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ja!"
"Ich sterbe, Bianca!"
"Vor Liebe? Behüte Gott! Man sagt ja immer, die Liebe belebe, das Auge der Geliebten sei die Sonne, in deren Licht der Liebende die Seligkeiten und Wonnen des ewigen Lebens empfinde! Nun, ich dächte, dieses Auge wäre Ihnen doch jetzt nahe genug? Oder muss ich Sie mit meinen Blicken versengen?"
"Könnt' ich sterben in Deinen Armen, Grausame!" stammelte der Graf, die erfasste Locke des schönen Mädchens immer fester um seine Finger schlingend. "Jahrtausende des verheissenen jenseitigen Lebens wollte ich dafür opfern!"
"Pfui, gnädigster Herr, wer wird einem sterblichen Geschöpfe zu Liebe solche Lästerungen ausstossen! Aber bitte, entlassen Sie die arme Gefangene, die mich noch zwingen wird, mein Gesicht mit dem Ihrigen in Verbindung zu bringen! Sie tun mir wahrhaftig weh, Herr Graf!"
"Sprich, dass Du mich lieben willst, Bianca! Versprich, meine Geliebte, mein Weib zu werden! Alles was ich besitze, soll Dein sein! ... Nur verstosse, verschmähe mich nicht!"
Und Adrian presste seinen Mund wie ein Rasender auf den klopfenden Busen Biancas.
Satanischer Freudenglanz strahlte in diesem Moment aus den Augen der schönen Sünderin. Secundenlang liess sie den vor Liebe und Wollust zitternden Grafen in ihren Reizen schwelgen, dann entriss sie ihm die festgehaltene Locke und sprang, ihn von sich stossend, zurück. Adrian wollte ihr folgen.
"Keinen Schritt, mein Herr, oder ich muss nach Hilfe rufen!" sagte Bianca mit einer Stimme, die vor Entrüstung zitterte und von Tränen des Zorns gedämpft ward. "Es ist abscheulich, ein schwaches Mädchen auf so hinterlistige Weise festzuhalten und mit Küssen fast zu ersticken. – Ich werde Ihnen nicht mehr Gesellschaft leisten, bis Sie sich gebessert und mir durch einen Schwur gelobt haben, nie wieder meine Freundschaft so unwürdig zu missbrauchen. Schlafen Sie wohl, gnädigster Herr, und verzeihen Sie Ihrer armen Dienerin, dass Sie Worte an Sie richten muss, die ihrer Stellung nicht zukommen! Allein Notwehr kennt keine Grenzen! Gute Nacht!"
Dies "gute Nacht!" klang bereits wieder so verlokkend, so sanft und süss, dass Adrian bei diesem Sirenentone wütend aufsprang und die zürnende Schöne um Vergebung flehend abermals in seine Arme schliessen wollte. Allein Bianca war schon hinter der Tür verschwunden und das Vorschieben des Riegels verhinderte wenigstens im Augenblick jede Verfolgung.
Adrian war sehr unzufrieden mit sich. Er beehrte sich mit allen möglichen Ehrennamen, die ihm einfielen, und ging dabei aufgeregt im Zimmer auf und nieder. Sein Blut kochte, seine Adern hämmerten, die Aufreizung seiner Nerven hatte den höchsten Grad erreicht.
"Dies Mädchen ist ein Dämon, eine Zauberin, die mir atomweise Herz und Seele zerpflückt! Und ich liebe sie! ... Ich liebe sie wie ein Wahnsinniger! – Wenn ich sie gehen, sie sprechen höre, stockt mein Blut in den Adern; wenn ich sie sehe, habe ich keinen andern Gedanken, als nur sie, nur ihren Besitz! ... Wenn sie lächelt, wie unendlich liebreizend ist sie dann! Wenn sie spricht, wie scherzen alle Grazien um die Liebliche, Anbetungswürdige! – O es ist seliger Genuss, um sie zu sein, aber auch Höllenqual, in ihrem Blick sich sonnen und diese Wunderaugen nicht küssen zu dürfen! – – Nicht lieben können. – Welch Mädchen von ihrem Alter, mit solchem Körper begabt, fühlte nicht die Regungen der Liebe in der Nähe eines Mannes, der sie anbetet! – Aber gewiss, Bianca liebt mich, muss mich lieben, nur mag sie es mir nicht gestehen! – Sie ist klug und will sich gesichert sehen, ehe sie meine Leidenschaft erwiedert! Sie wird an Magnus und Herta denken – und den Sohn gleicher Handlungen für fähig halten! ... O Gott, o Gott! ... Aber das ist vorüber, längst vorüber! Hinunter, feuchter Schatten, in Dein Grab! Bianca lebt, ich liebe Bianca und sie muss mein sein, und sollte ich ein Verbrechen begehen."
Mit fest an die Stirn gedrückten Fäusten blieb Adrian mitten im Zimmer stehen, so dass der Spiegel seine ganze Gestalt zurückwarf. Sein Blick erfasste das Spiegelbild und er schrak zusammen.
"Ha, bin ich bleich und verfallen!" sagte er niedergeschlagen. "Ich werde von Tage zu Tage elender, ich fühl' es, aber ich kann s i e nicht aus den Gedanken bringen! ... Wenn nur die Nächte nicht wären – diese qualvollen, endlosen Nächte! ... Oder wenn nur i h r holdes Bild mich umschwebte und mir nur einmal des Nachts die schmachtende Lippe mit dem Hauche ihres Göttermundes kühlte! ... Aber jenes Schattenbild, jenes elende Geschöpf, das ich verachte, es verdrängt immer dies Kind des Himmels und erstickt mich mit seinen kalten Umarmungen!"
Vom See herüber erklang jetzt ein lautes schrilles Pfeifen, dem ein matteres, dem Echo ähnliches, antwortete. Adrian in seine Gedanken vertieft achtete nicht darauf.
"Ich muss sie zu versöhnen suchen," fuhr er fort, "denn ich fürchte, dass ich sie wirklich beleidigt habe. – Sie ist gut, ein unschuldiges, liebes Kind – sie wird mir vergeben und mir gewiss wieder Gesellschaft leisten! ... Ich aber will mich mässigen, alle meine Gefühle verbergen und mich erst ihrer