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ein Meer um mich himmelan brausten und mich einhüllten in ihren Jubellärm wie in eine Wolke und aufwärts trugen. O wie schön ist's in der Welt, denk doch, so viel junge Stimmen hier im kleinen Städtchen, alle freudebrausend! – Wer wollte im Leben wohl etwas beginnen, was dieses heitere Jugendleben zu schwerem inneren Verantworten niederbeugte! – O nein, schon wegen der Jugend heiligem Recht in Fülle den Strom auszubrausen, möcht ich im eignen Busen die ewige heitere Lebenskraft nicht ablenken. – Sieh, junge Günderode, Deine Jugend ist die des heutigen Tages, Mitternacht hat's bekräftigt, die Sterne mahnen Dich und verheissen Dir, dass Du ihnen Deinen Geist sollst zuströmen, die auffahren voll jubelndem Feuer, in Chören ihre Begeistrungslieder herüberjauchzen ins neue Jahr! – Sie begrüssen Deine Zeit! – Dass sie Deiner Begeistrung geboren sind, das macht die jungen Herzen jauchzen, o verlasse die Deinen nicht und mich nicht mit ihnen; verlasse Dich auf den Genius, dass er aufrecht stehe in Dir und gross walte zwischen Geist und Seele. Was könnte Dich doch verzagen machen? – Sieh doch, wieviel Leben verdirbt, aber doch ist's nur scheinbar, es steht mit verschwisterten Gewalten wieder auf und versucht's von neuem. Aber das muss nicht sein, dass Du Dich aus ihren Reihen loskettest, denn alle gehören einander, und das muss Dich nicht traurig machen, dass manches, was sie als Tugend preisen, nur glänzende Fehler sind. Ist doch oft auch Tugend, was Fehler ist. Ich mag diesen Brief nicht schicken; ich bin nicht zu entschuldigen, schieb's aufs Wetter in meiner Brust. Es ist Gewitterzeit in mir, wie konnt es so angstvoll in mir aufsteigen sonst? – Gewitter sind's, die über mich hinstürzen und alle blühende Kraft niederdrücken, und das Gewölk hängt schwer über mir, und das Herz arbeitet und glüht und möcht sich Luft machen und zückt; denn sonst könnt ich nicht so schmerzvolle Augenblicke haben und immer so schwere Gedanken über Dich. Aber es ist auch traurig, heut erhalt ich erst Nachricht von der Claudine, dass Du sie beauftragt hattest, mir Deine Abwesenheit von Frankfurt zu schreiben, und dass Du bei der kranken Schwester bist. Mein Herz ist der brausende Brunnen, ein paar Tropfen Öl besänftigen ihn ja, ich war ganz verkehrt, ich erwache vom bösen Traum. Ach, Gott sei Dank, dass es anders ist. – Ich bin noch niedergeschlagen und seh die Träume unwillig dahinziehen am düstern Tag, sie hätten mich wohl länger noch gepeinigt. – Wie Du auch meine Briefe aufnehmen magst, ich will Dich der Mühe überheben, mich darüber zurechtzuweisen, und will's alles vor Dir aussprechen, was ich von mir denk. Ich hab Dir eine Reihe von Briefen geschrieben, ich weiss nicht mehr was; – sollt ich mir Rechenschaft geben, was ich damit wollte, entielten sie selber eine Rechenschaft meines Seelenlebens? – Ist ein einziger früherer Vorsatz drin nur berührt? – Ist mir nicht alles fern abgeschwunden, was ich mir als heilig Gelübde auferlegte? Hab ich nicht mir und Dir zugesagt, ich wolle mich streng den Bedingungen einer Kunst unterwerfen? Hab ich nicht immer und immer aufs neue wieder alles Begonnene verfaselt? – und was konntest Du mit mir endlich anfangen? Ich gestand Dir immer alles zu, ja, ich sagte mir täglich Deine wahren, Deine tiefen Begriffe vor, über die Anstrengung des Geistes in sich zu erzeugen, was noch ungeboren ist in ihm. Einmal sagtest Du: "Ich begreife aus dem Sehnen des Geistes sich der Künste und Wissenschaften zu bemächtigen, dass die fruchtbare Erde nach dem Samen sich sehnt, den sie zu nähren vermag." Und Du sagtest zu mir: "Deine ewige Unruh, Dein Schweifen und Jagen nach allem, was im Geist erwachsen könnt, selbst Dein Widerspruch dagegen beweist, dass Dein Geist fruchtbar ist für alles." Und wolltest, ich sollte nur das eine Opfer bringen und eine Zeit mich einem ganz unterwerfen, dann werde sich zu allem Platz und Reife bilden. Und sagtest: "Was ist denn Zeit, wenn sie nicht ewiges Bilden der Kräfte ist? – Und ist eben die Mühe des Erwerbens nicht auch sein höchster Ertrag? – Und keine Anstrengung ist umsonst, denn am End ist jede Anstrengung die höchste Übung des Erzeugens, und wer seinen Geist mit Anstrengungen nährt, der muss zum Erschaffen, zum Wiedererzeugen verlorner Geistesanlagen, nicht allein in sich, sondern in allen seiner Zeit geschickt werden." Und Du sagtest noch viel, wo ich voll Feuer war, Dir allein zu folgen und alles mir zuzumuten, ich musste mir sagen, dass ich allein in Dir Licht fand über das Leben, und dass Dein Geist heilige Religion sei, und dass ich eine Ahnung fasste, zu was der Mensch geboren sei; ja, und dass er immerdar vereinigt sein soll mit Gott, das heisst immer in heiliger Anstrengung begriffen, ihn zu fassen. Ja, was ist denn Kunst und Wissenschaft? wenn es nicht die tiefen Anlagen sind eines geistigen Weltgebäudes. Was ist denn irdisch Leben, wenn nicht der sinnliche Boden, aus dem eine geistige Welt sich erzeugt, – und Du sagtest: "Wär man nicht zornig, wie könnt einer sanftmütig werden, und wär die Lüge nicht, wie könnten wir zu Helden der Wahrheit werden?" Und weil ich Dich nicht verstand, so