highChunks/1844_Arnim_004_9765.txt -- topic 49 topicPct 0.239884391427
in Angst. Ich weiss mir nicht zu raten und zu helfen, wenn Dir es nicht wohl wird. –
Heut hab ich ein Liedchen an Arnim gemacht und eine schöne Melodie dazu, ich weiss noch nicht, wo er jetzt wohnt, drum schicke ich es Dir allein, da er noch wohl in Deinem Herzen wohnt. Mädchen! Wenn Du meine Freunde so lieben kannst, warum wehrst Du Dich so gegen meine Freundin? –
Wunderlich ist's, dass alle Leute, welche die Mereau kennen, sich ebenso wunderlich gegen unsere Verbindung wehren; wie Ihr auf sie zürnt, so zürnen sie auf mich. Ja, zieht und zerrt nur, wir lieben uns, und Ihr müsst Euch einst noch freuen daran!
Dies Liedchen ist das beste, was ich gemacht habe, mir ist es recht wie dem Jäger!
Der Jäger an den Hirten!
Durch den Wald mit raschen Schritten
Trage ich die Laute hin,
Freude singt, was Leid gelitten,
Schweres Herz hat leichten Sinn!
Durch die Büsche muss ich dringen
Nieder zu dem Felsenborn,
Und es schlingen sich mit Klingen
In die Saiten Ros' und Dorn.
In der Wildnis wild Gewässer
Breche ich mir kühne Bahn,
Klimm ich aufwärts in die Schlösser,
Schaun sie mich befreundet an.
Weil ich alles Leben ehre,
Scheuen mich die Geister nicht,
Und ich spring durch ihre Chöre
Wie ein irrend Zauberlicht.
Haus' ich nächtlich in Kapellen,
Stört sich kein Gespenst an mir,
Weil sich Wandrer gern gesellen,
Denn auch ich bin nicht von hier.
Geister reichen mir den Becher,
Reichen mir die kalte Hand,
Denn ich bin ein guter Zecher,
Scheue nicht den glühen Rand.
Die Sirene in den Wogen
Hätt sie mich im Wasserschloss,
Gäbe, den sie hingezogen,
Gern den Fischer wieder los.
Aber ich muss fort nach Tule,
Suchen auf des Meeres Grund
Einen Becher, meine Buhle
Trinkt sich nur aus ihm gesund.
Wo die Schätze sind begraben,
Weiss ich längst, Geduld! Geduld!
Alle Schätze werd ich haben,
Zu bezahlen meine Schuld.
Während ich dies Lied gesungen,
Nahet sich des Waldes Rand,
Aus des Laubes Dämmerungen
Trete ich ins offne Land.
Aus den Eichen zu den Myrten,
Aus der Laube in das Zelt
Hat der Jäger sich dem Hirten,
Flöte sich dem Horn gesellt.
Dass du leicht die Lämmer hütest,
Zähme ich des Wolfes Wut,
Weil du fromm die Hände bietest,
Werd ich deines Herdes Glut.
Und willst du die Arme schlingen
Um ein Liebchen zwei und zwei,
Will ich dir den Baum bald zwingen,
Dass er eine Laube sei.
Du kannst Kränze schlingen, singen,
Schnitzen, spitzen Pfeile süss,
Ich kann ringen, klingen, schwingen
Schlank und blank den Jägerspiess.
Gib die Pfeile, nimm den Bogen,
Ich bin Ernst, und Du bist Scherz,
Hab die Sehne ich gezogen,
Du gezielt – so trifft's ins Herz.
Schreib, mein Kind, sei ruhig, Heiopopeio, in drei Wochen küssen wir uns.
Clemens
Weimar, 23. Juli 1803
Liebe Bettine!
Gestern abend war ich bei Sophien, sie war ungewöhnlich schwermütig, auch ich war nicht vergnügt, der Gedanke an Deine zärtliche Angst um mich versetzt uns beide oft in solche Trauer; wenn ich ihr dann erzähle, wie ich Dich über alles liebe, wie ich Dich so vortrefflich halte, so wächst ihre Sehnsucht nach Dir unendlich und mit dieser ihr Mut. In dieser Idee Deiner Liebe gewiss würdig zu sein, Dir nah zu sein, Deine geliebte Freundin zu werden, von Dir vieles zu erlangen, was sie bis jetzt umsonst auf Erden gesucht hat, ergriff sie eine innerliche himmlische Heiterkeit, sie ward ruhig, und ihr Anblick gab mir eine eigne Seligkeit. Heute morgen schickte sie mir beiliegenden Brief an Dich, den sie noch spät in der Nacht in jener hoffnungsvollen liebenden Begeisterung geschrieben hat; ich zweifle nicht, Du vortreffliches, geliebtes Herz, dass Du die Seele dieses Briefes ehren wirst, dass Du ihr aufrichtig, ohne Delikatesse, ohne alle Resignation antworten wirst; Wahrheit sage auch ihr, sage alles, was Du empfindest, sie kann alles ertragen um meinetwillen, und sei recht ruhig und zufrieden; wenn Du sie kennen wirst und sie keineswegs lieben kannst, so wird sie nie mein Weib. Ich muss noch an Savigny schreiben; drum lebe wohl; ich bitte Dich herzlich, schreibe mir öfter, aber ums Himmelswillen lauter Wahrheit! – mein, Dein, Sophiens Glück hängt davon ab. Heute hat Tieck meine Büste für Dich angefangen.
Clemens
An Clemens
Was uns nah ist, lieben wir innig im Leben, was uns näher ist, können wir nicht genug lieben! Wer liebend auf seinem Weg weiter geht bis ans Ende, der hat die Wallfahrt nach seiner Heimat recht als ein Kind mit aller Andacht vollendet und kommt auch als Kind an das End seines Lebens! – Wie weise, wie ernst müssen diese Kinder nicht sein! Wie gross, wie herrlich, und doch sieht ihnen ihre Grösse niemand an. Sie treten lächelnd in den Kreis, und wenn sie scheiden, treten sie lächelnd wieder ab, dies ist Sonnenschein im Leben, Ihr aber seid gerührt über die lächelnde Einfalt und schauert über das geheime Geistige darin; das sind kühle Wolken, erquickender Regenschauer im Leben. – Der lächelnde Mund kömmt näher, er küsst Euch die Tränen von den Wangen, dies ist Regen und