessen und es, meinen Verwandten