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. Der Weg zu Dir ist die Erinnerung, durch sie wirke ich an einer Gemeinschaft mit Dir, sie ist mir Erscheinung und Gegenerscheinung; Geistergespräch, Mitteilung und Zuneigung, und was mir damals ein Rätsel war, dass ich bei zärtlichem Gespräch mehr den Bewegungen Deiner Züge lauschte, als Deinen Worten, dass ich Deine Pulsschläge, Dein Herzklopfen zählte, die Schwere und Tiefe Deines Atems berechnete, die Linien an den Falten Deiner Kleider betrachtete, ja den Schatten, den Deine Gestalt warf, mit Geisterliebe in mich einsog, das ist mir jetzt kein Rätsel mehr, sondern Offenbarung, durch die mir Deine Erscheinung um so fühlbarer wird und die auch mein Herz bei der Erinnerung zum Klopfen und den Atem zum Seufzen bewegt. Sieh! An den Stufen der Verklärung, wo sich alle willkürliche Tätigkeit des Geistes niederbeugen lässt von irdischer Schwere, keine Liebe, keine Bewunderung ihre Flügel versucht, um die Nebel zu durchdringen, in die der Scheidende sich einhüllt, und die zwischen hier und jenseits aufsteigen, bin ich in liebender Ahnung Dir schon vorangeeilt, und während Freunde, Kinder und Schützlinge, und das Volk, das Dich seinen Dichter nennt, die Seele zum Abschied bereitend, Dir in feierlichem Zug langsam nachschreitet, schreite, fliege, jauchze ich bewillkommend Dir entgegen, die Seele in den Duft der Wolken tauchend, die Deine Füsse tragen, aufgelöst in die Atmosphäre Deiner Beseligung; ob wir uns in diesem Augenblick verstehen, mein Freund! Der noch den irdischen Leib trägt, dieser Leib, der seinen Geist, ein Urquell der Grazie, ausströmte über mich, mich heiligte, verwandelte, der mich anbeten lehrte die Schönheit im Gefühl, der diese Schönheit als einen schützenden Mantel über mich ausbreitete und mein Leben unter dieser Verhüllung in einen heiligen Geheimniszustand erhgb, ob wir uns verstehen, will ich nicht fragen in diesem Augenblick tiefster Rührung. Sei bewegt, wie ich es bin; lass mich erst ausweinen, Deine Füsse in meinen Schoss verbergend, dann ziehe mich herauf ans Herz, gib Deinem Arm noch einmal die Freiheit, mich zu umfassen, lege die segnende Hand auf das Haupt, das sich Dir geweihet hat, überströme mich mit Deinem Blick, nein! mehr! verdunkle, verberge Deinen Blick in meinem, und es wird mir nicht fehlen, dass Deine Lippen die Seele auf den meinen als Dein Eigentum besiegeln. Dies ist, was ich diesseits von Dir verlange. Im Schosse der Mitternacht, umlagert von den Prospekten meiner Jugend; das hingebendste Bekenntnis aller Sünden, deren Du mich zeihen willst im Hinterhalt, den Himmel der Versöhnung im Vorgrund, ergreife ich den Becher mit dem Nachttrunke und leere ihn auf Dein Wohl, indem ich bei dem dunkeln Erglühen des Weines auf kristallnem Rande der herrlichen Wölbung Deiner Augen gedenke. Am 1. Januar Der herrlichen Wölbung Deiner Augen gedenkend auch heute am ersten Tag des Jahres, da ich so unwissend bin wie am ersten Tag meines Lebens, denn nichts hab ich gelernt, und keine Künste hab ich versucht, und keiner Weisheit bin ich mir bewusst; allein der Tag, an dem ich Dich gesehen habe, hat mich verständigt mit dem, was Schönheit ist. Nichts spricht überzeugender von Gott, als wenn er selbst aus der Schönheit spricht, so ist denn selig, wer da siehet, denn er glaubt; seit diesem Tag hab ich nichts gelernt, wo ich nicht durch Erleuchtung belehrt wurde. Der Erwerb des Wissens und der Künste schien mir tot und nicht zu beneiden, Tugend, die nicht die höchste Wollust ist, währt nur kurz und mühselig, bald glaubt der Strebende sie zu erfassen, bald eilt er der Fliegenden nach, bald ist sie ihm entschwunden, und er ist's zufrieden, da er der Mühe überhoben wird, sie zu erwerben. So seh ich denn auch die Künstler vergnügt mit der Geschicklichkeit, während der Genius entflieeignen Grösse immer am höchsten und ahnen nicht, dass eine ungemessne Begeistrung zum kleinsten Massstab des Genies gehöre. – Dies alles hab ich bei Gelegenheit, da Deine Statue von Marmor soll verfertigt werden, recht sehr empfunden, die bedächtige vorsichtige Logik eines Bildhauers lässt keiner Begeistrung die Vorhand, er bildet einen toten Körper, der nicht einmal durch die rechtskräftige Macht des erfinderischen Geistes sanktioniert wird. Der erfundne Goete konnte nur so dargestellt werden, dass er zugleich einen Adam, einen Abraham, einen Moses, einen Rechtsgelehrten oder auch einen Dichter bezeichnet; keine Individualität. Indessen wuchs mir die Sehnsucht, auch einmal nach dem heiligen Ideal meiner Begeistrung Dich auszusprechen; beifolgende Zeichnung gebe Dir einen Beweis von dem, was Inspiration vermag ohne Übung der Kunst, denn ich habe nie gezeichnet oder gemalt, sondern nur immer den Künstlern zugesehen und mich gewundert über ihre beharrliche Ausdauer in der Beschränkung, indem sie nur das achten, was einmal Sprachgebrauch in der Kunst geworden, und wohl das bekannte gedankenlose Wort achten, nie aber den Gedanken, der erst das Wort heiligen soll. Kein herkömmlicher Prozess kann den Geist und den Propheten und den Gott in einem ewigen Frieden in dem Kunstwerk vereinen. Der Goete, wie ich ihn hier mit zitternder Hand, aber mit feuriger mutiger Anschauung gezeichnet habe, weicht schon vom graden Weg der Bildhauer ab, denn er senkt sich unmerklich nach jener Seite, wo die im Augenblick der Begeistrung vernachlässigte Lorbeerkrone in der losen Hand ruht. Die Seele von höherer Macht beherrscht, die Muse in Liebesergüssen beschwörend, während die kindliche Psyche das Geheimnis seiner Seele durch die Leier