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Gefahren, Eh ich dich, du schönes Licht! gesehn. Aber unsre Segel sind betrogen, Wolken kommen gegen dich gezogen. Und du wirst in ihrer Nacht vergehn. Oskar weilet noch an Selmas Küste! Oskar schiffe durch das dunkle Meer! O dass Winde deine Segel schwellten! Zittern würden dann Temoras Helden, Friede wäre um Dartula her. Wo wird Natos deinen Frieden finden? Wo Dartula! wo ist für dich Ruh? Geister der Gefallnen! sprach Dartula: Trutil! Colla! Führer von Selama! Winkt ihr mir aus euren Wolken zu! Natos! Reiche mir das Schwert der Tapfern, Vater! Ich will deiner würdig sein, In des Stahles Treffen werd ich gehen, Nimmer Caibars düstre Hallen sehen, Nein! Ihr Geister meiner Liebe! Nein! Freude glänzt in Natos bei den Worten, Die das schöngelockte Mädchen sprach: Caibar, meine Stärke kehret wieder! Komm mit Tausenden, Erins Gebieter! Komm zum Kampfe! Meine Kraft ist wach! Ja, er kömmt mit Tausenden! rief Ardan; Schreckbar tönet ihrer Schwerter Schall. – Lass zehntausend Schwerter sich empören: Usnot soll von Natos' Flucht nicht hören, Ardan: sag ihm, rühmlich war mein Fall. Winde! Warum brausen eure Flügel? Wogen! Warum rauscht ihr so dahin? Wellen! Stürme! Denkt ihr mich zu halten? Nein, ihr könnt's nicht, stürmische Gewalten, Meine Seele lässt mich nicht entfliehn. Wenn des Herbstes Schatten wieder kehren, Mädchen! Und du bist in Sicherheit, Dann versammle um dich Etas Schönen, Lass für Natos deine Harfe tönen, Meinem Ruhme sei dein Lied geweiht. – Natos blieb gestützt auf seinem Speere; Schaurig pfiff der Nachtwind um ihn her, Aber bei des Morgens erstem Strahle, Drang er vorwärts mit gezücktem Stahle, Mit dem Führer eilt Dartula her. Komm zum Zweikampf! ruft er, Fürst Temoras! Für Selamas Mädchen! – Caibar spricht: Stolzer, du entflohst mir mit der Schönen, Wähnst du, Caibar kämpft mit Usnots Söhnen? Nein, er kämpft mit Unberühmten nicht. In des königlichen Natos Augen Glänzen Tränen; und er wendet sich Zu den Brüdern, ihre Speere fliegen Rachedürstend und gewiss zu siegen, Erins Reihn verwirren schwankend sich. Da ergrimmet Caibars finstre Seele, Und er winket, tausend Speere fliehn, Usnots Söhne sinken wie drei Eichen, Die zur Erde ihre Wipfel neigen, Wenn des Nordens Stürme sie umziehn. Gestern sah sie noch der Wandrer blühen, Ihre stolze Schönheit freute ihn, Heute beugte sie der Sturm der Wüste, Sie, die gestern noch die Sonne grüsste. Sprachlos starret Collas Tochter hin. Höhnend naht ihr Caibar: "Mädchen sahst du Natos' Land, in fernes Blau gehüllt? Oder Fingals dunkelbraune Hügel? Ha! Entrannst du auch des Sturmes Flügel, Über Selma hätte meine Schlacht gebrüllt." Caibar sprach's. Da rauscht ein Pfeil, getroffen Sinkt sie, und ihr Schild stürzt vor sie hin. Wie des Schnees Säule sank sie nieder, Über Etas schlummernden Gebieter Spreiten sich die dunklen Locken hin. Da versammelten die hundert Barden Caibars um Dartulas Grabmal sich, Ihre Harfen rauschten um den Hügel, Und es schwang sich des Gesanges Flügel, Für der Mädchen Erins Schönste! dich! Trauer schreitet an Selamas Strömen, Schweigen wohnet in den Hallen nun. Collas Tochter sank zum Schlafe nieder, O wann grüssest du den Morgen wieder? Schöngelockte! Wirst du lange ruhn? Weit entfernet ist dein Morgen, nimmer Stehst du mehr in deiner Schönheit auf; Ach, die Sonne tritt nicht an dein Bette, Spricht: "Erwach aus deiner Ruhestätte! Collas schöne Tochter! Steig herauf!" Junges Grün entkeimet schon dem Hügel, Frühlingslüfte fliegen drüber her. Sonne, birg in Wolken deinen Schimmer! Denn sie schläft, der Frauen erste! Nimmer Kehret sie in ihrer Schönheit mehr. II Don Juan Es ist der Festtag nun erschienen, Geschmücket ist die ganze Stadt. Und die Balkone alle grünen, In Blumen blüht der Fürstin Pfad. Da kommt sie, schön in Gold und Seide Im königlichen Prunkgeschmeide An ihres Neuvermählten Seite. Erstaunet siehet sie die Menge Und preiset ihre Schönheit hoch! Doch einer, einer im Gedränge Fühlt tiefer ihre Schönheit noch. Er möcht in ihrem Blick vergehen, Da er sie einmal erst gesehen, Und fühlt im Herzen tiefe Wehen. Sein Blick folgt ihr zum Hochzeitstanze Durch all der Tänzer bunte Reih'n, Erstirbet bald in ihrem Glanze, Lebt auf im milden Augenschein. So wird er seines Schauens Beute, Und seiner Augen süsse Weide Bringt bald dem Herzen bittres Leiden. So hat er Monde sich verzehret In seines eignen Herzens Glut; Hat Töne seinem Schmerz verwehret, Gestählt in der Entsagung Mut; Dann könnt er vor'gen Mut verachten Und leben nur im tiefen Schmachten, Die Anmutsvolle zu betrachten. Mit Philipp war, an heil'ger Stätte, Am Tag der Seelen fromm geweiht, Sein Hof versammelt zum Gebete, Das Seelen aus der Qual befreit; Da flehen Juans heisse Blicke: Dass sie ihn einmal nur beglücke! Erzwingen will er's vom Geschicke. Sie senkt das Haupt mit stillen Sinnen Und hebt es dann zum Himmel auf; Da flammt in ihm ein kühn Beginnen, Er steigt voll Mut zum Altar auf. Laut will er seinen Schmerz ihr nennen, Und seines Herzens heisses Brennen In heil'ger Gegenwart bekennen. Laut spricht er: Priester