highChunks/1840_Arnim_003_17141.txt -- topic 49 topicPct 0.197231829166
's vorsingen, wenn's dunkel ist, eh das Licht kommt; wie kannst Du denn nur denken, dass ich die Kurprinzess lieber haben könnt? – Aber Du denkst es auch nicht, Du stellst Dich nur so, denn sonst wär's gar zu traurig für mich, dass Du nicht betrübt darüber wärst. – Ich kann mir unter Collas Tochter immer nur Dich denken; denn sie schläft, der Frauen erste! – Und so hab ich in mancher Stunde mit Tränen Dich besungen; denn ich kann das nicht singen, ohne dass es mein Herz so stark bewegt, abends wenn ich allein bin, dass ich oft meinen Kopf in die Kopfkissen stecke und will alle Wehmut erstikken, weil sie mich gar zu schmerzlich befällt. – Aber was soll ich doch hier, so fern von Dir, Dir von meinen bitteren Stunden sagen, das kann Dich nur traurig machen, und Du bist jetzt so betrübt. – Aber lass dich's nicht betrüben von mir, das ist nur so vorübergehend, wie eben die Schlossen, die hier fielen, ich will Dir lieber noch weiter erzählen von der Kurprinzess, Du weisst, dass ich traue in Deine Lieb und gar nicht denk, dass ich Dir gleichgültig bin, und auch nicht, dass Du an mir zweifelst. Die Kurprinzess verlangte heut morgen, ich sollte ihr noch ein Lied singen zur Gitarre, das sie als zuweilen vom Fenster gehört habe, das erschreckte mich sehr, denn der Herzog stand dabei und zog den Mund so kurios zusammen und sagte, er hab auch meine Stimme gehört, sie sei sehr schön; ich hätt gern ausgewichen, aber ich fühlte, dass es unschicklich war, ich holte also meine Gitarre, und unterwegs bezwang ich meine Angst vor dem Herzog, vor der Prinzess hätt ich mich auch nicht gefürcht; denn ich hatte schon oft die Abende in dem Laubgang vor ihrem Fenster allerlei Melodien improvisiert, weil mich einmal eine geheime Neigung zu ihr anregte, dass ich als recht zärtliche Melodien erfand. Vor dem Herzog hätt ich mich auch nicht gefürcht, aber weil ich den Morgen im Bad gesungen hatte, so dacht ich, er hätt's gehört und möcht wohl gar davon anfangen, und an den Zettel dacht ich auch. – Aber da kam mir mit einmal ein Gedanke, der half mir drüber hinaus, ich nahm Dein Dartulagedicht2 aus meiner Brieftasche mit und sang draus, was ich da oben Dir hingeschrieben, aus dem Kopf in eine Melodie hinein, im Anfang war's ein wenig steif, aber bald ging's recht, wie ich manchmal selbst überrascht bin und tief erschüttert, wie die Melodie soviel gewaltiger es ausdrückt und erst das Herz empfinden lehrt, und ich wiederholte es, da war's so schön, ach, wenn ich's doch noch einmal so singen könnt vor Dir; – der Herzog verlangte, ich sollte noch fortsingen, da war ich nicht mehr bang, ich sang gleich:
Lass zehntausend Schwerter sich empören,
Usnot sollt von meiner Flucht nicht hören,
Ardan! Sag ihm, rühmlich war mein Fall.
Winde! Warum brausen eure Flügel?
Wogen, warum rauscht ihr so dahin? –
Wellen! Stürme! Denkt ihr mich zu halten?
Nein, ihr könnt's nicht, stürmische Gewalten!
Meine Seele lässt mich nicht entfliehn.
Wenn des Herbstes Schatten wiederkehren,
Mädchen, und du bist in Sicherheit,
Dann versammle um dich Etas Schönen,
Lass für Natos deine Harfe tönen,
Meinem Ruhme sei dein Lied geweiht. –
Und dies zweite Mal sang ich noch besser, mit tieferer Stimme und war selbstfühliger; es sind die zwei Stellen, die ich aus Deinem Lied auswendig weiss, weil Du sie in meiner Gegenwart gemacht hast im Dunkel und sagtest zu mir: "Behalt es auswendig, bis Licht kommt, ich will unterdes weiter dichten," und ich wiederholte immer vier Verse, bis noch vier dazu fertig waren, die Du auch meinem Gedächtnis vertrautest und immer weiter schifftest im Ozean, Günderode, wie schön war doch das? – Wie werd ich je Schöneres erleben als mit Dir? – Dem Herzog hab ich Dein Gedicht gegeben und gesagt, es sei von Dir und auch den Don Juan3 hab ich ihm geschenkt, er lag dabei, ich dacht, du gibst mir's wieder; ich wollt ihm es so gern geben, weil ich sah, dass er grosse Freude dran hatte, Du gibst mir's wieder. – Die Kurprinzess verlangte, ich soll ihr die Melodie abschreiben lassen von dem Lied, ich sagte ja, aber wo ist die hin? Ich weiss nicht mehr – sie hat mich auch noch herzlich geküsst auf beide Wangen; und der Tonie sagte sie sehr freundlich, wenn sie es erlaube, so wolle sie den Strauss aus der Ananas mitnehmen und zum Andenken in ihrem Treibhaus pflanzen lassen. – Gelt, das war so freundlich, und ich will Dir's nur gestehen, dass mir heimlich recht leid getan hat, wie sie fort war, und alles kam mir so leer vor, dass ich doch drüber weinen musste, obschon ich nicht wollt, ich hielt mich auch gar nicht dabei auf, eben weil ich an Dich dachte und Dir keine Untreue wollte begehen. – Wir begleiteten sie bis zum Wagen, und sie sagte mir noch, wo ich ihr begegnete, da sollte ich immer zu ihr kommen, ich küsste ihre Hand