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! Lasset schweigen Für Tote die Gebete all. Für mich lasst heisse Bitten steigen; Denn grösser ist der Liebe Qual, Von der ich wen'ger kann genesen, Als jene unglücksel'gen Wesen Zur Qual des Feuers auserlesen. Und staunend siehet ihn die Menge So schön verklärt in Liebesmut. "Wo ist, im festlichen Gepränge," Denkt manche still, "die solche Glut Und solches Wort hat jetzt gemeinet?" Sie ist's, die heimlich Tränen weinet, Die Juans heisse Liebe meinet. War's Mitleid, ist es Lieb gewesen, Was diese Tränen ihr erpresst? Vom Gram kann Liebe nicht genesen, Wenn Zweifelmut sie nicht verlässt. Er kann sich Friede nicht erjagen; Denn nimmer darf's die Lippe wagen, Der Liebe Schmerz ihr mehr zu klagen. Nur einen Tag will er erblicken, Der trüb ihm nicht vorüberflieht, Nur eine Stunde voll Entzücken, Wo süsse Liebe ihm erblüht, Nur einen Tag der Nacht erwecken, Es mag ihn dann, mit ihren Schrecken Auf ewig Todesnacht bedecken. Es liebt die Königin die Bühne, Erschien oft selbst im bunten Spiel. Dass er dem kleinsten Wunsche diene Ist jetzt nur seines Lebens Ziel. Er lässt ihr ein Teater bauen, Dort will die reizendste der Frauen Er noch in neuer Anmut schauen. Der Hof sich einst zum Spiel vereinet, Die Königin in Schäfertracht Mit holder Anmut nur erscheinet, Den Blumenkranz in Lockennacht. Und Juans Seele sieht verwegen Mit ungestümem wildem Regen Dem kommenden Moment entgegen. Er winkt, und Flamm und Dampf erfüllen Entsetzlich jetzt das Schauspielhaus; Der Liebe Glück will er verhüllen In Dampf und Nacht und Schreck und Graus; Er jauchzet, dass es ihm gelungen, Des Schicksals Macht hat er bezwungen, Der Liebe süssen Lohn errungen. Gekommen ist die schöne Stunde; Er trägt sie durch des Feuers Wut, Raubt manchen Kuss dem schönen Munde, Weckt ihres Busens tiefste Glut. Möcht sterben jetzt in ihren Armen, Möcht alles geben ihr! – Verarmen, Zu anderm Leben nie erwarmen. Die eilenden Minuten fliehen, Er merket die Gefahren nicht Und fühlt nur ihre Wange glühen; Doch sie, sie träumet länger nicht, Sie reisst sich von ihm los mit Beben, Er sieht sie durch die Hallen schweben – Verhaucht ist der Minute Leben. Mit sehnsuchtsvollem, krankem Herzen Eilt Juan durch die Hallen hin. In Wonne, Gram und süsse Schmerzen Versinket ganz sein irrer Sinn, Er wirft sich auf sein Lager nieder, Und holde Träume zeigen wieder Ihm ihr geliebtes, holdes Bild. Die Sonne steiget auf und nieder; Doch Abend bleibt's in seiner Brust. Es sank der Tag ihm, kehrt nicht wieder, Und sie, nur sie ist ihm bewusst, Und ewig, ewig ist gefangen Sein Geist im quälenden Verlangen Sie wachend, träumend anzuschaun. Und da, erwacht aus seinem Schlummer, Ist's ihm, als stieg er aus der Gruft, So fremd und tot; und aller Kummer, Der mit ihm schlief, erwacht und ruft: "O weine! Sie ist dir verloren, Die deine Liebe hat erkoren, Ein Abgrund trennet sie und dich!" Er rafft sich auf mit trüber Seele Und eilt des Schlosses Gärten zu; Da sieht er, bei des Mondes Helle, Ein Mädchen auf ihn eilen zu. Sie reicht ein Blatt ihm und verschwindet, Eh er zu fragen Worte findet, Er bricht die Siegel auf und liest: "Entfliehe! Wenn dies Blatt gelesen Du hast, und rette so dich mir. Mir ist, als sei ich einst gewesen, Die Gegenwart erstirbt in mir, Und lebend ist nur jene Stunde, Sie spricht mir mit so süssem Munde, Von dir, von dir, und stets von dir." Er liest das Blatt mit leisem Beben und liebt's und drückt es an sein Herz. Gewaltsam teilet sich sein Leben In grosse Wonnetiefen Schmerz. Sollt er die Teuerste nun meiden? Kann sie dies Trauern ihm bereiten! Soll er sie nimmer wieder sehn? Er geht nun, wie sie ihm geboten; Da trifft ein Mörderdolch die Brust. Doch steigt er freudig zu den Toten, Denn der Erinnrung süsse Lust Ruft ihm herauf die schönste Stunde. Er hänget noch an ihrem Munde – Entschlummert sanft in ihrem Arm. Zweiter Teil Wenn dich eine höhere Vorstellung durchdringt von einer Menschennatur, so zweifle nicht, dass dies die wahre sei; denn alle sind geboren zum Ideal, und wo du es ahnst, da kannst du es auch in ihm zur Erscheinung bringen; denn er hat gewiss die Anlage dazu. Wer das Ideal leugnet in sich, der könnte es auch nicht verstehen in andern, selbst wenn es vollkommen ausgesprochen wär. – Wer das Ideal erkannte in andern, dem blüht es auf, selbst wenn jener es nicht in sich ahnt. Die Günderode im Jahr 4 Mahomets Traum in der Wüste Bei des Mittags Brand, Wo der Wüste Sand Kein kühlend Lüftchen erlabet, Wo heiss, vom Samum nur geküsset, Ein grauer Fels die Wolken grüsset, Da sinket müd der Seher hin. Vom trügenden Schein Will der Dinge Sein Sein Geist, betrachtend hier, trennen. Der Zukunft Geist will er beschwören, Des eignen Herzens Stimme hören, Und folgen seiner Eingebung. Hier flieht die Gotteit, Die der Wahn ihm leiht, Der eitle Schimmer zerstiebet. Und ihn, auf den die Völker sehen, Den Siegespalmen nur umwehen