highChunks/1840_Arnim_003_17285.txt -- topic 7 topicPct 0.456310689449

, und ein reines Bejahen ihres Willens war in mir, ohne dass ich mir diesen Willen in Gedanken hätt übersetzen können. O ich glaub gewiss, die Geister müssen den Geist in die Menschenseele legen. Denn alles Wahrhaftige, was man denkt, ist Geschenktes, es überrascht später als Gedanke den Begriff, wie die Erscheinung der Blüte aus der Erde hervor uns auch überraschen müsste. – Und dann ist es so seltsam, dass diese Geistesbezauberung einen gleichsam betäubt, dass man alles vergessen muss, dass es wie tiefer Schlaf ist eine Weile in der Seele, und dass dann gar nichts erinnerlich ist. – Phantasie? – Was ist Phantasie? – Ist das nicht der Geister bunter Spielplatz, auf den sie Dich als freundliches Kind mitnehmen, und so sehr auch alles Spiel ist, so hat es doch Beziehung auf die Geheimnisse in der Menschenbrust. – Und die Menschen wissen's nicht, wie sie zum Licht des Geistes kommen, denn dies ist eins von den Lebensgeheimnissen. Aber wie weiss ich's doch? – Vielleicht, weil ich gleich so festen Glauben in sie hatte, vielleicht ist's der Glaube, der die Geister fesselt, dass sie einem näherrücken müssen. Denn der Glaube bannt alles in einem hinein, und der Unglaube verjagt alles. – Aber – in Offenbach bei der Grossmama, da war's wohl schon zwei Jahre her, dass ich aus dem Kloster war, ich war schon zwölf oder dreizehn Jahre alt, – und guckte so um mich und hatte so ein dumpf Gefühl, als wenn alles närrisch wär rund um mich, alles Erziehungswesen, aller Unterricht, alle Sittenpredigt und Religionslehre, alles warf ich über einen Haufen, ich konnt's nicht begreifen als lebendig und konnt's nicht verwerfen, denn ich wusst nichts vom Leben. – Da war's auch so, dass ich in der Nacht fortgezogen wurde an eine ferne, öde Stätte, und da war's mir schon viel deutlicher, was ich erfuhr, es war mir viel gewisser, keinen Augenblick hatte ich mehr einen Zweifel, dass nicht alles nur beengende Narrheit sei, was um mich vorging, und was ich vom Leben und wie man's nahm, gewahr ward, – und niemals hätte mir irgendwer imponieren können, aber wie ich Dich sah, da war mir's klar in Dir, ich hätt nie an einem Wort können zweifeln, im Gegenteil war so manches, was wie Rätsel klang, als wenn jene Geister von Deiner Zunge mich anlispelten; und es dauerte auch gar nicht lang, so öffneten sich mir tiefe Lichtwege, und so wie ich meinte, eben dass wohl die unmündigen, aber dem Göttlichen noch ganz vertrauten Sinne der Kinder zu Botschaftern göttlichen Einflusses auf die kranke Menschennatur sich eignen, so mögen wohl hochstrebende Naturen, deren Bahn sich nicht trennt vom Geist, wohl auch dazu taugen, dass die Geister sich mit Wort und elektrischer Wirkung durch sie mitteilen. So sind jene Geister meiner Kinderjahre durch Deinen Geist sprachselig zu mir geworden. – Ja, was wollt ich doch mit Dir reden? – Das war, dass ich den ersten Tag, nachdem ich Deinen Brief empfing, nichts wie derlei Erinnerungen hatte und kein Reden mit den Sternen war; und gestern aber war ich so heiter geworden, und hier will ich Dir herschreiben, was ich da oben von den Sternen erfahren hab. Der wahre Geist ist nicht allein, er ist mit den Geistern, – so wie er ausstrahlt, so strahlt es ihn wider, seine Erzeugnisse sind Geister, die ihn wiedererzeugen. Geist sind Sonnen, die einander strahlen, – Licht nimmt Licht auf, – Licht sehnt sich nach Licht, – Licht geht über ins Licht, – Licht vergeht im Licht. – Vielleicht ist das die Liebe. – Was sich nach Licht sehnt, ist nicht lichtlos, denn die Sehnsucht ist schon Licht, die Rose trägt das Licht in der Knospe verschlossen. – Die Schönheit, die sinnlich vergeht, die hat einen Geist, der sich weiterentwickeln will, der Rose Geist steigt höher, wenn ihre Schönheit verblühte. – Im Geist blühen tausend Rosen, die Sinne sind der Boden, aus dem das Schöne in den Geist aufblüht, die Sinne tragen die Rosen, sie blühen in dem Geist auf. – Der Geist ist der Äter der Sinne, – die Rose berührt den Atem, das Gesicht und das Gefühl! – Warum bewegt die Rose das Gefühl? – Atme ihren Duft, und Du wirst bewegt; – gewiss liegt in ihrem Dasein Seligkeit, die nur ihr eigen ist, – gewiss war diese Seligkeit einmal die Deine – und jetzt, wo Du ihren Duft einatmest, fühlst Du den Geist der Rose, die längst verblühte, in Dir fortblühen. Was ist Erinnerung? – Erinnerung ist viel tiefer, als sich auf das besinnen, was wir erlebten. Auch in ihren Verwandlungen berührt sie ewig den Geist – sie ist unendlich – sie wird Gefühl – dann wird sie Gedanke, der reizt den Geist zur Leidenschaft; als Leidenschaft erzeugt sie den Geist aufs neue. Aus jedem Lebenskeim entsteht Leben, Leben erzeugt fortwährend Lebenskeime, die alle blühen müssen. Alles Erlebte ist Lebenskeim, die Erinnerung trägt sie im Schoss. Ich weiss wohl, warum von Rosen die Rede war mit den Sternen. – Einmal war ich heiter geworden, wie der Ephraim fort war, – und dann schwamm noch rötlich Gewölk