highChunks/1840_Arnim_003_17259.txt -- topic 7 topicPct 0.282945722342

mich ohnmächtig macht, dass ich schüchtern werd und mich wehre gegen den Eindruck, als müsse ich ihm mein Ohr versagen, und ihm doch heimlich lausche, weil's mich hinreisst, und weiss nicht, ob's der Klang ist oder der Inhalt, und wie beide wechselnd mich bewältigen und wie ich – ja ich will Dir's sagen: – ein göttlich persönlicher Geist dringt auf mich ein, den ich lieben will, lieben muss im Gedicht, dass ich herzzerrissen bin von grosser Wehmut. – Nein mehr! – Tiefer geht's: – dass ich ausbrechen muss in ein schmerzlich Ach. – Und wenn ich's nicht fühlte, dies Geistige, Persönliche in der Dichtung – über mir schwebend, wie beglückt über seinen Triumph, ich glaub, ich müsste wie wahnsinnig ihm nachirren – aufsuchen und nicht finden – und wiederkommen und mich besinnen und vergehen dran; und das ist der Goete, der so wie Blitze in mich schleudert und wieder heilend mich anblickt, als tuen ihm meine Schmerzen leid, und hüllt meine Seele in weiche Windeln wieder, aus denen sie sich losgerissen, dass sie sich Ruhe erschlummere und wachse, schlummernd – im Nachtglanz, in der Sonne; und die Luft, die mich wiegt, denen vertraut er mich, und ich mag mich nicht anders mehr empfinden zu ihm als in diesem Gedicht, das ist meine Wiege, wo ich mich seiner Teilnahme, seiner Sorge nah fühle und seine Tränen der Liebe auffang und mich wachsend fühle. – Du hast gesagt, wir wollen ihn sehen den Grossen, Wolkenteilenden, Äterdurchglänzenden, und ich hab gesagt, ja wir wollen ihn sehen! – Aber wie ich's gesagt hatte, aus Liebe und Mitfühlen mit Dir, da wurd ich eifersüchtig und weinte zu Haus in der Einsamkeit bittere Tränen, weil ich's gesagt hatte: wir wollen ihn sehen! – Und das kommt daher, weil er so lange schon mächtig mir die Seele besaitet hat und dann hineingreift, sturmaufregend, und mich sanft wieder einlullt wie ein Kind, – und ich bin gern das Kind, auf dem sein Blick befriedigt weilt. Und wär ich nicht genährt von der Natur und wie es aus tiefster Brust ihm hervorquillt! – wie könnt ich sein, wie ich bin? – Und weiter will ich doch nichts sein. Und ich weiss gewiss, und nicht alle sind geeignet wie ich, dass der Geist persönlich aus der Dichtung hervor über mir walte und mich reife in seiner geheimsten Seelentiefe vollschwellendem Übermass. Aber sag Du! Wie könnt ich atmen und ruhen und keimen, wär's nicht in jener Wiege seines Gefühls, im Gedicht? Und nicht wahr, ich lieg wohl gebettet und kannst mir's nicht süsser wünschen? Ja, Du verstehst es, wie ich's meine; in den Manen hab ich mich zurecht gefunden in Dir, dass Du alles verstehst, und viel tiefer! – Denn ich empfinde nur, was Deines Geistes Spur Dir lehrt, Du aber weisst alles. Du sagst selbst, wo kein Wunsch uns hinzieht, das ist für uns verloren, und man hält wohl für unmöglich, was nur des Begehrens bedürfte, um wirklich zu sein, und seit Du es mir gesagt hast – und Du sagst, Harmonie der Kräfte ist Verbindung – so hab ich mir's denn getraut, weil ich ihn liebe, so nehm ich alles willig hin, Schmerz und Entzücken; – denn es ist immerdar Entzücken, ihn empfinden! – Denn er schenkt mir's ihn zu fühlen, wie er aus seiner Dichtung Blüte mich anhaucht, das will er, das beglückt ihn, – dass ich erschüttert bin, das begeistert den Dichtergeist, und andre kennen nur die verschlossne Knospe, mir aber öffnet sich die Blüte, und das nimmt mich weg! – Drum bin ich ihm allein und er mir allein! – Und die ganze Welt mag sich seiner teilhaftig meinen, ich weiss, dass es anders ist, und muss drauf beharren, denn sonst verzehrt mich die Eifersucht. – Und Du hast gesagt, "das Aufheben dessen, was eigentlich diese Harmonie ausmachte, müsse auch notwendig diese Verbindung aufheben." Das wird mir nicht geschehen. Du sagst, "das Geräusch der Welt, das Getreib der Geschäfte, die Gewohnheit, nur die Oberfläche zu berühren, die lassen dieses tiefste und feinste Seelenorgan nicht zur Ausbildung kommen." – Was spricht mich denn an in dem Geliebten? – Fühl ich denn nicht das Grosse und Gewaltige, was viel höher ist als ich selber? – Ja, was mir höher oft vorkommt als der Geliebte selbst; und ist es nicht dies, dem ich nachgeh? – Und erscheint dieses Gewaltige mir nicht auch ganz allein ausser ihm? – Und ist das nicht die Erinnerung an ihn und zugleich auch noch jene höhere Erscheinung, von der Du sagst, dass sie sich durch die Harmonie mit ihr offenbare? – und kann ich ihm untreu sein in dieser, wenn ich mich der hingebe? – Und ist es nicht immer dasselbe, was Begeistrung zu erregen vermag? – Ach nein! Man kann in der Liebe nicht untreu sein, nur ausser ihr. – Ich fühl's an der Heiterkeit, die mich beflügelt, dass in der Begeistrung keine Untreue ist. – Ich weiss von keiner Untreue und glaube oft, ich versündige mich an was ich liebe, wenn ich nicht alles liebe