highChunks/1844_Arnim_004_9760.txt -- topic 7 topicPct 0.372759848833

zu grüssen, wenn ich noch schlief, die wird nach mir suchen, und der Lavendel, der jetzt blüht, wer wird ihn abschneiden? Es wird alles verkehrt gehen dort, ich will hin auf acht Tage nur. Ich hab mit Bäumen und Sträuchern zu reden, hören sie meine Rede zu ihnen nicht mehr, so werden all sie meine Sprache wieder vergessen. – Oft am Fenster früh, wenn der kühle Wind von Osten her den Tag ankündigte, sah ich den Mond noch am Himmel mit dem Morgenstern sich unterhalten. Alles ist Mitteilung in der Natur, alles hat Flammenzungen, selbst der kalte Quell, in dem Du Dein Antlitz badest! Denn: ist Kälte nicht auch Feuer? – Ob der Schnee nicht die glühende Asche ist, die vom Himmel herabfällt, Du kannst's nicht wissen! – Gleich drauf, als er die Asche abgelagert hat, entzündet sich die blühende Erde, die düftereiche, – alles wird Flamme, der Vogel, der im Busch hüpft, ist ein spielend Flämmchen, und so alles Leben ist Flamme des erschaffenden Geistes! – Wer ist aber dieser? – Ich bin, die es zu denken vermag und im Gedanken den Glauben verbirgt wie den Keim im Busen der Erde. Der Glaube ist die Kunst, die Macht und die Kraft des Schöpfungswerkes! – Sie wird stille stehen, die Welterzeugung, die Schöpfung – wenn wir sagen, weiter gibt es nichts, als was wir durch die bedingende Grenze unsers Wissens erlauben, dass es sei. – Ja wohl auch – weiter gibt's nichts! Ich erlaub aber alles, was ich zu denken vermag, dass es gleich sein darf. Wie soll ich das Schöpfungswort: Es werde, mir anders auslegen? – Ich glaub daran, dass wir einander begreifen sollen, wir geschaffne Wesen – dass im Begreifen das Erschaffne liege, dass im Erschaffen die Unsterblichkeit ihren unendlichen Keim heraufträgt zum Licht! – Licht! – Licht! – Was ist das? – ist's das, was wir mit dem dunklen Blick unseres Auges auffangen? – Was uns den Vorhang wegzieht, der Nacht und Flur und Wälder zeigt im Schmuck der Farben? – Ja, das ist's, aber wo ist sein Ende? – Es erleuchtet die Unendlichkeit in die Ewigkeit hinein. O, was ist in der Ewigkeit möglich? – Die offne Pforte, aus der die Schöpfungskraft niederwallt, ein voller unversiegbarer Strom! – Das Lichtelement, – der alles umfangende Schoss dessen, was der Geist begreift. – Dies Begreifen ist ein Lichtschöpfen; das ist der Gedanke. Denken ist, einen Leib annehmen, das ist Wirklichwerden! – Wer aber dies Wirklichwerden erzeugt, der ist eine erschaffende Kraft! Diese Kraft ist die Unsterblichkeit im Menschen, wer sie übt, der kann nicht vergehen, was aber nicht in ihr liegt, das ist Asche, die niederfällt, wie der Schnee niederfällt von der Himmelsfeste. Diese Geistesasche liegt schützend über dem nachkommenden Weltenfrühling, er wird durchdringen mit seinen tausend und aber unzählbaren Flammengeschlechtern, die alle zur Unsterblichkeit sich aufschwingen, die alle Tatkraft werden der Erschaffung! Ja, das ist die Werkstätte des Gottes, sie heisst Weltengeist, in ihr wirkt die Menschheit das Unendliche, nur um selbst unendlich zu sein! – Und ich bedenke dies und frage mich, was für ein Werk in der Schöpfung soll ich doch vornehmen? – Damit ich meine Unsterblichkeit feste und sie durch die Ewigkeit strahle, denn alles Tun ist nur Selbsterhaltung, und was ich nicht belebe mit meinem Geist, in dem bin ich gestorben, aber den Tod soll ich bezwingen, das ist die Aufgabe der Unsterblichkeit. Wie tief fühle ich's, dass es so ist und sein muss! – Und ich getraue mir, in meinem Geiste diese Schöpfung fortzuführen in dem, was mir am nächsten liegt, was mich anspricht um Erlösung! – Es sind die Blumen, die wollen von mir begriffen sein, allerdings um ihrer selbst willen! – Sie sind verstanden in allen Winken, die sie uns geben, so sind sie in eine neue Sphäre geboren, und auch sie sind unsterblich durch den Begriff, der sie immer weiter erzeugt! – so ist's gewiss, dass sie eine Sprache führen, die ganz mit unsern Empfindungen verwandt ist, sie reden also mit uns! – Nun? – Haben wir denn keine Antwort? – Keine Mitteilung ihnen zu machen? – Ach nein! Eine Blume ist ja nur ein Fragzeichen der Natur; – die ganze Natur ist Sprache, die Blume ist ein Wort, ein Ausdruck, ein Seufzer ihrer vollen Brust! – Ja die Blume spricht auch für sich zu Dir, aber die ganze Natur bedarf ihrer, um sich selbst auszusprechen, und alles Sein ist ihre Sprache, so redet die Natur mit dem Geist! Und diese liebende Unterhaltung ist die Nahrung des Geistes, daraus schöpft er seine Unsterblichkeit, dass er sie begreifen lernt und durch den Begriff sie eben forterzeugt. Also ein Erzeugender kann nicht sterben, denn in ihm würde die Unsterblichkeit untergehen! – O lache mich nicht aus mit meinen Reden, es ist nichts, es ist Kopfweh, unendliche Müdigkeit; schlafen verlangt's in mir! An die Mereau soll ich schreiben? – Was denn? – Ich kenne sie nicht, sage mir, was sie ist, so will ich einen Stein in den Brunnen werfen, ob sie versteht, was der