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Geist Gottes. Denken ist Gott aussprechen, ist sich gestalten in der Harmonie, – ich wage nicht einen Seitenblick zu tun, aber ich fühl's, dass im Begreifen der Geist Gottes sich erzeugt im Menschengeist, und zu was wär dieser Keim der Gotterscheinung im Menschengeist, wenn er nicht durch ewiges Streben ihn ganz entwickeln sollte? – Der einzige Zweck alles Lebens: Gott fassen lernen, und das ist auch unser innerer Richter. Was Gott nicht entwikkelt, das bliebe lieber ungeschehen; denn es ist nicht Melodie, – was aber unmelodisch ist, das ist Sünde; denn es stört die Harmonie Gottes in uns, es klingt falsch an, aber alle grosse Handlung weckt die Harmonie, alle Sterne klingen mit ein, drum ist gross Denken, gross Handlen auch so selbst befriedigend, es löst die gebundnen Akkorde in uns auf in höhere Harmonien, und steigern sich die musikalischen Tendenzen durch allseitiges Erklingen aller mittönenden Akkorde. – Aber ich kann nicht mehr weiter drüber denken, ich träume nur und schlafe tiefer über dem Saitenspiel meiner Gedanken ein, und mir entschlüpft alles ungesagt. – Du lebst und schwebst in freier Luft, und die ganze Natur trägt Deinen Geist auf Händen; ich dräng mich durch zwischen Witz und Aberwitz, und hier und dort nimmt mich die Albernheit in Beschlag; und wenn ich abends zum Schreiben komm und muss das Unmögliche denken, was unmöglich ist auszusprechen, dann bin ich gleich traumtrunken, und dann schwindelt mir, wenn ich die Augen öffne; die Wände drehen sich, und der Menschen Treiben dreht sich mit. – Und ob's doch nicht noch in der Sprache verborgne Gewalten gibt, die wir noch nicht haben? – noch nicht zu regieren verstehen; – das schreib mir, ob Du es auch glaubst, und ob wir da hindringen könnten, das Ungesagte auszusprechen; denn gewiss, so wie die Sprache sich ergibt, so muss der Geist hineinströmen; denn der ganze Geist ist wohl nur ein Übersetzen des Geist Gottes in uns. Gute Nacht. Bettine An die Bettine Du meinst, wenn Du taumelst und ein bisschen trunken bist, das wär unaussprechlicher Geist? – Und Du besäufst Dich aber auch gar zu leicht, – weil Du den Wein nicht verträgst, Du meinst, es müssten neue Sprachquellen sich öffnen, um Deine Begriffe zu erhellen. Werd ein bisschen stärker oder trinke nicht so viel auf einmal, wolltest Du Dich fester ins Auge fassen, die Sprache würde Dich nicht stecken lassen. Von der Sprache glaub ich, dass wohl ein Menschenleben dazu gehört, um sie ganz fassen zu lernen, und dass ihre noch unentdeckten Quellen, nach denen Du forschest, wohl nur aus ihrer Vereinfachung entspringen. Den Rat möchte ich Dir geben, dass Du bei Deinem Aussprechen von Gedanken das Beweisen aufgibst, dies wird Dir's sehr erleichtern. Der einfache Gedankengang ergiesst sich wohl von selbst in den Beweis, oder was das nämliche ist: die Wahrheit selbst ist Beweis. Beweislos denken ist Freidenken; Du führst die Beweise zu Deiner eignen Aushilfe. Ein solches freies Denken vereinfacht die Sprache, wodurch ihr Geist mächtiger wird. Man muss sich nicht scheuen, das, was sich aussprechen will, auch in der unscheinbarsten Form zu geben, um so tiefer und unwidersprechlicher ist's. Man muss nicht beteuern, weil das Misstrauen gegen die eigne Eingebung wär. – Nicht begründen: weil es eingreift in die freie Geisteswendung, die nach Sokrates vielleicht Gegenwendung wird, und nicht bezeugen oder beweisen wollen in der Sprache, weil der Beweis so lang hinderlich ist, dem Geist im Wege ist, bis wir über ihn hinaus sind; und weil diese drei Dinge unedel sind, sowohl im Leben wie im Handeln, wie im Geist. Es sind die Spuren des Philistertums im Geist. Freier Geist verhält sich leidend zur Sprache und so verhält sich auch die Sprache leidend zu dem Geist, beide sind einander hingegeben ohne Rückhalt, so wird auch keins das andre aufheben, sondern sie werden sich einander aussprechen ganz und tief. – Je vertrauungsvoller, um so inniger. – Wie es in der Liebe auch ist. – Was sollte also die Sprache am Geist zu kurz kommen? – Liebe gleicht alles aus. – Trete nicht zwischen ihre Liebkosungen, sie werden einander so beseligend, dass nur ewige Begeistrung aus beiden strömt. – Und hiermit wär Deine Ahnung von der Gewalt des Rhytmus wohl auch berührt, beweisen wollen wir ja nicht. – Alles, was wir aussprechen, muss wahr sein, weil wir es empfinden. Mehr müssen wir für andre auch nicht tun; denn das sondert jene nur von dem kindlichen ursprünglichen Begriff. – Wir müssen des andern Geist nicht als Gast in unsre Begriffe einführen, so wie ein Gast auch weniger das Heimatliche begreift, er muss selbst durch das Mangelnde im Ausdruck auf die Spur des Begriffs geleitet werden, da nur im unverfälschten Vertrauen oder im vollkommnen Hingehenlassen, selbst in scheinbar Nachlässigem (was doch nur vertrauungsvolle heilige Scheu der Liebe ist) sich der Geist oft erst orientiert; zum wenigsten wird's ihm viel leichter. – Mag nicht oft tiefere Wahrheitsspur verschwunden sein, wo nach ihrer Bekräftigung suchend ihr ursprünglicher Keim verletzt wurde? Haben nicht die geistschmiedenden Zyklopen mit dem einen erhabenen Aug auf der Stirne die Welt angeschielt, statt dass sie mit beiden Augen sie gesund würden angeschaut haben? – Das frag ich in Deinem Sinne die Philosophen, um somit hier alle weitere Untersuchung aufzuheben