highChunks/1822_Waiblinger_103_20940.txt -- topic 7 topicPct 0.259640097618

Plätschern des Wassers beim Schlage des Ruders. Da begann ich endlich: Atalanta, fühlst Du den stillen Geist, der über der ruhenden Gegend schwebt? Sie drückte meine Hand und blickte mich an mit dem Auge voll namenloser Liebe und lispelte seufzend: Ich fühle! Und dann schwiegen wir wieder, und manchmal nur bebten unsere Lippen: O Gott! Unsere Seelen wurden wie das klare reine Gewässer, unser Leben wie ein einziger Hauch der Liebe. Ja, Atalanta, sprach ich wieder, wie die Mondnacht ist unser Leben, wenn es am schönsten ist. Ist nicht die Gegend wie ein Traum? Wir schweben umher. Der Wind kühlt unsere heissen Wangen und lindert das brennende Sehnen unserer Brust. Die Pfade sind eben und glatt wie die Wasser. Ferne liegt die Wirklichkeit wie das Ufer mit ihren finstern Gestalten. Und wenn sie nicht so ferne lägen, ach, da wär' unser Leben auch nicht so schön. Kannst Du, sagte Atalanta, kannst Du ein Ende denken dieser Wonne? Bricht endlich nicht die Morgenröte von Osten her und beleuchtet jene Gestalten, die so schön sind aus der Ferne? Unendlich, ewig, Atalanta, ist die Liebe wie Deine Seele. Tod wäre das Ende der Liebe, und die Seele stirbt nicht. Die Liebe ist ewig jung und wandelt ewig unter Blumen. Ach, aber die Blumen welken, Phaeton! seufzte Atalanta mit einem unaussprechlichen Schmerz im Auge. Ewige Jugend, Du zarter Engel! Die Liebe kennt kein Alter wie der warme Sonnenstrahl, der auch um graue Mauertrümmer quillt. Und einst, wie die jungen Geister sich lösen aus der alten ehrwürdigen Hülle und frei sind und dahin schweben können durch den Äter und zum erstenmal als Geister sich küssen – Atalanta, ein Kuss der Geister! – und wenn sie nichts mehr hindert, ineinander zu fliessen, und eine Umarmung wird die Ewigkeit ... Atalanta blickte in das Wasser und dann hinauf zum Mond, als wollte sie ihn bitten, den lieben, sanften, sie hinaufzunehmen zu seinem reinen Licht. Dann sagte sie: Phaeton, ach, hier ist's schön, doch dort ... Die ewige Vollendung glänzte in ihrem feuchten Auge; ihre Brust hob sich unter dem Gewande. Mir war, als weinte sie nun die letzte Träne, als sei dieser sehnende Blick der letzte, den sie dem Sterblichen zuwerfe, und sie schwebe aus meinen Armen, ein göttlich Wesen, in der schönen Mondnacht zum Himmel, dem ewigen Ziel ihrer heissen brünstigen Sehnsucht. Mein Mund verstummte. Ich schloss sie heftiger an die Brust; ihr Auge wandte sich auf mich, und unsere Lippen waren glühend aneinandergeschlossen. Da hörten wir aus der Ferne eine Flöte. Wie zarte liebende Geister klangen die schwebenden empfindungsreichen Töne zu uns herüber. Unsere Seelen selbst waren wie zusammenschwimmende Akkorde, voll unendlicher Harmonie, voll schwellender Empfindung. Sie lösten sich auf in ein stilles aber überschwänglich seliges Anschaun unseres Innern und verschwammen endlich hinüber wie die blauen Bilder der Berge. Nur: Dein! Dein! seufzten unsere Lippen. Hier und dort! Am Ufer stand eine lange schwarze Gestalt, unbeweglich wie die Tannen um sie her. Es war Katon. Unser Nachen fuhr ans Land. Katon trat uns entgegen und hob Atalanten aus dem Nachen. Die tiefsinnigen Züge des schönen Mannes glühten wunderbar im Mondlicht. Er drückte dem Mädchen die Hand mit Feuer, und wir wandelten langsam wieder dem Schlosse zu. Phaeton an Teodor Noch ist Stärke, Schönheit, Tugend nicht gewichen von der Erde. O, ich fühl' es, fühl' es wie mein Ich, was würdig ist des Menschen. Rein ist der Mensch von seinem Ursprung an; denn von der Gotteit stammt er. In seinem Busen quillt der ewig treibende Keim des Guten wie eine klare, den Himmel abspiegelnde Quelle. Unglücklich ist er, wenn sie getrübt wird; aber verloren ist er, wenn sie versiegt. Das Grösste, was Gott erschaffen auf der Erde, ist der Mann. Er ist's, der Starke, der Mut hat und Kraft und unveränderlichen Willen. Ruhig steht er da in seiner erhabenen Würde wie eine hundertjährige Eiche, deren Riesenwipfel vergeblich Wind und Stürme schütteln. Die Sonne spiegelt in seinen Zweigen schmeichelnd, und niedere Kreaturen der Erde kriechen um seine mächtigen Wurzeln. Und ist er auch geschmiedet, der Mann, an eine Felsenstirn, und kann er seine Arme nicht bewegen.: in seinem Busen lebt die angestammte unerschütterliche Kraft, selbst dem Unendlichen zu trotzen. Aber rein ist der Mann; denn er ist das Abbild Gottes. So denke Dir meinen Katon! Seine Brust gleicht dem Diamanten, der unzerbrechlich fest doch in sich fasst das warme Licht der Sonne. Um ihn schlingen wie zarte weiche Blumen um die Eiche das Weib sich und das Mädchen. Die sanften würden verwelken, wenn sie der kräftige edle Stamm nicht am Busen hielte. Denn weich ist das Mädchen, deren Mund der Hauch der Jugend wie ein glühend Morgenrot beseelt, wie die Mutter, wenn sie ihr lächelnd Kind am warmen milcherfüllten Busen säugt. Aber die echte Jungfrau ist noch Kind, und die echte Mutter ist noch Jungfrau. Ein tiefes Geheimnis ist die keusche Jungfrau. Ihre Jungfrauschaft hört auf, wenn sie kein Geheimnis mehr ist. Sie ist das vollkommenste rührendste Sinnbild der Entwicklung und der Fruchtbarkeit, das Sinnbild der Natur. Darum ist ihre Nähe heilig, und das Unheilige flieht vor ihrer Gegenwart wie vor dem