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Geistes. Allmälig aber wird die Welt immer wieder weise in der Idee, nachdem sie eine Zeitlang in den Bildern leichtsinnig und bewusstlos gewesen ist. Denn die Bilder, diese Naturelemente der Wahrheit, ermatten auch zuletzt an ihrem eigenen flatterhaften Flügelschlag, und werden überdrüssig des fahrenden und abenteuerlichen Lebens, das sie führen müssen in bunter Weltzerstreuung. Sie werden blass, wenn sie in die Tiefe des Grundes niederschauen, dem sie ursprünglich angehören, und sobald die Bilder in ihren eigenen Grund niedergeschaut haben, hören sie auf Bilder zu sein, denn sie sind die Wahrheit geworden. Dann treten die Weltperioden des Bewusstseins in die Geschichte ein, das ernst wie ein erhabenes Unglück über die Völker und die Menschen kommt. Da entstehen Zeiten der innern Beschauung, wo Alles still ist und wo kein Vogel singt und kein scherzender Zephyr durch den unbewegten Luftkreis zu gehen wagt. Die Geschichte des Menschengeistes scheint still zu stehen, und sich selbst anzusehen in grosser Bewunderung, dass sie den Gedanken hervorgebracht hat. Sie denkt den Gedanken, und ihr ist nicht wohl und nicht wehe, sie ist nicht traurig und nicht heiter, denn sie hat den Begriff gefunden. Sie ist Begriff geworden, wozu sollte sie traurig und wozu heiter sein? Sie ist der mit sich selbst eine Begriff, und die Traurigkeit und die Heiterkeit gehört dem Reich der Bilder an, aus denen der Begriff geworden ist, welcher alles Wohl und Wehe in sich überwunden. Aber diese Periode, ungeachtet ihrer Weltgerichtsmiene, ist auch nur eine U e b e r g a n g s - P e r i o d e , zum Trotz und zum Schrecken Denen, welche einen Abschluss, eine Endepoche darin gefunden wähnten! An diese Uebergangsperiode ist dann bereits das Hegelsche System als ein solches Culminations-System des sich selbst denkenden Gedankens, als die Lehre der nackten Wahrheit, verfallen, oder es ist vielmehr das eigentliche System dieser Uebergangsperiode selbst, und als solches weltistorisch. Ich nenne d e n s i c h s e l b s t d e n k e n d e n G e d a n k e n eine U e b e r g a n g s - P e r i o d e bloss der menschlichen Cultur. Nicht damit enden wird die Menschheit, sondern damit anfangen wird sie, die Erneuerung der Lebenszustände darauf zu gründen. Und die neue Bildungsepoche knüpft sich mit solcher Notwendigkeit an jenen Uebergangspunct an, als die Dichtung mit der Wahrheit, und die Wahrheit mit der Dichtung, die Schönheit mit der Weisheit und die Weisheit mit der Schönheit, notwendig zusammenhängt. Aber wann sich die Wahrheit von der Schönheit losgerissen hat, kann sie selbst nicht lange ausdauern in der unheimlichen Verlorenheit dieser Trennung, und es wird eine Weltaufgabe daraus, die Schönheit wiederzusuchen! Immer, wenn die Cultur gewisse Endpuncte erreicht hat, beginnt sie sich selbst umzubiegen, und indem sie sich zurückbildet in ihren Grund, aus dem sie geworden, erzeugt sie auf diesem Wege das Neue, das noch nicht dagewesen war. So muss der Begriff, der aus den Bildern geworden ist, wieder in die Bilder zurücktreten, und die Idee zaubert sich, um ihre höchste Bedeutung zu vollenden, noch in die Gestalt um, mit der sie jetzt Eines wird, während sie früher das Andere war zu ihr. Dies ist die Wiedereinsetzung des Bildes, das nun auf geistigem Grunde sicher und herrlich sich ausmalt, und als glänzendes Wahrzeichen mit der Verheissung in die Geschichte tritt, dass zwischen Geist und Welt das diesseitige Leben die Harmonie errungen. Das Bild hat den Geist, und der Geist hat das Bild, und das Diesseits hat die Einheit und die Kraft. Der nackte Begriff vermochte die Einheit nicht zu gründen, denn ich traf bei ihm gerade auf den Punct, wo er vielmehr die Spaltung im Leben festält. Des Bildes Schönheit aber ist jetzt eine reiche und unendliche, denn der ganze Reichtum des Erkannten, den der Menschengeist in seinen Tiefen aufgehäuft, ist emporgestiegen in die Glorie dieser Schönheit. Die Weisheit, an welcher die Zeit so schwer und seufzend trug, wie ein Greis an der Last seiner Jahre, wandelt sich in neue Götterjugend um, und hebt leichte Flügel bei tiefem Herzen. Nun sänftigt sich die Strenge des Bewusstseins in jene göttliche Unbewussteit, die doch Alles weiss, und die Das schon i s t , was sie weiss. Nun wird der frühlingfarbene Reiz des Unmittelbaren wieder hergestellt, und das Unmittelbare wiegt und schaukelt sich auf den goldenen Lebenswegen, und weiss und hat sich doch als ein Vermitteltes, das seelig feststeht. Nun muss die Reflexion wieder zur kräftig hinlebenden N a t u r werden, und was mit der Wurzel tief in das Innere schlägt, muss von aussen lachend und leichtsinnig wie Strauch und Blume blühn. Dies, dies ist die Einheit von Sein und Denken! Und so führt uns die gewaltig treibende Hoffnung einer Epoche zu, wo Philosophie und Poesie nicht nur versöhnt, sondern Eines geworden sind! Gebe Gott, gebe Gott, dass wir Strebenden es noch alle erleben! Und wann die Kraft des Diesseits, in der wir uns so mutig zusammenfassen, einmal zerreisst in unserer Seele, dann wollen wir von ganzem Herzen sterben! Denn der Tod zerbricht zwar wieder die Einheit von Körper und Geist, aber zugleich besiegt er das ganze Weltverhältniss von Form und Inhalt. Das Diesseits ist das Verhältniss von Form und Inhalt, und die Unsterblichkeit dieses Verhältnisses ist der Geist,