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ist dieses Lied!
Zart ist die Seele des Mädchens und tief wie die Seele ihrer Blumen! Ach, und es scheint, als ob sie ihre Keime nur zur farbigen Blüt' entfalte, um zu duften und zu – sterben unter den Schauern der Winde.
Du holde weiche Seele, Du Busenkind Deiner Natur, Du stirbst ja nur, um zu leben, und aus dem Tode quillt Dir ein edler Dasein wie aus der Blüte die Fülle reifer Früchte!
Phaeton an Teodor
Bruder, ich bin glücklich, überschwänglich glücklich! Rettung, Rettung! ruft der Gott in meinem Innern.
O, die Worte fliessen mir zusammen, die ich schreibe, vor meinen nassen Augen. Was ist all mein Leiden gegen dieses Glück?
Ich ging heut Abend hinüber. Es war, als triebe mich eine Ahnung dessen, was mir begegnen werde. Meine Seele war voll Licht, und das letzte schmerzliche Gefühl entschwebte wie die Wolke über die sonnige Wiese.
Katon lag auf einem alten grauen Stein vor seinem Mausoleum und spielte mit einem frischgebrochnen Zweig in seinen Händen. Lange bemerkt' er mich nicht. Da bückt' ich mich über ihn hinein und sagte: Guten Abend!
Bist Du's? rief er heiter und zog mich auf den Marmor.
Und wie wir so eine Zeitlang gegeneinander sassen, da fasst' er mich ins Gesicht und sagte: Phaeton, ziehe zu uns herüber!
Katon! stammelt' ich betroffen.
Du hast noch Platz im Hause der Gräfin! fuhr er fort. Wir richten Dir ein Zimmer ein, dem Dorfe gegenüber, und Du vollendest hier Deine Polyxena.
Ich konnte nichts hervorbringen. Schweigend drückt' ich ihm die Hand.
Cäcilie wünscht, versetzt' er, dass Du für sie Deine Polyxena bildest und Atalanta ...
Ich bebte.
Und Atalantas Züge seh' ich ja doch in Deiner Phrygerin. Du möchtest wohl, dass sie Dir stehe?
Katon! Katon! rief ich schluchzend und lag ihm weinend an der Brust.
Er aber sah mich an mit ernster Miene und sprach: Nicht diese Leidenschaft, wilder Jüngling! Dein inneres Treiben ist mir nicht verborgen. Auch ich war einst jung; aber ich ward gebrochen in meiner Jugend wie der Zweig in meinen Händen. Möchtest Du glücklicher sein!
Und hier seufzt' er, als ob die Brust ihm hätte zerspringen wollen. Auch er, dacht' ich, auch er, der starke feste Mann? Freund, sahst Du schon Felsen zittern, die, in die Erde tief gewurzelt, das kühne Riesenhaupt zum Himmel strecken?
Und willst Du? fragt' er endlich. O Gott, ich will! Ich will! war das Einzige, was ich sagen konnte. So wollen wir zu Cäcilie gehen! sagt' er freundlich. Wir gingen. Mein Herz klopfte. Ich wagte kein Wort zu sprechen. Katon rief: Er will! Er zieht zu uns!
O Himmel! Und wie nun die Mutter mich bat, gleich in den nächsten Tagen zu kommen, und Katon sagte: Atalanta, Du musst ihm die Züge leihen zu seiner Polyxena! und die Holde verschämt zur Erde blickte und schwieg!
Mein Glück ist vollendet. Ich habe mein Ziel gefunden und wandle unter Gestalten, wie kaum ein kühner Traum sie mir gezeigt. Gott! Gott! Den ganzen Abend jauchz' ich.
Dein Freund ist glücklich, wie die Götter es sind! Wie geflügelt ist meine Seele! Und ich glaube, der Sonnengott sei mein Vater, und ich tauche selig meine Finger in sein Morgenrot.
Phaeton an Teodor
Ich hab' alles schon zusammengeräumt. Johannes half mir. Es tut mir weh, zu scheiden von diesem Menschen. Aber es ist umsonst. Kann der Glückliche länger verweilen bei den Armen, die um ihn weinen, wenn er hinüber schon blickt in das Leben, wo man glücklich ist, ganz glücklich! Ach, er drückt den Zurückbleibenden die Hand und küsst ihre Lippen und scheidet. Ich komme nicht zur Besinnung diese Tage. Katon war gestern hier und drang darauf, dass ich morgen schon hinüberkomme. Es geschieht.
Phaeton an Teodor
Ich hab Abschied genommen von der lieben Hütte, die mich geborgen, und nicht einmal die Trauben darf ich geniessen, die um mein Fenster blühten! Hinüber! Hinüber! O Gott, dieses hinüber!
Mein ganzer Haushalt ist fortgebracht. Ich blieb bis zum Abend im Dorf und schied mit Tränen. Meinen Johannes bat ich, recht oft mich zu besuchen.
Und nun bin ich unter den wunderbaren Dreien. Meine Werkstatt ist geräumig. Der Eingang ist gerade Katons Mausoleum gegenüber. Das Licht kommt von oben, und das ist ja dem Künstler nötig.
All das ist so schnell erfolgt aufeinander, dass ich's kaum zu erfassen vermag mit e i n e m Gedanken.
Phaeton an Teodor
Teodor, ach tausend kleine Wonnen knüpfen sich wie Blumen zu einem Kranze zusammen zu e i n e r grossen allbeseligenden Wonne! Und kann ich sagen, meine Brust ist reif, zu tragen diese Fülle wie der Baum die Früchte? Mein Leben ist ein göttlicher Genuss.
Lasst mich nur schwelgen! Ich kann, ich mag kein Mass halten. Ganz, ganz will ich glücklich sein, bis auf den Grund hinunterstrudeln den schäumenden Becher, und wenn ich dann taumle und mich verliere, und mein Dasein mir zum Traume wird, ach, dann, dann wird mir einmal wohl werden. Aber das begreift Ihr