highChunks/1835_Arnim_002_5619.txt -- topic 7 topicPct 0.250755280256

Samen der Liebe. – Phantasie ist die freie Kunst der Wahrheit. Und hier wär ein Gewaltiges mitzuteilen, wenn die Müdigkeit mich nicht überwältigte; es muss mir genügen, dass ich's empfinde, wie die Phantasie die Vermittlerin ist zwischen der himmlischen Weisheit und dem irdischen Geist. Jeder Gedanke hat Flügel und fliegt zu dem, der ihn eingibt; jeder Atemzug ein Gedanke, der zum Geliebten fliegt, nur was liebt, ist Gedanke und fliegt. – Ja, Gedanken sind geistige Vögel. Wenn ich nicht im Bett wär, so schrieb ich noch mehr, aber so zieht mich das Kopfkissen nieder. In Deinem Garten ist's so schön! Alle meine Gedanken sind Bienen, sie kommen aus Deinem duftenden Garten zum Fenster hereingeflogen, das ich mir geöffnet habe, und setzen da ihren Honig ab, den sie in Deinem blütenreichen Garten gesammelt haben. – Und so spät es ist, nach Mitternacht schon, so kommen sie doch noch einzeln und umsummen mich und wecken mich aus dem Schlaf; und die Bienen Deines Gartens und die Bienen Deines Geistes summen untereinander. Liebe ist Erkenntnis, Schönheit ist das Geheimnis ihrer Erkenntnis, und so tief ist dies Geheimnis, dass es sich keinem mitteilt als nur dem Liebenden. Glaub's nur! Keiner besitzt das Geheimnis von Dir, wie ich es besitze, das heisst: keiner liebt Dich, wie ich Dich liebe. Wieder ein Bienchen! – Deine Schönheit ist Dein Leben – es wollte noch mehr summen, aber der Wind jagte es wieder zum Fenster hinaus. – Dass ich in Deinem Garten schlafe eine Nacht, das ist wohl ein gross Ereignis. – Du hast oft hier herrliche Stunden verlebt, allein und mit Freunden; und nun bin ich allein hier und denke dem allen nach und seh im Geist dem allen zu. Ach, und wie ich heute, eh ich ins stille verlassene Haus eintrat, noch den Berg hinaufging zum obersten Baum, der so mit mannigfachem Grün umwachsen ist, das all von Deiner Hand geleitet wurde, der seine Äste schützend über den Stein verbreitet, in den die Weihe der Erinnerung eingegraben ist! – Dort oben stand ich ganz allein, ein wenig Mondlicht stahl sich durch den Baum, ich fühlte an der Rinde des Baumes nach den eingeschnittenen Buchstaben. Ach, gute Nacht. – Stehle ich dem Schlaf noch länger die Träume, so werden meine Gedanken Schäume. *** Da oben sah ich Dein Haus erleuchtet. Ich dachte: wenn Du bei diesem Licht meiner harrtest, und ich käm herab den frischen Mondscheinweg mit so wohl vorbereitetem Herzen, und ich träte ein bei Dir, wie freundlich Du mich aufnehmen würdest. Bis ich herabkam, hatte mir meine Einbildungskraft weisgemacht, es könne möglich sein, dass Du da seist, und obschon ich wusste, dass dies Licht allein in meiner Kammer brenne, denn ich hatte es ja selber angezündet, so öffnete ich doch mit Zagen die Tür; und wie ich diese stille Einsamkeit gewahrte, auf dem Tisch die getrockneten Pflanzen, und an den Wänden die Steine und die Muscheln, und die Schmetterlinge, und das erhabene Dunkel, was mit den Strahlen der Lampe spielte; und wie ich da eintrat, da blieb ich am Türpfosten angelehnt stehen und holte erst Atem. Und nun lieg ich in diesem Bettchen zum Schlafen, es ist hart, das Bett, ein einziger Strohsack und eine wollne Decke drüber, und zum Zudecken eine graue Decke mit bunten Blumen, und kein Mensch weiss, dass ich die Nacht hier zubringe, als nur Du. Irdische Jugend ist bewusstlos, sie steigt aus ihrer Knospe, ihre Entfaltung ist ihr Ziel. Bewusstsein der Jugend ist schon übersinnliche Jugend. In Dir bin ich meiner Jugend bewusst. Ich sehe sie alle, die goldnen Tage, die ich in Dir verlebte, gekrönt ein jeder mit wunderbaren Blüten. Stolz erhaben einherschreitend feurigen raschen Geistes; unberührt, keusch, vor der Gemeinheit sich flüchtend in höhere Regionen; ein milder Schimmer durchglänzt sie, es ist der Abendschein Deines Lebens. Ach, und der heutige Tag ist auch ein solcher, er schliesst sich an die Reihe der verflossenen an, majestätisch, triumphierend; obzwar ich allein bin hier im verlassenen Haus, ohne Einrichtung, mich zu empfangen, hier sind noch die Spuren des vergangenen Winters. Der Geist taucht unter in der Jugend als in einem Meer. Jugend wird sein Element, in ihm wird der Geist zur Liebe. Jugend bereitet den Geist vor zur Ewigkeit, die ewige Jugend ist. Ich glaub an Deine Gegenwart in diesem einsamen Gemach, ich glaub, dass Du mich hörst, mich empfindest; ich spreche mit Dir. Du fragst, ich antworte Dir. Jeder strebt nach Jugend, weil das Bedürfnis des Geistes Entwicklung in der Liebe ist. Nachdem ich schon ein Weilchen geschlafen habe: Nichts ist dem Genius neu, alles ist ihm Element. In der Liebe ist einer dem andern Genius und wird einer dem andern Element. Du bist mir Element, und ich kann die Flügel regen in Dir, und das ist das einzige Erkennen, das einzige Empfinden, das einzige Haben. Und Du magst Dich tausendfach aus Dir heraussehnen, nie wirst Du Dich selbst finden, als indem Du Dich in einen andern ergiessest; nie wirst Du im andern sein, als wenn er in Dir ist. Denken sieht und berührt, es ist innigste Berührung mit dem Geist des Bedachten. Wenn der Geist zur Musik wird