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? – Und wenn wir ihn da nicht empfänden, wie und wo sollten wir seine Spur suchen? –
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Was fasele ich vom Frühling, was spreche ich von heiteren Tagen, von Genuss und Glück? – Du! – das Bewusstsein von Dir verzehrt mir jede Regung; ich kann nicht lächeln zum Scherz, ich kann nicht mich freuen, ich kann nicht hoffen mit den andern. Dass ich Dich kenne, dass ich Dich weiss, macht meine Sinne so still.
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O heute ist ein wunderbarer Tag! – heute leide ich Schmerzen, so schwer ist die Seele! Du bist nah, ich weiss es, gar nicht fern ist der Weg zu Dir, aber mich trennt der kleine Raum wie die Unendlichkeit. Der Moment der Sehnsucht ist es, der gefühlt und befriedigt sein will, und wenn der Geliebte den nicht ahnt, wenn er die Liebe versäumt, was kann mich ihm nah bringen! Ach, schauerlicher Tag, der heute in Erwartung und Sehnsucht verging!
Wen mache ich zum Vertrauten? wer fühlt menschlich mit mir? – wem klag ich über Dich? – wer ist mein Freund? – wer darf's wagen auf diesen Stufen hinanzusteigen, auf denen ich mich aller menschlichen Berührung entoben habe? – wer darf die Hand mir an die Stirn legen und sagen; "Der Friede sei mit dir?" –
Dir klag ich's, den ich suche, Dir ruf ich's zu über die Klüfte, denk nur, mit heissem Ruderschlag überfliege ich die Zeit, das Leben; ich jage sie hinter mich, die Minuten der Trennung, und nun, ihr Inseln der Seligen, findet mein Anker keinen Grund. Wildes Gestade! – feindseliger Strand! – Ihr lasset mich nicht landen, nicht ahnen des Freundes Brust, der kennt die Geheimnisse und den göttlichen Ursprung und meines Lebens Ziel. Er hat, dass ich ihn schauen lerne, des Lichtes unbefleckten Glanz mir im Geiste geweckt, er hat – begleitend in raschen Liedern die Genüsse, die Leiden der Liebe – mich gelehrt, zwischen beiden voranschreitend: den Schicksalsschwestern, mit leuchtender Fackel des Eros zu bestrahlen den Weg.
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Heute ist ein andrer Tag, die böse Furcht ist gestillt, es tobt nicht, es braust nicht mehr im Herzen, die Klage unterbricht nicht mehr der Liebe glanzerfüllte Stille. – Ach, heute ist die Sonne nicht hinab, ihre letzten Strahlen breiten sich unter Deine Schritte; sie wandelt – die Sonne, sie steht nicht still, sie führt Dich ein bei mir, wo Dämmerung Dir winkt und der von Violen geflochtene Kranz. O Liebster! – dann steh ich schweigend vor Dir, und der Duft der Blumen wird für mich sprechen bei Dir.
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Ich bin freudig wie der Delphin, der auf weitruhendem Meeresplan ferne Flöten vernimmt; er jagt mutwillig die Wasser in die glänzende Stille der Luftöhen, dass sie auf der glatten Spiegelfläche einen Perlenrausch verbreiten; jede Perle spiegelt das Universum und zerfliesst, so jeder Gedanke spiegelt die ewige Weisheit und zerfliesst.
Deine Hand lehnte an meiner Wange, und Deine Lippe ruhte auf meiner Stirn, und es war so still, dass Dein Atem verhauchte wie Geisteratem. Sonst eilt die Zeit den Glücklichen, aber diesmal jagte die Zeit nicht; eine Ewigkeit, die nie endet, ist diese Zeit, die so kurz war, so in sich, dass ihr kein Mass kann angelegt werden.
An milden Frühlingstagen, wo dünnes Gewölk der jungen Saat den fruchtbringenden Regen spendet, da ist es so wie jetzt in meiner Brust; mir ahnet, wie dem kaum gewurzelten Keim seine künftige Blüte ahnet, dass Liebe ewige, einzige Zukunft sei.
Gut sein begnügt die Seele, wie das Wiegenlied die Kinderseele zum Schlaf befriedigt. Gut sein ist die heilige Ruhe, die der Same des Geistes haben muss, eh er wieder gezeitigt ist zur Saat. – Der Geist aber ahnt, dass Gutsein die Vorbereitung zu einem tiefen unerforschlichen Geheimnis ist. Das hast Du mir anvertraut, Goete! – gestern abend beim Sternenhimmel am offnen Fenster, wo ein Lüftchen nach dem andern hereinschwirrte und wieder hinaus. – Wenn also die Seele gut ist: das ist eine Ruhe, ein Einschlafen im Schoss Gottes, wie der Same im Schoss der Natur schläft, eh er keimt. Wenn aber der Geist das Gute will, so will er die Gotteit selbst; so will er jenes Geheimnis der Güte als Speise, Nahrung und Vorbereitung seiner nahen Verwandlung; so pocht er an, wie der verborgne Strom im Felsenschoss, dass er ans Licht will. Solchen kühnen Mut hat Dein Geist, dass seinem Dringen Tor und Riegel aufgetan wurden, und dass er hervorbrausen durfte, über alle Zeiten hinweg, wo Geist in Geist greift, Well in Well geboren, Well in Well verloren.
Solcherlei Gespräche führten wir gestern abend, und Du sagtest noch: "Kein Mensch würde glauben, dass wir beide so miteinander sprechen."
Wir sprachen auch von der Schönheit: Schönheit ist, wenn der Leib von dem Geist, den er beherbergt, ganz durchdrungen ist. Wenn das Licht des Geistes von dem Leib, den er durchdringt, ausströmt und seine Formen umkreist, das ist Schönheit. Dein Blick ist schön, weil er das Licht Deines Geistes ausströmt und in diesem Lichte schwimmt.
Der reine Geist bildet sich einen reinen Leib im Wort, das ist die Schönheit der Poesie. Dein Wort ist schön, weil der Geist