highChunks/1843_Lewald_138_18535.txt -- topic 10 topicPct 0.240418121219

sehr teuer war – aber ich hatte Dir versprochen, dagegen zu kämpfen, und das habe ich redlich getan. Trotz Deiner Liebe, trotz meines festen Willens, ist diese Leidenschaft nicht erstorben, sie ist neu erwacht, als ich den Gegenstand derselben, den ich kaum zu nennen brauche, wieder gesehen habe. Vielmals hat das bekennende Wort auf meinen Lippen geschwebt, ich habe Dich um Schutz gegen mich anflehen wollen; aber Dein ausdrückliches Verbot, Dein Widerwillen gegen solches Vertrauen hat mich zurückgehalten, und mehr noch, dass ich Dich, den ich von Grund der Seele ehre und achte, nicht betrüben wollte. Deine Zufriedenheit, Dein Glück waren der Zweck meines Lebens geworden, und ich mochte Dir nicht Schmerz bereiten, weil ich hoffte, allein den Sieg zu gewinnen. Seit acht Tagen ist Talberg zurückgekehrt und hat täglich versucht, mich zu sprechen, was ich ihm nur verweigerte, weil ich es musste. Gestern ist er unerwartet zu mir gekommen; ich habe das Geständniss seiner Liebe gehört, ich habe ihm gesagt, dass ich ihn liebe, und ich bekenne Dir das offen, weil ich mich frei vor Gott und vor Dir fühle. Dass ich nicht willig dieser Leidenschaft gefröhnt, dass ich mit aller Gewalt mich zu befreien gestrebt, dafür bürgt Dir Deine Kenntniss meines Herzens, meine Achtung vor unsrer Ehe und meine gebrochene Gesundheit. Du hast ein Recht die Wankelmütige von Dir zu weisen, mir Deine Liebe zu entziehen, aber Du musst mir Deine Achtung erhalten; denn jetzt habe ich entsagt und für immer. Halte das nicht für leere Worte, welche Dich bestechen sollen; erst jetzt bin ich ganz frei, erst jetzt bin ich mit reinem Bewusstsein Dein, während am Tage unsrer Hochzeit das Andenken an Talberg störend zwischen Dir und mir stand. Ich fühle mich unzertrennlich an Dich gebunden und würde mich noch als zu Dir gehörig betrachten, wenn Dein gekränkter Stolz mich verstiesse. Dein Herz kann es nicht. Du kannst mich Das nicht wie ein Verbrechen büssen lassen, was ich gegen meinen Willen empfand; Du kannst mir Dein Vertrauen nicht entziehen, weil ich mich dessen nicht unwürdig fühle. Und nun, mein Freund! mein guter, milder Freund! kennst und weisst Du Alles; gewähre mir Mitleid mit meiner Schwäche und erhalte mir, wenn Du es vermagst, Deine Liebe. Ich sage Dir nicht Alles, was ich für Dich fühle, nur als Bittende wende ich mich an Dich, und ich wünsche und hoffe, Du werdest Deinem Weibe kein strengerer Richter werden, als Du es sonst dem Menschenherzen zu sein pflegtest. Eine schwere Krankheit hat lange in mir gelegen, die Krisis ist vorüber, und ich werde genesen, ich fühle es. Du, der mit der Kranken so viel Nachsicht gehabt, Du wirst die Genesende nicht verlassen, die gesund werden will und wird, um für Dich zu leben. Vergib mir und sage mir bald, dass ich Dir noch wert sei, dass Du meine Stütze und mein Freund bleiben willst. Schreibe mir bald, ich verlange sehr nach diesem Briefe, und vergib mir, was ich, wissentlich oder nicht, Unrecht an Dir tat. Vergib es mir, weil ich mir selbst vergeben möchte, und lass mich Deine Clementine bleiben. Auch diesen Brief wollte sie sofort befördern, doch fand es sich, dass die Post nach J.... erst am folgenden Tage abgehe und dass er also noch liegen bleiben müsse. Dadurch gewann sie Zeit, an den Eindruck zu denken, den ihr Schreiben auf Meining hervorbringen würde, auf ihn, der vollkommen arglos an sie und ihre Liebe glaubte. Wie würde es ihn betrüben, wie unglücklich würde es ihn machen! Sie hatte ihm ihr Herz entüllt, um sich selbst genug zu tun; jetzt empfand sie, dass in dieser Handlung weit mehr Selbstsucht als Tugend läge. Um sich zu beruhigen, um ihr Gewissen zu besänftigen, raubte sie Meining, von dessen Vergebung sie überzeugt sein konnte, die sie mit Recht zu verdienen glaubte, seine Ruhe. Was konnte die Folge von diesem Briefe sein? Sie nahm ihrem Gatten seine Zuversicht, sie zwang ihn zu einem Argwohn, der ihn selber demütigen musste, und stellte sich ihm als ein Opfer, als ein Muster von Entsagung gegenüber, nachdem sie eben nur ihre Pflicht getan hatte. Und sie war bereits mit sich darüber einig, schweigend, wie sie gegen ihren Mann gefehlt, auch zu ihm zurückzukehren. In dem Augenblick brachte man ihr noch einen Brief von dem Geliebten. So sei es! weil Du es willst! hiess es in demselben. Ich scheide von Dir, weil Du's gebietest. Du hast Recht, jetzt ist's zu spät. Ich habe unser Glück einst freventlich vernichtet und vermag nicht mehr, es uns auf's Neue zu bereiten, obgleich ich Dich mehr liebe, stärker, heisser als je. Wie sehr liebe ich Dich! – Und muss ich erst nun, da die schwere Stunde solcher Trennung vor uns steht, es erkennen, dass Du noch viel reiner und grösser bist, als ich selbst in den begeistertsten Augenblicken es für möglich hielt? Warum, schöner Stern, stiegst Du noch einmal in aller Pracht Deines Glanzes an meinem Lebenshorizont empor, wenn Du mir untergehen musst für immer? Doch nein! Du bleibst! Du bleibst das klare Licht, auf das mein Auge blickt, das seine leuchtenden Strahlen in meine Seele wirft,