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. Den 23. November Alle Blumen, die noch im Garten stehen, einsammeln, Rosen und frische Trauben noch in der späten Jahreszeit zusammenbringen, ist kein unsittlich Geschäft und verdient nicht den Zorn dessen, dem sie angeboten sind. Warum soll ich mich fürchten vor Dir? – Dass Du mich zurückgestossen hast mit der Hand, die ich küssen wollte, das ist schon lange her, und heut bist Du anders gesinnt. – Dem Becher, aus dem Du heute getrunken, sei dieser Strauss in den Kelch gepflanzt, er übernachte diese letzte Blumen, er sei ein Grab diesen Blumen, morgen wirf den Strauss weg und fülle den Becher nach Gewohnheit. – So hast Du mir's auch gemacht, Du hast mich weggeworfen aus dem Gefäss, das Du an die Lippen zu setzen gewohnt bist. Den 24. Eine Zeitlang flattert die Seele am Boden, aber bald schwebt sie aufwärts in den kühlenden Äter. Schönheit ist Äter! – Sie kühlt, – nicht entflammt. – Die Schönheit erkennen, das ist die wahre Handlung der Liebe. – Liebe ist kein Irrtum, aber ach! der Wahn, der sie verfolgt. – Du siehst, ich will einen Eingang suchen mit Dir zu sprechen, aber wenn ich auch auf Koturnen schreite – der Leib ist zu schwach, den Geist zu tragen, – beladne Äste schleifen die Früchte am Boden. Ach! Bald werden diese Träume ausgeflammt haben. Den 29. Juni 1822 Du siehst an diesem Papier, dass es schon alt ist, und dass ich's schon lang mit mir herumtrage, ich schrieb's im vorigen Jahr, gleich nachdem ich Dich verlassen hatte. Es war mir plötzlich, als wollen alle Gedanken mit mir zusammenbrechen, ich musste aufhören zu schreiben; doch ruft von Zeit zu Zeit eine Stimme, dass ich Dir noch alles sagen soll. Ich geh aufs Land, da will ich womöglich den Blick über dies Erdenleben hinaustragen, ich will ihn in Nebel hüllen, dass er nichts gewahr werde ausser Dir. – Ausser der Sonne, die den Tautropfen in sich fasset, soll er nichts fassen. Jede Blüte, die sich dem Lichte öffnet, fasset einen Tautropfen, der das Bild der wärmenden belebenden Kraft aufnimmt; aber Stamm und Wurzel sind belastet mit der finsteren, festen Erde; und wenn die Blüte keine Wurzel hätte, so hätte sie wohl Flügel. – Heute ist so warm, heute sei ergeben in die Gedanken, die Dir dies Papier bringt. Zeit und Raum lass weichen zwischen unsern Herzen, und wenn's so ist, dann hab ich keine Bitte mehr, denn da muss das Herz Bettine Von Goetes Hand auf diesen Brief geschrieben: "Empfangen den 4. Juli 1822" An Goete Schon oft hab ich mich im Geist vorbereitet, Dir zu schreiben, aber Gedanken und Empfindungen, wie die Sprache sie nicht ausdrücken kann, erfüllen die Seele, und sie vermag nicht, ihr Schweigen zu brechen. So ist denn die Wahrheit eine Muse, die das Kunstgebilde ihrer Melodien zwar in dem, den sie durchschreitet, harmonisch begründet, nicht aber sie erklingen lässt. – Wenn alles irdische Bedürfnis schweigt, alles irdische Wissen verstummt, dann erst hebt sie ihrer Gesänge Schwingen. – Liebe! Trieb aller Begeistrung, erneut das Herz, macht die Seele kindlich und unbefleckt. Wie oft ist mein Herz unter der Schlummerdecke des Erdenlebens erwacht, begabt mit dieser mystischen Kraft, sich zu offenbaren; der Welt war ich erstorben, die Seele ein Mitlauter der Liebe, und daher mein Denken, mein Fühlen, ein Aufruf an Dich: Komm! Sei bei mir! Finde mich in diesem Dunkel! – Es ist mein Atem, der um Deine Lippen spielt, der Deine Brust anfliegt; – so dachte ich aus der Ferne zu Dir, und meine Briefe trugen Dir diese Melodien zu; es war mein einzig Begehren, dass Du meiner gedenken mögest, und so wie in Gedanken ich immer zu Deinen Füssen lag, Deine Knie umfassend, so wollte ich, dass Deine Hand segnend auf mir ruhe. Dies waren die Grundakkorde meines Geistes, die in Dir ihre Auflösung suchten. – Da war ich, was allein Seligkeit ist: ein Element von Gewalten höherer Natur durchdrungen, meine Füsse gingen nicht, sie schwebten der Zukunftsfülle entgegen über die irdischen Pfade hinaus; meine Augen sahen nicht, sie erschufen die Bilder meiner seligsten Genüsse; und was meine Ohren von Dir vernahmen, das war Keim des ewigen Lebens, der vom Herzen aus mit fruchtender Wärme gehegt ward. Sieh, ich durcheile mit diesen Erinnerungen die Vergangenheit. Zurück! Von Klippe zu Klippe abwärts, ins Tal einsamer Jugend; hier Dich findend, das bewegte Herz an Deiner Brust beschwichtigend, fühl ich mich zu dieser Begeistrung aufgeregt, mit der der Geist des Himmels in menschlicher Empfindung sich offenbart. Dich auszusprechen wär wohl das kräftigste Insiegel meiner Liebe, ja es bewiese als ein Erzeugnis göttlicher Natur meine Verwandtschaft mit Dir. Es wär ein gelöstes Rätsel, gleich dem lange verschlossnen Bergstrom, der endlich zum Lichte sich drängt, den ungeheuren Sturz mit wollüstiger Begeistrung erleidend, in einem Lebensmoment, durch welchen, nach welchem ein höheres Dasein beginnt. – Du Vernichter, der Du den freien Willen von mir genommen, Du Erzeuger, der Du die Empfindung des Erwachens in mich geboren; mit tausend elektrischen Funken aus dem Reiche heiliger Natur mich durchzuckt. Durch Dich hab ich das Gewinde der jungen