highChunks/1835_Arnim_002_5583.txt -- topic 7 topicPct 0.279365092516

entlang, das von beiden Seiten eng in Bergwände eingelagert ist; da rieseln die Bäche nieder ins sanfte Gras und lallen wie Wiegenkindchen. Was sollt ich machen? Es war mir im Herzen, auf der Lippe und im tränenschwellenden Auge; ich musste Dir's klagen, ich musste Dir's wehmütig vorhalten, dass ich Dich nicht habe, und da war die Sonne so freundlich; da rauschte es, da bewegte sich's hinter mir; – war es ein Wild? War's ein Anklang aus der Ferne? Ich stieg rasch aufwärts, ich wollte Dich ereilen, und auf der Höhe da öffnete sich dem Blick die weite Ferne; die Nebel teilten sich, es war mir, als trätest Du meinen Bitten entgegen geheimnisvoll, schautest mich an und nähmst mich auf an Deinem mir unerforschten Busen. Jeder ewige Trieb, er wirbt und erreicht, er ist ausser der Zeit. – Was hab ich zu fürchten? – Diese Sehnsucht, ist sie vergänglich, so wirst Du mit ihr verschwinden; ist sie es nicht, so wird sie erreichen, wonach sie strebt, und schon jetzt hab ich ihr eine Innenwelt, mannigfaltig und eigentümlich, zu verdanken; Wahrnehmungen und Gedanken nähren mich, und ich fühle mich in einem innig lebendigen Einverständnis mit Deinem Geist. Die Natur ist kindlich, sie will verstanden sein, und das ist ihre Weisheit, dass sie solche Bilder malt, die der Spiegel unserer inneren Welt sind, und wer sie anschaut, in ihre Tiefen eingeht, dem wird sie die Fragen innerer Rätsel lösen; wer sich ihr anschmiegt, der wird sich in ihr verstanden fühlen; sie sagt jedem die Wahrheit, dem Verzweifelnden wie dem Glücklichen. Sie beleuchtet die Seele und bietet ihren Reichtum dem Bedürftigen; sie reizt die Sinne und entzückt den Geist durch übereinstimmende Bedeutung. Ich glaube auch von Dir, dass Du dies manchmal empfunden hast, wenn Du allein durch Wälder und Täler streifst; oder wenn Du vom Schattenlager die weite Ebene am Mittag überschaust, dann glaub ich, dass Du die Sprache der Stille in der Natur verstehst; ich glaub, dass sie mit Dir Gedanken wechselt, dass Du in ihr Deine höhere Natur gespiegelt empfindest, und wenn auch schmerzlich oft durch sie erschüttert, so glaub ich doch nicht, dass Du Dich vor ihr fürchtest wie andere Menschen. Solang wir Kinder sind im Gemüt, solang übt die Natur Mutterpflege an uns; sie flösst Nahrung ein, von der der Geist wächst, dann entfaltet sie sich zum Genius; sie fordert auf zum Höchsten, zum Selbstverständnis, sie will Einsicht in die inneren Tiefen; und welcher Zwiespalt auch in diesen sein möchte, welcher Vernichtung auch preisgegeben, – das Vertrauen in die höhere Natur, als in unseren Genius, wird die ursprüngliche Schönheit wieder herstellen. Das sag ich heute vorm Schlafengehen zu Dir; zu Dir spreche ich hier, getrennt durch Länder und Flüsse, getrennt, weil Du meiner nicht denkst; und jeder, der es wüsste, der würde es Wahnwitz nennen; und ich rede zu Dir aus meiner tiefsten Seele, und ob Du schon mit Deinen Sinnen mich nicht wahrnimmst, so dringt mein Geist darauf. Dir alles zu sagen, hier aus der Ferne rede ich mit Dir, und mein ganzes sinnliches Leben ist mir nichts gegen diese Geistersprache. Du bist inmitten meines Innern, es ist nicht mehr eins, es ist zu zweien in mir geworden. *** Am Abend nach dem Gewitter, das vielleicht zu Dir gezogen ist Leg Dich, brausendes Herz, wie der Wind sich legt, der die Wolken zerreisst; die Donner sind verrollt, die Wolken haben ausgeregnet, ein Stern nach dem andern geht auf. Die Nacht ist ganz stille, ich bin ganz allein, die Ferne ist so weit, sie ist ohne Ende; nur da, wo ein Liebender wohnt, da ist eine Heimat und keine Ferne; wenn Du nun liebtest, so wüsst ich, wo die Ferne aufhört. Ja, leg dich Herz! Tobe nicht, halt ruhig aus. Schmiege dich, wie die Natur sich schmiegt unter der Decke der Nacht. Was hast du Herz? Fühlst du nicht? Ahnest du nicht? – Wie sich's auch füge und wende, die Nacht deckt dich und die Liebe. Die Nacht bringt Rosen ans Licht. Wenn sich die Finsternis dem Lichte auftut, dann entfallen ihrem Schoss die Rosen. Es ist freilich Nacht in dir, Herz. Dunkle geheimnisvolle Nacht webt Rosen, und ergiesst sie alle, wenn's tagt, der Liebe zur Lust in den Schoss. Ja, Seufzen, Klagen, das ist deine Lust; Bitten, Schmeicheln, nimmt das kein Ende, Herz? Am Abend schreib ich, wenn auch nur wenige Zeilen; es dauert doch bis spät in die Nacht. Viel hab ich zu denken, manche Zauberformel spreche ich aus, eh ich den Freund in meinen Kreis banne. Und hab ich Dich! – dann: – was soll ich da sagen? – Was soll ich Dir Neues erfinden, was sollen die Gedanken Dir hier auf diesen Blättern vortanzen? – *** Am Rhein Hier in den Weinbergen steht ein Tempel; erbaut nach dem Tempel der Diana zu Ephesus. Gestern im Abendrot sah ich ihn in der Ferne liegen; er leuchtet so kühn, so stolz unter den Gewitterwolken; die Blitze umzingelten ihn. So denke ich mir Deine leuchtende Stirne, wie die Kuppel jenes Tempels