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an Dir vorübergezogen, die Dich begrüssten mit lautem Ehrenruf, Kränze haben sie vor Dir hergetragen, die Fahnen haben sie vor Dir geschwenkt, die Könige kamen und berührten den Saum Deines Mantels und brachten Dir goldne Gefässe und legten Ehrenketten um Deine freie Brust. Du weisst's nicht mehr, dass ich Dir die gesammelten Blumen, die wilden Kräuter alle in den Busen pflanzte und die Hand darauf legte, um sie fester zu drücken. Du weisst's nicht mehr, dass meine Hand gefangen lag inmitten Deiner Brust, und dass Du mich den wilden Hopfen nanntest, der Wurzel fasse da und dann hinauf nichts mehr an Dir zu kennen sei als bloss der wilde Hopfen. Sieh, in dieser Doppelwand von Fels- und Bergesschluchten, da haust des Widerhalles froher Ruf; sieh, meine Brust ist eine so kunstreich gebildete Doppelwand, dass ewig und ewig tausendfältig der freudige Schall so süsser Märe sich durchkreuzt. Wo sollte es ein Ende nehmen, dies Leben jugendlicher Lust? – Es liegt ja bewahrt und umgeben vom reinsten Entusiasmus – die Nahrung meiner Wiegezeit. Dein Hauch, dem der Gott Unsterblichkeit einblies, hat ja mir den Atem der Begeistrung eingeblasen. Lasse es Dir gefallen, dass ich Dir noch einmal die Melodien meiner schönsten Lebenswege vorsinge und zwar im begeisterten Rhytmus des augenblicklichen Genusses, wo die Lebensquellen von Geist und Sinne ineinanderströmen und so einander erhöhen, dass alles Bedeutung gewinne, dass nicht allein das Erfahrne sichtbar fühlbar werde, sondern auch das Unsichtbare, Ungehörte erkannt und erhört werde.
Sind's Pauken und Posaunen, die feierlichen Jubelschlag an die Wolken dröhnen? – Sind's Harfen und Zimbeln? – Ist's das Gewirr von tausend Instrumenten, das aufs Kommandowort sich ordnend löst, in reiner Linie Takt sich bildend wendet, die Sprache himmlischer Influenzen redet, eindringt in den Menschengeist mit Farb und Licht, die Sinne mit dem Geist vermählt? – Ist's dieser Erzeugung Kraft, die durch die Adern rinnt, das Blut beschwörend, das Irdische auszustossen und die reine Frucht himmlischer Liebe, himmlischen Lichtes zu nähren, zu gebären? – Hast Du's nicht vollbracht in mir, wenn es noch leuchtet in meiner Seele? – Ja, es leuchtet, wenn ich Deiner gedenke; – oder sind es nur Schalmeien sinnig und wähnend, nur an Phantasie streifend, nicht von ihrer Offenbarung ergriffen, was ich diesen Blättern zu vertrauen habe? – Was es auch sei! – Bis in den Tod geleite mich der ersten Liebe Musik. Zu Deinen Füssen pflanze ich den Grundbass ein, er wachse Dir zum Palmenhain auf, in dessen Schatten Du wandelst. Alles Liebe und Süsse, was Du mir gesagt hast, flüstre von Zweig zu Zweig wie leise Melodien zwitschernder Vögel; – die Küsse, die Liebkosungen zwischen uns seien die honigtriefenden Früchte dieses Haines; das Element meines Lebens aber: die Harmonie mit Dir, mit der Natur, mit Gott, aus deren Schoss die Fülle der Erzeugung steigt, aufwärts ans Licht, ins Licht, im Lichte vergehend: das sei der Strom, der gewaltige, der diesen Hain umzingelt, ihn einsam macht mit mir und Dir.
Weisst Du's noch, wie Du in der Dämmerung mich wieder bestelltest? – Du weisst nichts, ich weiss alles, ich bin das Blatt, auf das die Erinnerung aller Seligkeit geätzt ist. Ja ich ging um Dein Haus herum und wartete auf die Dämmerung und dachte, wenn ich an die Pforte kam: "Ob's wohl schon dunkel genug ist? – Und ob er dies wohl für die Dämmerung hält?" – Und aus Furcht, Deinen Befehl zu verfehlen, ging ich noch einmal um das Haus, und wie ich nun eintrat, da schmältest Du, dass ich zu spät gekommen, es sei schon lange dämmerig. Du habest lange schon auf mich gewartet. Dann liessest Du Dir ein weisses wollnes Gewand bringen und zogst das Tagskleid aus und sagtest: "Nun es gar Nacht geworden über dem Harren auf dich, so wollen wir recht nächtlich und bequem sein und recht feinwollig will ich gegen dich sein; denn du sollst mir heute beichten." Da kniete ich vor Dir auf dem Schemel und umfasste Dich und Du mich. Da sagtest Du: "Vertrau mir doch und sag mir alles, was in deinem Herzen Gewalt geübt hat, du weisst, ich hab dich nie verraten, kein Wort, kein Laut von dem, was deine Leidenschaft zu mir gerast hat, ist je über meine Lippen gekommen, so sag mir doch, denn es ist nicht möglich, dass dein Herz diese ganze Zeit über so ruhig war, sag mir doch, wer war's, kenne ich ihn? – Und wie war's? Was hast du noch alles gelernt und erfahren, was dich meiner vergessen machte?" –
Damals, lieber Freund, sagte ich Dir die Wahrheit, wie ich Dir beteuerte, dass mein Herz ganz still gewesen sei, dass nichts seitdem mich berührt habe; denn in demselben Augenblick war mir alles Wahn gegen Dich, und bleiches Schattenbild die ganze Welt, und abgeschiednes Totes schien mir des Schicksals Los in Deiner Nähe, ich konnte es sagen in vollem Bewusstsein, dass ich Deiner Schönheit gebunden sei; denn ich sah Dich ja an. – Du aber ruhtest nicht und wolltest durchaus wissen die Geschichte, die ich mich vergebens bemühte zu erfinden; denn ich schämte mich beinah, dass