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hat sich zu einem Welttempel der Völker ausgebaut. So erfüllt es die Bedeutung, dass Gott in die Welt gekommen ist, immer mehr und mehr, denn diese Verweltlichung Gottes durch das Christentum war nicht bloss ein einmaliger und abgeschlossener Akt der Gnade, sondern eine unendlich sich wiederholende Emanation. Diese unendlich fortdauernde Weltwerdung Gottes ist die Entwickelungsfähigkeit in der Geschichte, und so ist Gott in der Geschichte ein sich entwickelnder Gott. Und darum erweist sich das Christentum, das sich aus der Kirche in die Geschichte hinein entwickelt, auch an allen fortwandelnden Bewegungen der Weltzustande immer beteiligt und mitleidend, ja es bringt dieselben hervor und wird zugleich von ihnen hervorgebracht. So kann und wird das Christentum, gleichwie es früher die Religion der Disharmonie war, und eine Spaltung der Lebenszustände begünstigte, nun auch eine harmonische Bildungsepoche der Völker, die sich von allen Seiten mächtig vorbereitet, nähren und tragen, ja erzeugen. Denn in einer Zeit, wo G e i s t und W e l t gleich gewaltig geworden sind und beide in den Strom e i n e r Geschichte zusammenfliessen, lässt sich nicht mehr feindlich trennen, was für die Verbindung geschaffen ist. Und das Geschlecht fasst sich echt menschlich zusammen in der gesunden Einheit seiner göttlichen und weltlichen Bestimmung, und vollbringt mit Freude und Ruhe die Taten des Lebens. Mit Freude, mit Ruhe, denn Gott ist Welt geworden! Die starre Lehre eines grossen deutschen Philoso phen vom D i e s s e i t s ist aber nicht die meinige. Zwar ist es ein bedeutender und hoch anzuschlagender Zug in der Hegel'schen Philosophie, dass auch sie, gleich dem St. Simonismus, gewissermassen die Wiedereinsetzung des Fleisches gepredigt und dem Diesseits, das früher nur als das Inhaltsleere gedacht wurde, seinen Inhalt zurückzugeben getrachtet hat. Aber durch diese Philosophie wird dann auch sogleich ein l e g i t i m e s Reich des Gedankens auf Erden gestiftet, und das D i e s s e i t s ist ein Abgeschlossenes, es ist das S y s t e m . Alles, was sich gegen die Legitimität eines Systems sagen lässt, muss auch gegen das Hegel'sche Diesseits, oder was dasselbe ist: gegen seine Weltanschauung, gesagt werden. Es ist das Diesseits der sich selbst bewegenden Idee, die nur sich selbst zu ihrem Ziele und Endpuncte hat, es ist das Diesseits ohne Jenseits, das Diesseits ohne Zukunft, das Diesseits, das mit dem Begriff anfängt und mit dem Begriff aufhört, das Diesseits, das f e r t i g w i r d , nachdem es sich construirt hat. Sein Diesseits ist nicht die g e s t i l l t e S e h n s u c h t , es ist das s e h n s u c h t s l o s e L e b e n , das keine Wünsche hat als sich, und darum diesseitig ist, weil es sonst nicht sich hätte. So war es mir immer merkwürdig zu sehen, wie Hegel das Sonnensystem erklärte, indem er seine ganze Weltanschauung, dieses in sich selbst abgesperrte Diesseits, scharf darin ausdrückte. Nicht die Sonne war ihm der eigentliche Mittelpunct des Systems, obwohl um diese die übrigen Körper sich bewegen, sondern die E r d e musste es sein, die er als den wahren g e i s t i g e n Mittelpunct des Sonnensystems begriff. Notwendig, die Erde! Denn der Gedanke, der sich nur in seinen Begriff fasst, erträgt die Abhängigkeit nicht, dass er um ein Anderes sich bewege, weil das Andere nur für ihn da ist, damit er sich daran hervorbringe oder durch den Gegensatz sich beleuchte. Er selbst aber, der Gedanke, er ist er selbst allein, wie von sich Richard III. sagt. Und in ein vollendetes System könnte die Weltanschauung nie gebracht werden, wenn sie nicht an dem sich selbst bewegenden Diesseits die Möglichkeit ihrer fertigen Systementwickelung erhielte. Dies Diesseits mag ich nicht, welches ohne das Jenseits ist! Dies Diesseits ohne Bild, ohne Farbe, ohne Sonne! Ich meine zwar nicht, dass die Hegelsche Philosophie insofern ohne das Jenseits ist, als verhielte sie sich in einer leeren Abstraction zu demselben. Das der absoluten Philosophie vorzuwerfen, könnte nur der Unverstand tun. Aber das Jenseitige in ihr, welches der Gedanke ist, hat in dem System ein diesseitiges Reich gegründet und die Bewegung des Geistes darin geschlossen, während doch Gott selbst, als er in die Welt sich tauchte, die fortdauernde Weltwerdung seiner selbst in alle Zukunft hinein frei liess. So ist alles Jenseitige in dem System aufgezehrt, und in dem Begriff zu einem Diesseitigen geworden, eine Verdiesseitigung, welche dann eben die Construction des Absoluten ist. Ein solches Diesseits, welches das aufgezehrte Jenseits ist, kann sich aber nicht mehr fortbewegen, weil es in der Tat bereits aus der Geschichte herausgetreten, ja ein Schlusspunct der Menschengeschichte wäre. Es ist, wie gesagt, ein stabil gewordenes, ein legitimes Reich des Gedankens, das keine Zukunft hat. Daher die Ungewissheit über die Unsterblichkeit der Seele in dieser Philosophie. Und ist ein System, welches das Jenseitige in sich abschliesst durch Verdiesseitigung des Absoluten, ist diese versteinerte Gegenwart ohne Zukunftshimmel nicht ein D i e s s e i t s o h n e J e n s e i t s ? Denn die Einheit des Daseins, welche durch dies System des Diesseits hergestellt und begünstigt zu werden