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Freund, der weit über Land reisen wollt, würde so sprechen zum Abschied! Es ist nicht wie Deine früheren Briefe, die mitten drin sind im Spiel meiner Gedanken, Du stehst auf der Höhe, übersiehst alles, befiehlst mir alles an, als wolltest Du von mir scheiden. Du sagst zwar, was ich von Dir schreibe, habe Dich gerührt, darum seist Du mir näher gerückt, und es ist auch eine tiefe Harmonie in dem, was Du von Dir sagst, mit meinem Gefühl von Dir, aber mich macht's traurig, dass Du willst, ich soll dem Clemens mehr schreiben, ich soll Dir heilige Versprechungen geben meiner Natur treu zu bleiben, und am meisten tut mir's weh, dass Du so deutlich die Verschiedenheit unserer Geisteswege bezeichnest und Dir den angestrengten dornenvollen aneignest, von mir aber sagst, ich dürfe mich nicht bemühen, ich sei in dem Land von Milch und Honig. Soll ich nicht mit Dir sein, soll meine Milch und Honig, meine Früchte nicht Dir darbringen, für wen fliesst dann diese Milch und Honig? – Ach, wenn nur diese Dreieinigkeit fortbesteht zwischen Dir und mir und dem Geist, der dem einen und dem andern mitteilt für beide, so bin ich befriedigt für immer, und mag mir geschehen was da will, nur das Schicksal soll sich mir nicht aufdrängen, was diese Dreiheit scheidet. – Mit Deinem Brief ging ich auf die Warte. – Zu wem soll ich gehen, mit wem soll ich sprechen von Dir? – Mit welcher Sehnsucht ging ich hinauf, und die Sterne! – Wie verwirrte mich da oben ihr Drängen um mich her, immer höher und höher hinauf unzählige, und alle winkten, soweit mein Auge reicht, und so ist's mit jedem Tag mehr, dass ich mich an sie wenden muss, und was Traum war, muss mit der Wirklichkeit vermählt werden, wenn ich mir durchhelfen soll. So ist's, wenn der Keim durchbricht, da genügt nicht mehr Wasser und Luft und Erde, da ist kein Wahrscheinliches mehr, kein Unwahrscheinliches, da ist kein Rat, kein Beweistum mehr gültig. – Glaube ist Aberglaube, – aber Geist ist Glaube. – Da könnte einer fragen, was mein Vertrauen in die Sterne ist, wenn nicht Glaube, und also Aberglaube? Zwischen den Sternen und mir ist nur der Geist, ich fühl's, alle sind Spiegel des Geistes, der aus meiner Brust steigt, sie fangen ihn auf und strahlen ihn zurück; was Du denkst, das einzig ist die Wahrheit, sagen sie, klemme nicht Deine Flügel ein, fliege so hoch und so weit Dich deine Flügel tragen, ihre Kraft zu proben ist nicht Sünde; wie der Kolumbus dahinfuhr auf uferlosem Meer, so fürchte Du nicht die Ufer aus dem Aug zu verlieren, an denen Menschenwitz gelandet und furchtsam sich dran festklammert; nicht umsonst ist Gott überall, so darf der Menschengeist auch überall sein; denn er trifft mit Gott zusammen in der ungangbaren Wüste; das Umherschweifen nach einer neuen Welt, die Deine Ahnung Dir weissagt, ist nicht Sünde, denn der Geist ist geschaffen, der Welten unzählige zu entdecken, und diese Welten sind, und sind das Leben des Geistes, ohne diese würde er nicht leben, denn des Geistes Leben ist Welten zu entdekken, und der Welten Leben ist im Geist aufzusteigen. Denn alle sind im Geist geboren, die wollen zu Schiff und fort, um neue Welten zu entdecken. Aber die Menschenfurcht ist so gross vor dem Geist, dass sie den Hafen sperrt, und duldet nicht, dass er die Segel ausspanne, sondern alle rufen: "Steiniget ihn, steiniget ihn, denn seht, er will den Hafen verlassen, in dem wir gelandet sind", und so steinigen sie ihn und töten ihn, eh sie zugeben, dass er den Hafen verlasse, damit nie Gottes Weisheit den Menschenwitz auf freiem Meer geleite; denn sie wollen der neuen Welten keine zugeben, aber gewiss: so unendlich der Sterne Zahl, so unendlich auch die Welten, die der Geist noch zu entdecken hat; und wie aller Sterne Licht zu uns aus weiter Ferne niederstrahlt, so strahlt aller Welten Geist herab in den Menschengeist, und dies Licht ist der Keim, der aufgeht im Geist, dass er die Welten des Geistes entdecke. – Und wie alle Wahrheit Fabel ist, das heisst Gottesverheissung in der körperlosen Geistigkeit der Idee, und wie alle Geschichte Symbolik ist, das heisst Gottessprache mit dem Menschengeist, um ihn auf die Wahrheit steuern zu lehren, so ist denn auch die Geschichte des Kolumbus ein göttlich Bereden und Berufen des Menschengeistes, seine Segel aufzuspannen und kühn auf jene Welt loszusteuern, die er, sich selber weissagend, sehnsüchtig erreichen möchte; – und die Fabel dieser wahrgewordnen Ahnung ist die Verheissung, dass auch der Menschengeist glücklich landen werde, wenn er seinem Mut vertraut, denn wie wollten wir den Mut wecken und erziehen in uns, vertrauten wir nicht der eingebornen Kraft – dem Genius. Was Tugend ist, hat keine Grenze, es umspannt die Himmel, wir können ihm kein Ziel setzen: so können wir dem Geist kein Ziel setzen, er ist göttliche Kraft, und dieser vertrauen, das ist der Geisteskeim, der ins Leben tritt. Was aber der Mut erwirbt, das ist immer Wahrheit, was den Geist verzagen macht, das ist Lüge. – Verzagteit im Geist ist gespensterhaft