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, die Pflanze ist der Geist der Erde, der aufsteigt zum Licht, zur Luft. Der Geist der Erde will sich dem Licht vermählen, das Licht entwickelt die Zukunft.
Alles echte Erzeugnis ist Auffahren zum Himmel, ist Unsterblichwerden.
Und die Schönheit dieses Mannes leuchtete mir da in der letzten Stunde auf dem Turm so recht hell auf, denn das Bild mit den Rosen, es war, als hätt es mein Genius bestellt, dass ich's recht fassen solle, wie Du die Tempelhalle geweiht achtest, von der Du weisst, dass inner ihren Mauern die Opferflamme lodert, der Tempel ist nur dann heilig, wenn er den Menschen, den eignen Leib darstellt, – und des Gottes Lehre den eignen Geist. – Das hat er einmal gesagt zu mir.
Und eben sah ich noch die Studenten ins Kolleg gehen, und sie waren recht verwundert, dass der Rosenstock nicht mehr da war. Ich sah's ihnen an, es war ihnen leid, sie hatten nun schon acht Tage hintereinander die Rosen gezählt. – Wartet nur, ihr werdet ihn bald ausfindig machen, und dann werden die Artigsten unter euch meine Rosen in der Weste tragen dürfen.
Bettine
Anhang
Der Franke in Ägypten
Wie der Unmut mir den Busen drücket,
Wie das Glück mich hämisch lächelnd flieht.
Ist denn nichts, was meine Seele stillet?
Nichts, was dieses Lebens bange Leere füllet? –
Dieses Sehnen, wähnt ich, sucht die Vorwelt,
Die Heroenzeit ersehnt mein kranker Geist,
An vergangner Grösse will dies Herz sich heben,
Und so eilt ich deinem Strande zu,
Du der Vorwelt heiligste Ruine,
Fabelhaftes Land, Ägypten du!
Ha! Da wähnt ich aller Lasten mich entladen,
Als der Heimat Grenze ich enteilet war.
Träumend wallt ich mit der Vorzeit Schatten,
Doch bald fühlt ich, dass ich unter Toten sei,
Neu bewegte sich in mir das Leben,
Antwort konnte mir das Grab nicht geben. –
Ins Gewühl der Schlachten
Warf ich durstig mich,
Aber Ruhm und Schlachten
Liessen traurig mich:
Der Lorbeer, der die Stirne schmückt,
Er ist's nicht immer, der beglückt.
Da reichte mir die Wissenschaft die Hand,
Und folgsam ging ich nun an ihrer Seite,
Ich stieg hinab in Pyramidennacht,
Ich mass des Möris See, des alten Memphis Grösse;
Und all die Herrlichkeit, die sonst mein Herz
geschwellt,
Sie reicht dem Durstigen nur der Erkenntnis
Becher.
Ich dachte, forschte nur, vergass, dass ich
empfand. –
Doch ach! Die alte Sehnsucht ist erwacht,
Aufs neue fühl ich suchend ihre Macht,
Was geb ich ihr? Wohin soll ich mich stürzen?
Was wird des Lebens lange Öde würzen?
Ha! Sieh, ein Mädchen! Wie voll Anmut,
Wie lieblich, gut erscheint sie mir!
Soll ich dem Zuge widerstehn?
Doch nein! Ich rede kühn zu ihr.
Ist dies der Weg der Pyramiden?
O, schönes Mädchen! sag es mir!
Mädchen
Du bist nicht auf dem Weg der Pyramiden,
O Fremdling! Doch ich zeig ihn dir.
Franke
Brennend sengt die heisse Mittagssonne,
Jede Blume neigt das schöne Haupt,
Aber du der Blumen Schönste hebest,
Jung, und frisch, das braungelockte Haupt.
Mädchen
Willst du in des Vaters Hütte dich erkühlen?
Komm, es nimmt der Greis dich gerne auf.
Franke
Welchen Namen trägst du, schönes Mädchen?
Und dein Vater, sprich, wo wohnet der?
Mädchen
Lastrata heiss ich; und mein guter Vater
Er wohnt mit mir im kleinen Palmental,
Doch nicht des Tales angenehme Kühle,
Nicht Bäche Murmeln, nicht der Sonne Kreisen
Erfreuet meinen guten Vater mehr.
Franke
Wie! Freut den Vater nicht des Stromes Quellen,
Der Palmen lindes Frühlingssäuseln nicht?
Ich fass' es; doch, wie es ein Gram mag geben,
Der deiner Tröstung möchte widerstreben,
Das nur, Lastrata, fass' ich nicht.
Mädchen
Italien ist das Vaterland des Greisen,
Und vieles Unglück bracht ihn nur hierher.
Mit sehnsuchtsvollem Blick schaut er am
Mittelmeere
Hinüber in das vielgeliebte Land.
Und seufzend sehn auch ich hinüber
Nach jenen blütenreichen Küsten mich.
Erkranket ruht mein Geist auf jener blauen Ferne,
Und schöne Träume tragen mich dahin.
Sag, wogt nicht schöner dort der Strom des
Lebens?
Sehnt dort die kranke Brust auch sich vergebens?
Franke
Mädchen! Ach! Von gleichem Wunsch betrogen,
Wähnt ich: Schönes berg die Ferne nur,
Doch umsonst durchsegelt ich die Wogen,
Hat auch diese Ahnung mir gelogen,
Die du, Mädchen, jetzt in mir erweckt? –
Mädchen
Fremdling! Kannst du diese Sehnsucht deuten?
Fühlst du dieses unbestimmte Leiden?
Dieses Wünschen ohne Wunsch?
Franke
Ja, ich fühl ein Sehnen, fühl ein Leiden.
Doch jetzt kann ich diese Wünsche deuten,
Und ich weiss, was dieses Streben will.
Nicht an fernen Ufern, nicht in Schlachten!
Wissenschaften! Nicht an eurer Hand,
Nicht im bunten Land der Phantasien
Wohnt des durst'gen Herzens Sättigung.
Liebe muss dem müden Pilger winken,
Myrten keimen in dem Lorbeerkranz,
Liebe muss zu Heldenschatten führen,
Muss uns reden aus der Geisterwelt. –
Mächt'ger Strom! Ich fühlte deine Wogen,
Unbewusst fühlt ich mich hingezogen,
Nur wohin! Wohin! – Das wusst ich nicht.
Wohl mir! Dich und mich hab ich gefunden,
Liebe hat dem Chaos sich entwunden.