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der Maiblumenzeit, aber da versäumen wir die Erdbeeren! Denn im Tal wär als alles übersäet, erst mit Veilchen und dann mit Erdbeeren, davon leben wir sechs Wochen; Kohl pflanzen wir nicht. – Im Herbst sind wir wieder da und essen die Trauben, ach, könnt's nur einen Sommer wahr werden! – Mir kommt's vor, als könnt man so immer und immer sein wollen. Denn wahrhaftig, mir strömt alle Weisheit aus Deinem Angesicht, ich hab mehr als zuviel, was in mich hineinspricht, wenn ich Dich seh, und wenn Du auch nur stillschweigst, so redst Du doch, Du bist ein gross Geheimnis, aber ein offenbares, aber ich schlafe in Deiner Gegenwart, Dein Geist schläfert mich ein, so träum ich, dass ich wache und empfinde nur alles im Traum und das ist gut; denn sonst würd ich verwirrt sein. Wie der Clemens nach Haus gekommen war, hat er gleich nach meinem Brief gefragt, er wollt auch dran schreiben, ich hab ihn aber zerstreut durch allerlei, was ich von Dir erzählte; denn ich wollt ihn nicht gern lesen lassen, dass ich als Einsiedler mit Dir leben wollt, denn er hätt's gewiss im Puppenspiel angebracht, so erzählt ich ihm von unsrer Rheinfahrt in der Mondnacht mit der Orangerie auf dem Verdeck, das machte ihm so viel Freude, er frug nach allem, was noch vorgefallen, nach jedem Wort, nach den Ufern, nach dem Mond; und ich erzählte ihm alles; denn ich wusste alles, jed Lüftchen, was sich erhoben hatte, und wie der Mond durch die Luken und Bogen hinter den Bergfesten geschimmert hat, und alles, und er frug auch, was wir gesprochen, ich sagte: nichts oder nur wenig Worte, denn es sei die ganze Natur so schweigend gewesen. – Und wie er alles ausgeforscht hatte, da ging er fort und sperrte mich ein und sagte, ich sollt ein Gedicht davon machen, grad so wie ich's erzählt habe, und sollt es nur aufschreiben immer in kurzen Sätzen, wenn es sich auch nicht reime, er wolle mich schon reimen lehren, und so ging er hinaus und schloss die Tür ab, und vor der Tür rief er: "Nicht eher kommst Du heraus, bis Du ein Gedicht fertig hast!" – Da stand ich – ganz widersinnig im Kopf. – Ans Aufschreiben dacht ich nicht. – Aber ich dacht an das Versmachen, wie seltsam das ist. – Wie in dem Gefühl selbst ein Schwung ist, der durch den Vers gebrochen wird. – Ja, wie der Reim oft gleich einer beschimpfenden Fessel ist für das leise Wehen im Geist. Belehr mich eines Besseren, wenn ich irre, aber ist es nicht wahrscheinlich, dass Reim und Versmass auf den ursprünglichen Gedanken so einwirke, dass er ihn verfälscht? – Überhaupt, was seelenberührend ist, das ist Musik, das hab ich schon lang in mir erfahren; denn es kann nichts die Sinne rühren und durch diese die Seele als nur Musik; was Dich bewegt, gibt Klang, der weckt seine Mittöne, die rühren das Echo doppelt und allseitig, und die ganze Harmonie erwacht – und zwischen dieser durch wandelt der Gedanke und wählt sich seine Melodie und offenbart sich durch die dem Geist. – Das deucht mich die Art, wie der Gedanke sich dem Geist vermählt. Nun kann ich mir wohl denken, dass der Rhytmus eine organische Verbindung hat mit dem Gedanken, und dass der kurze Begriff des Menschengeistes, durch den Rhytmus geleitet, den Gedanken in seiner verklärten Gestalt fassen lernt, und dass der den tieferen Sinn darin beleuchtet, und dass wie die Begeistigung dem Rhytmus sich füge, sie allmählich sich reiner fasse, und dass so die Philosophie als höchste geistige Poesie erscheine, als Offenbarung, als fortwährende Entwicklung des Geistes und somit als Religion. Denn was soll mir Religion, wenn sie stocken bleibt? – Aber nicht wie Du sagst, dass Philosophie endlich Poesie werden soll, nein, mir scheint, sie soll sein oder ist die Blüte, die reinste, die ungezwungenste, in jedem Gedanken überraschendste Poesie, die ewig neu Gottessprache ist in der Seele. – Gott ist Poesie, gar nichts anders, und die Menschen tragen es über in eine tote Sprache, die kein Ungelehrter versteht, und von der der Gelehrte nichts hat als seinen Eigendünkel. – So wie denn das Machwerk der Menschen überall den Lebensgeist behindert, in allem, in jeder Kunst, dass die Begeistrung, durch die sie das Göttliche wahrnehmen, von ihnen geschieden ist, – und ich muss mich kurz fassen, sonst wollt ich mich noch besser besinnen. Die Berührung zwischen Gott und der Seele ist Musik, Gedanke ist Blüte der Geistesallheit, wie Melodie Blüte ist der Harmonie. Alles, was sich dem Menschengeist offenbart, ist Melodie in der Geistesallheit getragen, das ist Gottpoesie. Es entüllt sich das Gefühl in ihr, sie geniessend, empfindend, keimt auf in der Geistessonne, ich nenn es Liebe. Es gestaltet sich der Geist in ihr, wird Blüte der Poesie Gottes, ich nenn es Philosophie. Ich mein, wir können die Philosophie nicht fassen, erst die Blüte wird in uns. Und Gott allein ist die Geistesallheit, die Harmonie der Weisheit. – Ach, ich hab das alles nicht sagen wollen, der Kopf brennt mir, und das Herz klopft mir zu stark, wenn ich