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Unterlass, und bring es." Drauf lächelt' er mitleidig, gleich als hätt er Unmögliches verlangt, und redete Zeiter auch weiter nicht davon. Nun aber Kam mir zufällig jüngst etwas zu Ohren Von ein paar schmutzigen, unwissenden Burschen, Die hätten der Art einen alten Schatz Bestäubt und ungebraucht im Hause liegen. Vielleicht, es träfe sich; so will ich denn Vom König nähere Bezeichnung hören; Doch aber zweifl' ich, zweifle sehr – Horch! ja, dort kommt er Den Hügel vor. O trauervoller Anblick! Sein Gang ist müde. Horch, er spricht mit sich. KÖNIG. O Meer! Du der Sonne Grüner Palast mit goldenen Zinnen! Wo hinab zu deiner kühlen Treppe? KOLLMER. (Ob ich es wagen darf, ihn anzurufen?) Mein teurer König! KÖNIG. Wer warf meinen Schlüssel in die See? KOLLMER. Mein hoher Herr, vergönnt – KÖNIG ihn erblickend. Was willst du hier? Wer bist du? Fort! Hinweg! Fort! willst du nicht fort? Fluch auf dich! KOLLMER. Kennst du mich nicht mehr? dem du manches Mal Dein gnädig Antlitz zugewendet hast? KÖNIG. Du bist's, ich kenne dich. So sag mir an, Wovon die Rede zwischen uns gewesen Das letztemal. Mein Kopf ist alt und krank. KOLLMER. Nach jenem Buche hiessest du mich suchen. KÖNIG. Wohl, wohl, mein Knecht. Doch suchet man umsonst, Was Weila hat verscharrt, die kluge Jungfrau, Nicht wahr? KOLLMER. Gewiss, wenn nicht ihr Finger selbst Mich führt; wir aber hoffen das, mein König. Für jetzt entdeck mir mehr vom heilgen Buche. KÖNIG. Mehr noch, mein Knecht? das kann schon sein, kann sein, Will mich bedenken; wart, ich weiss sehr gut – – Wär vor der Stirn die Wolke nicht! merkst du? Elend! Elend! hier, hier, merkst du? die Zeit Hat mein Gehirn mit zäher Haut bezogen. Manchmal doch hab ich gutes Licht... KOLLMER. Ach Armer! Lass, lass es nur, sei ruhig! Herr, was seh ich? Was wirfst du deine Arme so gen Himmel, Ballst ihm die Fäust ins Angesicht? Mir graut. KÖNIG. Ha! mein Gebet! meine Morgenandacht! Was? Willst einen König lehren, er soll knien? Seit hundert Jahren sind ihm wund die Kniee – Was hundert –? o ich bin ein Kind! Komm her, Und lehr mich zählen – Alte Finger! Pfui! Auf, Sklave, auf! Ruf deine Brüder all! Sag an, wie man der Götter Wohnung stürmt! Sei mir was nütze, feiger Schurke du! Die Hölle lass uns stürmen, und den Tod, Das faule Scheusal, das die Zeit verschläft, Herauf zur Erde zerren ans Geschäft! Es leben noch viel Menschen; Narre du, Mir ist es auch um dich! willst doch nicht ewig Am schalen Lichte saugen? KOLLMER. Weh! er raset. KÖNIG. Still, still! Ich sinne was. Es tut nicht gut, Dass man die Götter schmähe. Sag, mein Bursch, Ist dir bekannt, was, wie die Weisen meinen, Am meisten ist verhasst den sel'gen Göttern? KOLLMER. Lehr mich's, o König. KÖNIG. Das verhüte Weila, Dass meine Zunge nennt was auch zu denken Schon Fluch kann bringen. – Hast du wohl ein Schwert? KOLLMER. Ich habe eins. KÖNIG. So schone deines Lebens, Und lass uns allezeit die Götter fürchten! – Was hülf es auch, zu trotzen? Das Geschick Liegt festgebunden in der Weissagung, So deins wie meines. Nun – wohlan, wie lautet Der alte Götterspruch? ein Priester sang Ihn an der Wiege mir, und drauf am Tag Der Krönung wieder. KOLLMER. Gleich sollst du ihn hören; Du selber hast ihn neulich mir vertraut. Ein Mensch lebt seiner Jahre Zahl: Ulmon allein wird sehen Den Sommer kommen und gehen Zehnhundertmal. Einst eine schwarze Weide blüht, Ein Kindlein muss sie fällen, Dann rauschen die Todeswellen, Drin Ulmons Herz verglüht. Auf Weilas Mondenstrahl Sich Ulmon soll erheben, Sein Götterleib dann schweben Zum blauen Saal. KÖNIG. Du sagst es recht, mein Mann; ein süsser Spruch! Mich dünkt, die wen'gen Worte sättigen rings Die irdische Luft mit Weilas Veilchenhauch. KOLLMER. Ergründest du der Worte Sinn, o Herr? KÖNIG. Ein König, ist er nicht ein Priester auch? Still, meine heil'ge Seele kräuselt sich, Dem Meere gleich, bevor der Sturm erscheint, Und wie ein Seher möcht ich Wunder künden, So rege wird der Geist in mir. – Freilich, zu trüb, zu trüb ist noch mein Aug – Ha, Sklave, schaff das Buch! mein lieber Sklave! KOLLMER. Beschreib es mir erst besser. KÖNIG. Nur Geduld. Ich sah es nie und kein gemeiner Mensch. Von Priesterhand verzeichnet steht darin, Was Götter einst Geweihten offenbarten, Zukünftger Dinge Wachstum und Verknüpfung; Auch wie der Knoten meines armen Daseins Dereinst entwirrt soll werden, deutet es. (Lass mich vollenden, weil die Rede fliesst –) Im Tempel Nidru-Haddin hütete Die weise Schlange solches Heiligtum, Bis dass die grosse Zeit erfüllet war, Und alle Menschen starben; sieh, da nahm Die Göttin jenes Buch, und