highChunks/1835_Arnim_002_5585.txt -- topic 7 topicPct 0.265671640635
mich ausruhen von der tränenbewegten Ahnung, ich sei Dir nichts, ich sei Dir vergessen. O nein, vergesse mich nicht, nimm mich, halt mich fest und lasse die Stille um uns her den Segen sprechen über uns.
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Du hast mir's beim Abschied damals gesagt. Du hast mir's abgefordert, ich möge Dir alles schreiben, und genau, was ich denke und fühle, und ich möchte gern; aber Liebster, die wunderlichen Wege, die mit dämmernder Fackel der Verstand kaum beleuchtet, wie soll ich die Dir beschreiben? – Diese Träume meines Glückes (denn glücklich träum ich mich), sie sind so stürmisch, so wunderlich gelaunt, es ist so unscheinbar, was ich mir manchmal ersinne.
Mein Glück, wie ich's mir denke, wie soll ich Dir's beschreiben? Sieh die Mondsichel am wolkenlosen Himmel und die breitästige, reich belaubte Linde; denke! Sieh unter ihrem flüsternden Laub, die flüsternd auch, einander umfassen, die beiden; wie einer den andern bedarf und feurig liebend an ihm hinauf reicht, wie jener mit freundlichem Willen sich ihm neigt und diesem Flüstern der Liebe Gehör gibt; und denke noch: die Mondessichel, die Sterne müssten nicht untergehen, bis diese Seelen, ineinander gesättigt, ihre Schwingen ausbreiten und höheren Welten zufliegen.
Dies spräche heute mein Glück aus, o lieber Freund, es spräche es einmal in vollem umfassenden Sinn aus.
So wie das Aug die Schönheit erfasst, so auch der Geist; er umfasset den Inbegriff der innern Schönheit wie der äussern, mit Schmeichelworten bringt er beide in Einklang, und der Leib wirkt magisch auf den Geist, der so schmeichelt, und so dieser auf ihn zurück, dass beide ineinander aufblühen, und das nennen wir begeisternde Schönheit. Mein Freund, das ist das Flüstern der Liebe, wenn Liebende einander sagen, dass sie schön sind.
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Wo ist denn der Ruhesitz der Seele? Wo fühlt sie sich beschwichtigt genug, um zu atmen und sich zu besinnen? – Im engen Raum ist's, im Busen des Freundes; – in Dir heimatlich sein, das führt zur Besinnung.
Ach, wie wohl ist mir, wenn ich ganz wie ein Kind in Deiner Gegenwart spielen darf; wenn alles, was ich beginne, von dem Gefühl Deiner Nähe geheiligt ist; und dass ich mich ergehen kann in Deiner Natur, die keiner kennt, keiner ahnet. – Wie schön ist's, dass ich allein mit Dir bin, dort, wo die Sterne sich spiegeln in der klaren Tiefe Deiner Seele.
Gönne es mir, dass ich so meine Welt in Dir eingerichtet habe; vernichte nicht mit Deinem Willen, was Willkür nie erzeugen könnte.
Ich küsse Deiner Füsse Spuren und will mich nicht hereindrängen in Deine Sinnenwelt, aber sei mit mir in meiner Gedankenwelt; lege freundlich die Hand auf das Haupt, das sich beugt, weil es der Liebe geweiht ist. Der Wind rasselt am Fenster; welche Länder hat er schon durchstreift? Wo kommt er her? Wie schnell hat er die Strecke von Dir zu mir durchflogen? Hat er keinen Atemzug, in seinem Rasen und Toben, keinen Hauch von Dir mit fortgerissen?
Ich habe den Glauben an eine Offenbarung des Geistes; sie liegt nicht im Gefühl, im Schauen oder im Vernehmen; sie bricht hervor aus der Gesamteit der auffassenden Organe; wenn die alle der Liebe dienen, dann offenbaren sie das Geliebte; sie sind der Spiegel der inneren Welt. Ein Dasein im Geliebten haben ohne einen Standpunkt sinnlichen Bewusstseins, was kann mächtiger uns von unserer geistigen Macht und Unendlichkeit überzeugen? –
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Sollte ich Dir heute nichts zu sagen haben? – Was stört mich denn heute am frühen Morgen? Vielleicht, dass die Sperlinge die Schwalben hier aus dem Nest unter meinem Fenster vertrieben haben? – Die Schwalben sind geschwätzig, aber sie sind freundlich und friedlich; die Sperlinge argumentieren, sie behaupten und lassen sich ihren Witz nicht nehmen. Wenn die Schwalbe heimkehrt von den Kreisflügen um ihre Heimat, dann ergiesst sich die Kehle in lauter liebkosende Mitteilung, ihr gegenseitiges Gezwitscher ist das Element ihrer Liebeslust, wie der Äter das Element ihrer Weltanschauung ist. Der Sperling fliegt da und dortin, er hat sein Teil Eigensucht, er lebt nicht wie die Schwalbe im Busen des Freundes.
Und nun ist die Schwalbe fort, und der Sperling hat ihren Wohnsitz, wo süsse Geheimnisse und Träume ihre Rollen spielten.
Ach! – Du! Meine schlüpfrige Feder hätte schier Deinen Namen geschrieben, während ich im Zorn bin, dass die Schwalbe vom Sperling verjagt ist. Ich bin die Schwalbe, wer der Sperling ist, das magst Du wissen, aber ich bin wahrhaftig die Schwalbe.
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Um Mitternacht
Gesang unter meinem Fenster; sie sitzen auf der Bank an der Haustür; der Mond, wie er mit den Wolken spielt, hat sie wohl zum Singen gebracht, oder auch die Langeweile der Ruhe; die Stimmen verbreiten sich durch die Einsamkeit der Nacht, da hört man nichts als nur das Plätschern der Wellen am Ufer, die die langen gehaltenen Intervalle dieses Gesangs ausfüllen.
Was ist dieser Gesang für mich? Warum bin ich in seine Gewalt gegeben, dass ich mich der Tränen kaum entalte? – Es ist ein Ruf in die Ferne; wärst Du jenseits, wo seine letzten Töne verhallen, und empfändest den Ausdruck der herzlichen Sehnsucht, den er in mir aufgeregt hat, und wüsstest