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Stange zu halten; damit mein ich, dass sie sich ihm widmen mit ihrem ganzen jugendlichen Entusiasmus. – Es ist nichts Schöneres in der ganzen Welt als dies. Wär ich ein weiser Meister; wenn mir die Studenten aus vollem Herzen ein freudig Lebehoch brächten, wenn sie im Fackelzug anmarschiert kämen, ja, das wär mir am liebsten von allen Ehrenkränzen. – Der Ephraim hat so einen Charakter, der imponieren und die Schüler anziehen muss, wenn der Philosoph wär, was er doch eigentlich ist, so müssten die Schüler mit Leidenschaft an ihm hängen, – er sagt, meine Schüler lieben mich auch, aber die Vorurteile liegen wie unersteigliche Berge zwischen uns. – Savignys fragen als: "Nun, war dein alter Matematikus bei dir, hast du wieder Judenweisheit studiert? – Bist du heut wieder klüger wie die andre Menschheit, hat dich dein Jud eingeweiht?" – Ich sag ja und lach mit und freu mich, dass ich allein alles weiss von ihm – ich will Dir was sagen, ich hab ihm die Manen vorgelesen und ihn gefragt darüber manches, er hat mit Bleistift drunter geschrieben: "Du solltest Geister rufen und sie sollten deinem Ruf nicht folgen? – das glaub nimmer."
Wenn ich abends auf den Turm geh, an Tagen, wo er da war, sind die Gedanken, die mir da oben von den Sternen kommen, immer so übereinstimmend mit seinen Reden, dass ich manchmal meinen muss, sie hätten's ihm eingegeben für mich. – Solche Gedanken, die mir lieb sind, schreib ich in ein Buch, um die schönsten draus zu wählen und Dir zu schreiben; am Tag vorher, als ich vom Turm kam – es war spät, ich war müde und schrieb eilig, ohne mich zu besinnen, was mir noch im Kopf schwärmte, von da oben: "Darum ist's auch oft, warum das Göttliche nicht in uns haftet, weil wir selbst schlecht werden, indem wir mit dem Bösen streiten; wir wurden boshaft, indem wir das Böse verfolgten." –
"Gott hat den Adam nicht aus dem Paradies verjagt, der Adam ist ihm von selbst entlaufen. Wo könnt ein Engel eine gottgeschaffne Kreatur aus dem Paradies jagen wollen? – Alles Göttliche ist Steigen, was nicht mitsteigen kann, das sinkt."
"Wo könnte aber das Göttliche aufsteigen, wenn nicht aus dem Ungöttlichen? – Wie könnte das Göttliche vom Ungöttlichen sich sondern wollen? – Nein, es ist recht seine göttliche Natur, sich nicht von ihm zu sondern; es mischt sich mit ihm und reizt es, des Göttlichen inne zu werden, nur Verachtung löst sich ab vom Göttlichen, nur der Tod löst sich ab, und vieles ist der Tod selbst, wodurch die Menschen sich vom Ungöttlichen absondern wollen, – sich des ewigen Lebens teilhaftig machen wollen." –
"Die Freiheit muss zur Sklavin werden des Sklaven, sie muss sich dem Sklavensinn erobern, wie könnt sie sonst Freiheit sein? – In was kann Freiheit sich aussprechen als im Gebundensein und unterworfen dem göttlichen Trieb, das Ungöttliche göttlich zu machen! – Wer ist mächtig die Ketten zu tragen, wenn nicht die Freiheit? – Und wer kann die ohnmächtigen Sinne beleben als nur das Leben selbst?" –
"Man sagt zwar, das Göttliche vertrage nicht das Ungöttliche, aber es muss alles vertragen können, nur in ewigem Verwandeln in sich besteht das Göttlichsein."
Das hab ich heut auf dem Turm gelernt, und dann hab ich noch gedacht:
"Wenn du dich im Geist begegnest mit dem, was du liebst, so trete auf im Schmuck deiner Begeistrung, sonst würde es dich nicht erkennen."
"Dass dich der Geliebte berühre im Geist, kann nur aus Begeistrung geschehen, so kann auch nur Begeistrung zu ihm reden." –
Als ich den Ephraim begleitet hatte, ging ich gleich auf den Turm, obschon das nicht gilt, wenn die Sterne noch nicht am Himmel stehen; aber ich mochte nicht wieder ins Haus, es war mir zu behaglich in freier Luft. Fühlst Du das auch, das Glücklichsein, bloss weil Du atmest, – wenn Du im Freien gehst und siehst den unermesslichen Äter über Dir – dass Du den trinkst, dass Du mit ihm verwandt bist, so nah, dass alles Leben in Dich strömt von ihm? – Ach, was suchen wir doch noch nach einem Gegenstand, den wir lieben wollen? – Gewiegt, gereizt, genährt, begeistigt vom Leben – in seinem Schoss bald, bald auf seinen Flügeln; ist das nicht Liebe? Ist das ganze Leben nicht Lieben? – Und Du suchst, was Du lieben kannst? – So lieb doch das Leben wieder, was Dich durchdringt, was ewig mächtig Dich an sich zieht, aus dem allein alle Seligkeit Dir zuströmt; warum muss es doch grade dies oder jenes sein, an das Du Dich hingibst? – Nimm doch alles Geliebte hin als eine Zärtlichkeit, eine Schmeichelei vom Leben selbst, häng mit Begeistrung am Leben selbst, dessen Liebe Dich geistig macht; – denn dass Du lebst, das ist die heisse Liebe des Lebens zu Dir; es allein hegt in sich den Zweck der Liebe, es vergeistigt das Lebende, das Geliebte. – Und alle Kreatur lebt von der Liebe, vom Leben selbst.
Ja, so ein Gedanke, Günderode! Einer könnt fragen, ob er nicht Einbildung sei? –